Vor dem Nato-Gipfel hat EU-Ratspräsident Donald Tusk von US-Präsident Donald Trump mehr Wertschätzung für die europäischen Partner gefordert. "Liebes Amerika, schätzen Sie Ihre Verbündeten, denn schließlich haben Sie nicht so viele", sagte Tusk nach der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung zu einer verstärkten Zusammenarbeit von EU und Nato.

Der Konflikt über die Verteidigungsausgaben der Nato-Mitglieder belastet das Spitzentreffen der Militärallianz, das am Mittwoch und Donnerstag im Nato-Hauptsitz Brüssel stattfindet. Die Staats- und Regierungschefs der Nato hatten 2014 als Reaktion auf die Annexion der Krim durch Russland vereinbart, dass sich alle Mitgliedsstaaten bei ihren Verteidigungsausgaben bis 2024 einem Wert von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts annähern sollen. Das schaffen derzeit nur fünf von 29 Mitgliedsstaaten.

Streit gibt es vor allem deswegen, weil die Bündnispartner das Zweiprozentziel unterschiedlich interpretieren. Die USA sind der Auffassung, dass alle Nato-Länder die zwei Prozent wirklich erreichen müssen. Aus Sicht der deutschen Bundesregierung geht es lediglich darum, sich auf die zwei Prozent zuzubewegen.

Deutschlands Verteidigungsausgaben bei 1,24 Prozent der Wirtschaftsleistung

So oder so kommt Deutschland in diesem Punkt nicht voran. Wie die Nato kurz vor dem Gipfel mitteilte, werden die deutschen Verteidigungsausgaben in diesem Jahr voraussichtlich weiter nur 1,24 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen – genauso viel wie 2017.

Tusk wies nichtsdestotrotz auf die finanziellen Anstrengungen der europäischen Nato-Mitglieder hin. "Die Europäer geben heute ein Vielfaches dessen für Verteidigung aus, was Russland ausgibt und genauso viel wie China", sagte Tusk. Er hoffe, dass Trump nicht daran zweifele, dass dies eine Investition in die gemeinsame Sicherheit sei. Beim Gipfel, aber vor allem auch bei seinem in der nächsten Woche geplanten Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin, solle Trump daran denken, wie die europäischen Partner nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 an der Seite der USA gestanden hätten. Allein 870 europäische Männer und Frauen hätten im darauffolgenden Afghanistan-Einsatz ihr Leben gelassen. "Es ist immer gut zu wissen, wer strategischer Freund ist und wer strategisches Problem ist", sagte Tusk.

Trump hat dagegen vor seinem Abflug zum Nato-Gipfel nach Brüssel seine Kritik an anderen Bündnispartnern bekräftigt. "Die USA zahlen ein Vielfaches mehr als jedes andere Land, nur um sie zu beschützen. Nicht fair für den amerikanischen Steuerzahler", schrieb Trump bei Twitter. Er soll am Abend in Brüssel ankommen.

Trump sieht beim Gipfeltreffen mit den Nato-Verbündeten mehr Konflikte auf sich zukommen als bei seiner Begegnung mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin am Montag in Helsinki. "Ehrlich gesagt, Putin könnte das Leichteste sein", sagte Trump. Er wirft anderen Nato-Mitgliedern seit Längerem vor, nicht genügend Geld in die Verteidigung zu investieren. Dazu schrieb er auf Twitter: "Die Nato-Länder müssen MEHR bezahlen, die Vereinigten Staaten müssen WENIGER bezahlen!"