Mehr als 150 britische Hochschulen haben ihre Befürchtungen vor einem ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union deutlich gemacht. In einem offenen Brief an alle Parlamentsabgeordneten heißt es, der sogenannte No-Deal-Brexit sei "eine der größten Bedrohungen, denen unsere Universitäten je gegenüberstanden". Ein Austritt ohne Abkommen könne das Land auf akademischer, kultureller und wissenschaftlicher Ebene um Jahrzehnte zurückwerfen. Knapp 200.000 Studierende und Mitarbeiter starteten mit großen Zukunftssorgen in das neue Jahr.

Die Hochschulvertreter befürchten, dass die Forschungszusammenarbeit mit anderen EU-Ländern Schaden nehmen könne, der wichtige Austausch von Studierenden, Mitarbeitern und Wissen sei gefährdet. Von den Universitäten hingen zudem 944.000 Jobs ab, der Sektor trage jährlich mehr als 21 Milliarden Pfund (rund 23 Milliarden Euro) zum britischen Bruttoinlandsprodukt bei. Daher sei es "von nationalem Interesse", dass die Hochschulen auch in der Zeit nach dem Brexit erfolgreich seien.

Ein sogenannter harter Brexit ist durchaus möglich. Das britische Parlament soll in der dritten Januarwoche über den mit Brüssel ausgehandelten Vertrag über den EU-Austritt abstimmen. Wird der Deal abgelehnt, droht am 29. März ein ungeregeltes Ausscheiden. 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 130.000 Studierende aus EU-Ländern könnten sich dann wohl nicht mehr ohne Visa in Großbritannien aufhalten. Tausende Regeln für den grenzüberschreitenden Handel und Verkehr zwischen Großbritannien und der EU würden abrupt ungültig werden.

Die Unterzeichner des Schreibens fürchten vor diesem Hintergrund, dass britische Universitäten nicht mehr von den Fördermitteln der EU profitieren könnten. Für die nächsten zwei Jahre seien rund 1,3 Milliarden Euro aus EU-Fördertöpfen für die britische Forschung vorgesehen. Die Regierung müsse daher alle EU-Gelder, die im März wegbrechen könnten, in voller Höhe aus der Staatskasse ersetzen. Es sei höchste Zeit, Entscheidungen zu fällen, die das Land und die Gesellschaft als Ganzes beträfen, sagte Janet Beer, Vizekanzlerin der Universität von Liverpool.

Flussdiagramm mit den möglichen Ausgängen der Brexit-Verhandlungen