Der von den deutschen Behörden nach Tunesien abgeschobene Islamist Sami A. ist seit Freitag ein freier Mann. Ein Untersuchungsrichter in Tunis ordnete an, ihn aus dem Gefängnis im Stadtteil El Gorjani zu entlassen, erklärte Sofiène Sliti, Sprecher der Anti-Terror-Justizbehörde. Der mutmaßliche Ex-Leibwächter von Osama bin Laden war am 13. Juli unter umstrittenen Umständen aus Deutschland abgeschoben worden. 

Für eine Auslieferung nach Deutschland, so Sliti, gebe es keine rechtliche Grundlage, Sami A. sei tunesischer Staatsbürger. Wenn er sich etwas habe zuschulden kommen lassen, werde das vor einem tunesischen Gericht verhandelt, und nicht in Deutschland. Bislang aber lägen keine konkreten Anschuldigungen gegen ihn vor. Aus Sicht des Untersuchungsrichters sei der Fall allerdings nicht abgeschlossen. Es werde weiter gegen Sami A. ermittelt, und sein Reisepass bleibe eingezogen, erklärte Sliti. Mit dieser Entscheidung bestätigt Tunesien nun auch offiziell seine Linie in dem spektakulären Fall, die sich bereits in den letzten Tagen abzeichnete. Der Anwalt von Sami A., Seif Eddine Makhlouf, hatte zuvor erklärt, die tunesische Justiz habe gegen seinen Mandanten nichts in der Hand.

Aberhunderte Extremisten wie Sami A. sind nach dem Zusammenbruch des IS in ihre Heimat zurückgekehrt, auf eigene Faust oder aus europäischen Staaten abgeschoben. In Tunesien stellen sie den kleinen nordafrikanischen Staat vor gewaltige Sicherheitsprobleme. Schätzungsweise 3000 Tunesier hatten sich seit Mitte 2014 dem "Islamischen Kalifat" angeschlossen, bezogen auf die Gesamtbevölkerung mehr als in jeder anderen Nation der Welt.