Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) sieht die Ergebnisse des Staatsbesuchs von Recep Tayyip Erdoğan in Deutschland kritisch. "Bei der Eröffnung der zentralen Ditib-Moschee in Köln haben sowohl die türkische als auch die deutsche Seite die Chance zu einem gemeinsamen, versöhnlichen Auftritt verpasst", sagte TGD-Vorsitzender Gökay Sofuoğlu den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Statt Seite an Seite mit deutschen Spitzenpolitikern die Zugehörigkeit der Muslime zu Deutschland zu unterstreichen, hätte Erdoğan den Termin für seine Zwecke genutzt, beklagte Sofuoğlu. "Mit dem weitgehenden Ausschluss der deutschen Öffentlichkeit hat der Moscheeverband Ditib viele Vorbehalte bestärkt. Die Moschee-Eröffnung in Köln hat im deutsch-türkischen Verhältnis einen Scherbenhaufen hinterlassen, der nur mühsam zusammengekehrt werden kann."

Die Begegnungen des türkischen Staatsoberhaupts mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wertete Sofuoğlu hingegen als Chance zu einer Wiederannäherung. "Beide Seiten haben einen vorsichtigen Versuch der Annäherung unternommen. Der offene und kritische Austausch bekannter Standpunkte lässt auf weitere Gespräche hoffen."

Erdoğan hatte die Kölner Moschee am Samstag zum Abschluss seines dreitägigen Staatsbesuchs eröffnet. Deutsche Politiker nahmen an der Veranstaltung nicht teil. Am Freitag war Erdoğan in Berlin von Steinmeier mit militärischen Ehren empfangen worden. Merkel hatte am Freitag und Samstag mit dem Staatsgast gesprochen. Während die deutschen Vertreter vor allem die Differenzen mit der Türkei unter anderem in Menschenrechtsfragen betonten, wertete das türkische Staatsoberhaupt seinen Besuch als Erfolg.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland wurde 1995 gegründet und vertritt eigenen Angaben zufolge die Belange und Interessen türkeistämmiger Menschen in Deutschland gegenüber Politik und Verwaltung. Der föderal organisierten Organisation gehören bundesweit rund 270 Einzelvereine an.

Anders sieht es bei Ditib aus: Experten gehen inzwischen davon aus, dass der Verband unter der Kontrolle der türkischen Regierung steht. Der Bund fördert keine Projekte in Ditib-Trägerschaft mehr. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat ihre Kooperation mit dem Verband gestoppt.


In einer früheren Version des Artikels war fälschlicherweise der Verband Türkische Gemeinde in Deutschland in die Nähe der türkischen Regierung gerückt worden. Dem ist nicht so, wir haben das korrigiert.