Dass US-Präsident Donald Trump die meisten Medien nicht ausstehen kann, ist bekannt. Doch seine Attacken auf die Presse haben in den letzten Wochen eine neue Qualität erreicht. "Sie erfinden einfach Geschichten, sie sind ekelhafte Fake-News", schimpfte er etwa auf einer Veranstaltung in Pennsylvania. Während seines Staatsbesuchs in London weigerte sich Trump, eine Frage des CNN-Korrespondenten Jim Acosta zu beantworten. Eine Kollegin Acostas wurde später von einem Treffen im Weißen Haus ausgeschlossen, nachdem sie kritische Fragen gestellt hatte. Und als mehrere Journalisten Sarah Huckabee Sanders, die Sprecherin des Weißen Hauses, fragten, ob sie die Presse tatsächlich für den "Feind des Volkes" halte, verweigerte sie die Antwort.

Nun organisieren sich Journalistinnen und Journalisten gegen die Attacken. Der "Boston Globe" hatte vor wenigen Tagen landesweit Redaktionen dazu aufgerufen, an diesem Donnerstag Leitartikel zu veröffentlichen, um sich gegen die "schmutzigen Angriff auf die freie Presse" zu wehren. "Wir sind nicht der Feind des Volkes", schrieb Marjorie Pritchard, die Initiatorin der Aktion. Ob eine Zeitung eher rechts oder links sei, dürfe keine Rolle spielen: "Wir alle können uns darauf einigen, dass diese Angriffe alarmierend sind." Die Aktion sei "nicht Anti-Trump, sondern pro Presse". Mehr als 300 Zeitungen sind dem Aufruf gefolgt, darunter große überregionale Zeitungen wie die "New York Times", Regionalzeitungen wie der "Miami Herald", aber auch Lokalzeitungen.

Auch Megan Schrader hat einen Leitartikel geschrieben. Die Redakteurin leitet die Meinungsseiten der "Denver Post". Die Zeitung im Bundesstaat Colorado hat eine Auflage von 130.000 Exemplaren.

ZEIT ONLINE: Warum war es Ihnen wichtig, sich an dieser landesweiten Aktion zu beteiligen?

Megan Schrader: Es ist sehr wichtig für mich und meine Kollegen, für unsere Werte aufzustehen und unsere Arbeit zu verteidigen. Journalisten sind ein elementarer Teil einer Demokratie, und es braucht gut informierte Wähler. Die Anschuldigungen aus dem Weißen Haus, etwa dass unsere Fakten nicht stimmten, sind sehr schädlich und machen es wirklich schwierig für uns, unsere Arbeit zu tun.

ZEIT ONLINE: Wann haben Sie entschieden, ebenfalls einen Leitartikel zu schreiben?

Schrader: Der Boston Globe hat sich vergangene Woche bei mir gemeldet, und für mich war sehr schnell klar, dass wir uns daran beteiligen wollen.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass diese Aktion etwas verändern kann?

Schrader: Ich fürchte, dass wir beim Präsidenten selbst damit nichts bewegen können. Im Gegenteil, es ist sehr wahrscheinlich, dass er mit seinen Angriffen jetzt erst recht noch einmal nachlegt.

ZEIT ONLINE: Wie sieht es mit Ihren Leserinnen und Lesern aus?

Schrader: Ich hoffe sehr, dass wir sie damit erreichen, und um sie geht es mir persönlich am meisten. Ich will ihnen vor allem versichern, dass wir wirklich bemüht sind, die Fakten zu liefern und sie richtig wiederzugeben. Wir haben keine Agenda, wir sind nicht darauf aus, den Präsidenten um jeden Preis zu stürzen. Ich will unseren Lesern hier in Colorado verständlich machen, dass wir unsere Sache ernst nehmen. Dass wir das zusammen mit Hunderten anderen Zeitungen im Land tun, hat eine enorme Symbolkraft.

ZEIT ONLINE: Wer sind Ihre Leserinnen und Leser?

Schrader: Colorado ist ein sogenannter violetter Staat, die Wähler sind zu einem Drittel Republikaner, zu einem Drittel Demokraten und zu einem Drittel unabhängige Wähler. Unsere Leser kommen entsprechend auch von beiden Seiten des Spektrums.

ZEIT ONLINE: Und wie reagieren diejenigen, die den Präsident unterstützen?

Schrader: Ein Leser hatte sich vor wenigen Tagen bei mir persönlich gemeldet und uns vorgeworfen, wir seien voreingenommen gegenüber Trump. Er sagte, es sei ein Fehler, an dieser Aktion teilzunehmen. Meine Konversation mit ihm greife ich in meinem Artikel auf, weil ich genau diese Leute erreichen will, die nicht nur Trump-Unterstützer sind, sondern ihm auch glauben, wenn er von Fake-News spricht.