Bei Protesten zwischen dem 21. und 25. Januar sollen nach Angaben von Amnesty International mindestens 41 Menschen an Schussverletzungen gestorben sein. Bei Vorortrecherchen habe Amnesty Hinweise auf außergerichtliche Hinrichtungen durch die Polizei-Spezialeinheit FAES gefunden, teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Hunderte Demonstranten seien zudem willkürlich festgenommen worden.

Amnesty beschuldigt die FAES, sechs junge Männer hingerichtet zu haben, nachdem diese Kritik an Maduro in sozialen Medien verbreitet hätten. Die Behörden Venezuelas gaben demnach später an, die Männer seien bei Zusammenstößen mit der Spezialeinheit zu Tode gekommen. Amnesty teilt mit, die FAES habe Tatorte manipuliert und die Opfer als Kriminelle dargestellt.

Erika Guevara-Rosas, Amerika-Direktorin von Amnesty International, sagte, die Getöteten seien "hauptsächlich junge Menschen aus Gegenden mit geringem Einkommen". Die Behörden Venezuelas wollten die Proteste kriminalisieren, kritisierte sie. Für ihre Untersuchungsmission war Amnesty eigenen Angaben zufolge in den Bundesstaaten Lara, Yaracuy, Vargas sowie in mehreren Stadtteilen von Caracas.

Bereits im September 2018 hatte Amnesty einen Bericht veröffentlicht, wonach es zwischen 2015 und 2017 über 8.200 außergerichtliche Hinrichtungen in dem südamerikanischen Land gegeben habe. Venezuela hat eine der höchsten Mordraten der Welt.

Guaidó soll Soldaten Amnestieregelung versprochen haben

Nach Einschätzung von Beobachtern fand die Wiederwahl von Staatspräsident Maduro im vergangenen Jahr nicht unter freien und fairen Bedingungen statt. Die Opposition rief zu Massenprotesten in Venezuela auf, an deren Spitze sich Parlamentspräsident Juan Guaidó stellte. Im Januar hatte er sich zum Staatsoberhaupt erklärt. Deutschland und andere Staaten haben Guaidó als Interimspräsidenten anerkannt. Nach Informationen von Bloomberg hat Guaidó Soldaten eine Amnestieregelung versprochen, die ihn dabei unterstützen, Maduro aus dem Amt zu drängen. Internationale Beobachter und Amnesty International kritisierten die Pläne.

Seit Beginn der Proteste schottet sich Venezuela immer weiter ab. Zuletzt ließ Maduro die Grenze zu den niederländischen ABC-Inseln schließen. Die Regierung in Kuba befürchtet, dass US-Truppen in das verbündete Land einmarschieren könnten. In einer Erklärung gaben kubanische Behörden an, sie hätten ungewöhnliche Truppenbewegungen beobachtet.