Bei der Eröffnung der Ditib-Moschee in Köln wird der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan eine 15- bis 20-minütige Rede halten. Das sagte der AKP-Abgeordnete und Erdoğan-Vertraute Mustafa Yeneroğlu. In seiner Rede werde Erdoğan die deutsch-türkische Freundschaft betonen und hervorheben, dass die Moschee "ein Zeichen der Weltoffenheit und des gelebten Pluralismus in Köln" sei.  

Erdoğan wird am 28. und 29. September zu seinem ersten Staatsbesuch in Berlin erwartet. Dazu gehören ein Empfang mit militärischen Ehren, ein Staatsbankett bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Politiker der Linke, der Grünen und der AfD hatten die Einladung Erdoğans kritisiert. Auch die Bevölkerung ist gespalten: Vor dem Brandenburger Tor ist eine Großdemonstration gegen seine Politik geplant. Nach seinem Aufenthalt in Berlin will Erdoğan nach Köln weiterreisen. Auch da gab es bereits kritische Stimmen gegen den Besuch. 

Yeneroğlu sagte, die Eröffnung der Ditib-Moschee solle "ein schönes und versöhnliches Ereignis werden". Erdoğan werde aber sicherlich auch seine Sorgen angesichts eines wachsenden Rechtsradikalismus in Deutschland und die Befürchtungen der Muslime ansprechen. Yeneroğlu zufolge werden auch mehrere türkische Minister sowie der Chef der Religionsbehörde Diyanet aus Ankara zu der Eröffnung kommen. 

Reker sagt Teilnahme ab

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat ihre Teilnahme bei der Eröffnung der Kölner Ditib-Moschee abgesagt. "Ich bedauere es sehr, dass die Gesamtumstände des Besuches des türkischen Präsidenten dazu geführt haben, dass ich den Entschluss fassen musste, der Eröffnung der Moschee fernzubleiben", teilte die Politikerin mit. Die Stadt Köln werde bei der Veranstaltung nicht vertreten sein.

Reker begründete die Absage mit dem Verhalten der Türkisch-Islamischen Union Ditib, zu der die Moschee gehört. Noch drei Tage vor der Eröffnung seien Ablauf und Rolle der Stadt "völlig ungeklärt" geblieben. Sie selbst habe dem Verband immer wieder die Türen geöffnet. "Ich muss aber erkennen, dass die Ditib derzeit ihrer Verantwortung nicht gerecht wird", teilte Reker mit.

Erdoğan soll am Samstagmittag gegen 13 Uhr in Köln eintreffen. Der Beginn der Zeremonie ist laut Einladungskarte auf 14 Uhr angesetzt. Insgesamt solle die Zeremonie nicht mehr als eineinhalb Stunden dauern, sagte Yeneroğlu. 

Der Architekt der Großmoschee, Paul Böhm, wird ebenfalls nicht zur Eröffnung können. Ditib hatte ihm nicht erlauben wollen, bei dem Ereignis zu sprechen. 2011 hatte die Ditib den Architekten Böhm mitten in der Bauphase rausgeworfen und ihm Mängel und Erhöhung der Baukosten vorgeworfen. Zwischenzeitlich hatte der Verband sogar behauptet, Böhm habe in seinem Entwurf christliche Symbole versteckt, berichtet der Kölner Express.

Die Ditib steht in der Kritik. 2017 stellte sich heraus, dass Imame der Ditib für die Türkei in Deutschland gespitzelt hatten. Formal ist die Ditib, die Türkisch-Islamische Union, ein unabhängiger deutscher Verein, doch die Imame in den Ditib-Moscheen werden von der türkischen Religionsbehörde Diyanet entsandt und bezahlt. 

Seit ihrer Gründung 1924 hat Diyanet zum Ziel, eine Auslegung des Islam im Einklang mit den Vorstellungen des türkischen Staates zu propagieren. Mit ihren 117.000 Mitarbeitern, fast 87.000 Moscheen und eigenen Verlagen und Fernsehsendern ist sie heute eine der größten staatlichen Institutionen der Türkei. Während sie sich selbst als wichtiges Bollwerk gegen religiösen Extremismus darstellt, sehen viele in ihr ein Propagandainstrument Erdoğans.