In Russland haben Tausende Menschen gegen eine zunehmende Überwachung im Internet demonstriert. Die Proteste richteten sich gegen einen Gesetzentwurf, nach dem russische Daten nicht mehr über Server im Ausland fließen sollen. Die Demonstrierenden befürchten eine strengere Zensur und eine Abkopplung vom weltweiten Datennetz.

"Die Regierung bekämpft die Freiheit, auch die Freiheit im Internet", sagte einer der Redner der Kundgebung, Sergej Boiko. Die Demonstrantinnen und Demonstranten skandierten unter anderem "Hände weg vom Internet" und "Gegen einen neuen Eisernen Vorhang". Die Polizei zählte rund 6.500 Menschen bei dem Protest, Beobachter und Veranstalter gehen von einer weit höheren Teilnehmerzahl aus. Einer Nichtregierungsorganisation zufolge versammelten sich dabei 15.300 Personen. Besonders viele junge Menschen waren auf die Straße gegangen. Oppositionsvertreter twitterten, die Polizei habe 15 Personen festgenommen. Die Behörden bestätigten das nicht.

Anlass der Proteste sind Pläne der Regierung, in den kommenden Jahren das Internet in Russland von der internationalen Infrastruktur zu lösen und den Datenverkehr nur über nationale Server zu leiten. Das sogenannte Runet, das russische Internet, sei damit im Falle eines großen Cyberangriffs durch ein anderes Land unabhängig und sicher, argumentieren Befürworter. Bisher hat es zu dem Gesetzentwurf nur die erste von drei Lesungen im Unterhaus der Duma gegeben.