Nach dem Leak persönlicher Daten von rund tausend Menschen will Justizministerin Katarina Barley (SPD) eine zentrale Anlaufstelle für Verbraucherinnen und Verbraucher schaffen. "Die Bürgerinnen und Bürger müssen wissen, da können wir uns hinwenden und da wird uns geholfen", sagte Barley im ARD-Morgenmagazin. Sie schlug die Einrichtung einer Telefon-Hotline vor, die etwa beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingerichtet werden könnte.

"Was wir wollen, ist eine zentrale Anlaufstelle, die auch mehr Kompetenzen hat", sagte die Politikerin. Dies sei auch für die Behörden hilfreich, um die Fälle verfolgen zu können. Barley kündigte an, sich mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) beraten zu wollen. Anfang Januar war bekannt geworden, dass von zahlreichen deutschen Politikerinnen und Politikern, prominenten Musikern und Journalisten von ARD und ZDF sensible Daten veröffentlicht wurden, darunter Handynummern, Bilder von Personalausweisen, parteiinterne Dokumente und Chats mit Familienmitgliedern. Verdächtigt wird ein 20 Jahre alter Hacker. Nach Polizeiangaben hat er die Tat gestanden. Als Motiv gab der Verdächtige an, aus Verärgerung über Äußerungen der betroffenen Personen gehandelt zu haben.

Barley rief die Anbieter von Internetangeboten wie E-Mail-Provider und soziale Netzwerke auf, die Zwei-Faktor-Authentifizierung standardmäßig anzubieten. Auch sie werde die doppelte Identifizierung durch ein Passwort und zusätzlich durch einen zugeschickten Code künftig stärker nutzen, kündigte die Justizministerin an. Barley gehörte ebenfalls zu jenen, deren persönliche Daten im Netz veröffentlicht wurden.

Umfrage: Hälfte der Nutzer Opfer von Cyberkriminalität

Nach einer vom Branchenverband Bitkom in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage ist jeder zweite Internetnutzer in Deutschland im vergangenen Jahr Opfer von Cyberkriminalität geworden. Am häufigsten klagen Onlinenutzerinnen demnach über die illegale Verwendung ihrer persönlichen Daten oder die Weitergabe ihrer Daten an Dritte: Fast jeder oder jede Vierte (23 Prozent) war davon betroffen. "Das Internet ist hochattraktiv für Kriminelle. Mit vergleichsweise geringem Aufwand lassen sich andere Nutzer zum eigenen Vorteil schädigen", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Nutzerinnen und Nutzer könnten aber mit einfachen Maßnahmen Datenmissbrauch oder Identitätsdiebstahl erschweren.

Zwölf Prozent der Befragten wurden nach eigenen Angaben beim privaten Einkauf oder Verkaufsgeschäften betrogen. Jeder Neunte (11 Prozent) gab in der Umfrage an, dass seine Kontodaten missbraucht wurden. Nur zwei Prozent berichteten jeweils von Datenklau und Identitätsdiebstahl außerhalb des Internets. Den Missbrauch von Kontodaten gab ein Prozent an.

Internetnutzerinnen haben der Umfrage zufolge aber nicht nur mit Diebstahl oder Betrug zu kämpfen. Jeder Zehnte (10 Prozent) sagt, dass er im Internet verbal stark angegriffen oder beleidigt wurde. Über sexuelle Belästigung im digitalen Raum klagen acht Prozent der Befragten.