Die Sonne strahlt über der Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Vor dem Eingang des prächtigen Baus sitzen Hunderte geladene Gäste im Freien. Bis kurz nach 16 Uhr lässt sie der türkische Präsident am Samstag warten. Dann ist er da: Recep Tayyip Erdoğan steht vor der riesigen hölzernen Flügeltür der Moschee. "Ich danke meinem Freund Steinmeier. Es war ein erfolgreicher Besuch in einer kritischen Phase", sagt Erdoğan über seinen Staatsbesuch in Deutschland.

Die türkischen Minister, die Erdoğan begleiten, blicken während der folgenden Rede immer wieder am Gebäude hoch. Die bekannteste Moschee Deutschlands hat eine 36,50 Meter hohe Kuppel. Flankiert wird sie von zwei 55 Meter hohen Minaretten. Seit 2017 können Muslime und Besucher das Gotteshaus betreten. Doch erst Erdoğan sollte es vergönnt sein, das Gebäude ein Jahr später während seines Staatsbesuchs offiziell zu eröffnen.

In seiner Rede spricht Erdoğan viel über Religion. Aber auch kritische politische Themen mit Deutschlandbezug reißt er an, Rassismus etwa. Wie es denn sein könne, fragt der türkische Präsident, dass ein Foto mit ihm und Mesut Özil solche Reaktionen hervorrufe. Özil hatte sich vor der Fußball-WM in Russland mit Erdoğan fotografieren lassen. Als Reaktion auf die folgende, heftige Kritik an ihm trat der 29-Jährige nach dem Turnier aus der deutschen Nationalmannschaft zurück. Erdoğan sagt nun: "Ich erinnere mich an ein Fußballspiel im Beisein der Kanzlerin. Damals schoss Özil ein Tor gegen die Türkei! Ich freute mich für ihn, so etwas muss man doch sportlich sehen." Unter den geladenen Gästen in Köln bricht Jubel aus.

Friedlicher Jubel, friedliche Kritik

Während Erdoğans insgesamt gemäßigter Rede geht es einige Hundert Meter weiter vor den vielen Polizeiabsperrungen frenetisch zur Sache. "Hau ab! Hau ab!", rufen Demonstranten in Richtung des Präsidenten. Seine Unterstützer kontern in der Nähe der Moschee mit eigenen Slogans. Ein bärtiger Mann ruft der Menge zu: "Es gibt nur einen ..."; Fans des Präsidenten antworten: "Allah! Allah!"

Eine Gruppe junger Männer marschiert stolz nebeneinander auf. Gekleidet in Anzügen, tragen sie Schals mit der Aufschrift "Sedat Peker". Der Mann ist ein verurteilter Mafiapate, der in der Türkei Akademikern und Wissenschaftlern drohte, in ihrem Blut zu baden. Erdoğans politische Agenda aus Frommheit und Nationalismus hat an diesem Samstag eine Klientel angezogen, die viele Kölner irritiert. Ein Mann, der das Geschehen aus seinem Fenster beobachtet, schüttelt den Kopf und fragt: "Was ist denn nur los mit denen?"

Die meisten Erdoğan-Befürworter freuen sich allerdings ruhig und friedlich über den Besuch ihres Präsidenten. Laut Polizei gab es den ganzen Tag über keine Verletzten. Sowohl bei den Anhängern des Präsidenten als auch bei dessen Gegnern blieben Zahlen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter den Erwartungen der Polizei.