Die Lage an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen hat sich erneut zugespitzt. Nach palästinensischen Angaben wurden bislang drei Menschen getötet. In der Nacht kamen eine schwangere Frau und ihre 18 Monate alte Tochter ums Leben. Die 23-Jährige und ihre Tochter seien bei einem Angriff in Dschafarawi im Zentrum des Gazastreifens getötet worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die Hamas hatte zuvor bereits den Tod eines Mitglieds ihres bewaffneten Arms bekannt gegeben. Mindestens elf Menschen wurden verletzt.

Die israelische Armee griff nach eigenen Angaben vom Mittwochabend zwölf Ziele im Gazastreifen an, nachdem zuvor von dort Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden seien. "Bis jetzt wurden ungefähr 70 Raketenabschüsse aus dem Gazastreifen auf israelisches Gebiet registriert", teilte die israelische Armee am späten Abend mit. Nach Polizei- und Armeeangaben trafen mindestens zwei Dutzend Raketen die südisraelische Stadt Sderot. Die übrigen Geschosse aus dem von der radikalislamischen Hamas beherrschten Palästinensergebiet schlugen der Armee zufolge überwiegend auf offenem Gelände ein, elf seien abgefangen worden.

Zu den Angriffen bekannte sich der bewaffnete Arm der Hamas. Die Palästinenserorganisation hatte am Dienstag mit Vergeltung gedroht, nachdem israelische Soldaten zwei ihrer Mitglieder getötet hatten. Dem war ein Beschuss israelischer Soldaten an der Grenze vorausgegangen. Israelischen Medienberichten zufolge räumte die Armee aber später ein, der Angriff auf die Hamas sei erfolgt, nachdem die Armee "fälschlicherweise" angenommen habe, dass die Schüsse auf die Soldaten von dieser Stellung aus erfolgt seien.

Die UN verurteilten die Raketenangriffe. Der UN-Nahostgesandte Nickolai Mladenow zeigte sich "alarmiert über die jüngste Eskalation der Gewalt und insbesondere über die zahlreichen auf Gemeinden im Süden Israels abgefeuerten Raketen". Er rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf.

Seit Ende März sind bei teilweise gewaltsamen Protesten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 160 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet und Tausende verletzt worden. 120 der Palästinenser starben dem Ministerium und einer örtlichen Menschenrechtsgruppe zufolge bei Protesten am Grenzzaun. Im selben Zeitraum wurde ein israelischer Soldat von einem Heckenschützen aus dem Gazastreifen getötet. Ägyptische Vermittler hatten die Hamas Mitte Juli zu einer Waffenruhe bewegt, die zunächst hielt. Eine Woche später kam es jedoch erneut zu Gefechten.

Die Palästinenser fordern ein Ende der vor mehr als zehn Jahren verhängten Gaza-Blockade und ein Rückkehrrecht in ihre frühere Heimat oder die ihrer Eltern im israelischen Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Bei dem Konflikt wurden insgesamt 2.250 Palästinenser getötet oder starben infolge ihrer Verletzungen, auf der israelischen Seite gab es 74 Tote. Israel lehnt die Forderungen ab.