Die Bundesregierung hat mehrere Kinder inhaftierter Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) aus dem Irak nach Deutschland geholt. Es handle sich um eine hohe einstellige Zahl von Minderjährigen, hieß es mehreren Medienberichten zufolge aus dem Auswärtigen Amt. Den Angaben nach sitzen derzeit noch acht Deutsche in irakischer Haft, nachdem sie dort als Mitglieder des IS verurteilt worden waren.  

Die Innenminister der G7-Staaten beraten in Paris unter anderem über den Umgang mit ausländischen IS-Kämpfern. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums befinden sich derzeit 66 mutmaßliche IS-Angehörige aus Deutschland in Gefangenschaft der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Die Bundesregierung sieht ihre Rückkehr nach Deutschland skeptisch.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich aber dafür ausgesprochen, Kämpfern der Dschihadistenmiliz vor einem internationalen Strafgerichtshof den Prozess zu machen. Das sei ihm "allemal lieber, als alle IS-Kämpfer deutscher Staatsangehörigkeit nach Deutschland zu holen und dort vor Gericht zu stellen", sagte Seehofer.

Die Linke kritisierte Seehofers Vorstoß. Der Innenminister "verschleppt die Lösung des Problems", teilte die innenpolitische Sprecherin Ulla Jelpke mit. Mutmaßliche IS-Verbrecher mit deutscher Staatsangehörigkeit müssten zurückgeholt und in Deutschland vor Gericht gestellt werden. "Seehofer spielt weiter auf Zeit und erhöht damit das Risiko, dass die inhaftierten IS-Terroristen wieder in Freiheit gelangen und weitere Verbrechen begehen."

US-Präsident Donald Trump hatte die EU-Staaten im März aufgerufen, in Syrien gefangene IS-Kämpfer wieder bei sich aufzunehmen und ihnen den Prozess zu machen. Allerdings lassen sich in den Kampfgebieten begangene Verbrechen nur schwer nachweisen.