Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben ein aus Gaza kommendes Schiff abgefangen, das aus Protest gegen die Abriegelung des Gazastreifens die Seeblockade durchbrechen wollte. Nach Militärangaben werden die Passagiere durchsucht und anschließend zum Marinestützpunkt Aschdod gebracht. An Bord des Protestschiffs befänden sich neun Personen, unter ihnen mehrere Verletzte.

Hunderte Menschen waren zum Hafen von Gaza gekommen, als das Boot ablegte. "Wir sind entschlossen, die Seeblockade zu durchbrechen", hatte der Organisator Raed Abu Dair angekündigt. Später teilten die Organisatoren mit, sie hätten die israelische Seeblockade vor dem Gazastreifen durchbrochen. Ihr Boot habe die Sechs-Meilen-Zone verlassen und sei auf dem Weg nach Zypern.

Ende Mai war schon einmal eine kleine palästinensische Flotte in See gestochen, um die Seeblockade zu durchbrechen. Auch sie wurde rasch vom israelischen Militär aufgehalten.

Seit dem 30. März protestieren Bewohner des Gazastreifens entlang des Grenzzauns, der die Enklave von Israel trennt. Dabei gab es schon mehrmals gewaltsame Zusammenstöße zwischen Palästinensern und dem israelischen Militär. Es gab zahlreiche Toten und Verletze auf palästinensischer Seite. Nach israelischen Angaben lösten von Palästinensern in Brand gesetzte Flugdrachen seit Ende März Hunderte Feuer im Grenzgebiet aus und sorgten für Sachschäden in Millionenhöhe. 28 Quadratkilometer Land im Süden Israels seien zerstört worden. Zudem landeten Heliumballons mit kleinen Sprengsätzen aus dem Gazastreifen in Israel. 

Einziger Warenübergang geschlossen

Am Montag schloss Israel den einzigen Warenübergang in den Gazastreifen wegen der anhaltenden Angriffe von Palästinensern mit Brandsätzen. Für humanitäre Lieferungen wie Essen und Medizin bleibe der Grenzübergang Kerem Schalom auf Basis fallweiser Entscheidungen geöffnet, teilte die Armee mit. Ausgeschlossen sei die Ein- und Ausfuhr aller weiteren Güter, darunter Baumaterial sowie landwirtschaftliche Produkte aus Gaza. Außerdem begrenzte das Militär die Fischereizone auf sechs Seemeilen. Saisonbedingt verläuft die Begrenzung um diese Jahreszeit normalerweise neun Seemeilen vor der Küste.

Die weitgehende Schließung des letzten Warenübergangs dürfte die ohnehin prekäre Versorgungslage im Gazastreifen weiter verschlimmern. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sind auf Hilfslieferungen angewiesen. Die Vereinten Nationen kritisierten die Entscheidung. "Humanitäre Unterstützung ist kein Ersatz für Handel und Gewerbe", sagte der UN-Nahostgesandte Nikolaj Mladenow. Er forderte, die Entscheidung rückgängig zu machen. Gleichzeitig sollten die Hamas und andere Organisationen das Senden der Branddrachen stoppen.

Der Gazastreifen ist weitgehend abgeriegelt, seit dort 2007 die islamistische Hamas die Macht übernommen hat. Sie bekämpft den Staat Israel militärisch und wird sowohl von Israel als auch von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft.