Auch wenn man noch weiter in Zschächners Vergangenheit blickt, finden sich Indizien für eine rechtslastige Gesinnung. In der FAZ erinnert sich ein ehemaliger Jura-Kommilitone von der Universität Heidelberg an Martin Zschächner als "Spinner, der damit angab, Sütterlin lesen zu können, Wagner-Opern pfeifend durch die Gänge zog und Kautabak kaute". Wegen seiner rechten Einstellungen sei er bereits damals bei den Professoren angeeckt, alle hätten gewusst, dass er "rechts außen" stehe. "Mit Staatsmacht ausgestattet ist der eine Gefahr", sagt der heutige Richter in Baden-Württemberg.

Ehemalige Mitschüler berichteten ZEIT ONLINE Ähnliches. Zschächner fiel durch außergewöhnlichen Kleidungsstil mit Hut und Gehstock auf, soll aber einer der besten Schüler am Schiller-Gymnasium in Gera gewesen sein. Schon damals habe er mit Rechts-außen-Positionen provoziert. Auf einem Klassentreffen im Jahr 2010 auf Schloss Osterstein in Gera soll er geäußert haben, dass Ausländer nur zum Schmarotzen nach Deutschland kommen würden und er am liebsten alle Linken einsperren wolle.

Zschächner war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen am Dienstag für ZEIT ONLINE nicht zu erreichen.

"Guter Jurist mit charakterlichen Mängeln"

Vor seiner Beschäftigung bei der Staatsanwaltschaft Gera arbeitete Martin Zschächner als Richter und später als Staatsanwalt in Baden-Württemberg. Ein ehemaliger Kollege vom Amtsgericht Stuttgart beschreibt ihn gegenüber ZEIT ONLINE als guten Juristen, aber auch als "exaltierte Persönlichkeit" mit "charakterlichen Mängeln". Gern trage er Anzüge im Stil der Comedian Harmonists und eine weiße Fliege statt Krawatte zur Richterrobe. "Er wollte immer auffallen und suchte die Kontroverse", erinnert sich der ehemalige Kollege. Auch durch ausländerfeindliche Äußerungen soll er in dieser Zeit bereits aufgefallen sein. Einmal soll er das sogenannte Zigeunerlied gepfiffen haben, als ihm ein Beschuldigter gegenübersaß, der mutmaßlich Rom oder Sinto war. Das Amtsgericht Stuttgart und das Justizministerium Baden-Württemberg konnten den Fall auf Anfrage nicht kommentieren, weil die Personalakte mit der Versetzung Zschächners nach Thüringen an die neue Dienststelle übergeben wurde. Im Jahr 2017 wurde er vom Thüringer Justizministerium übernommen.

Nach dem Bekanntwerden hatte der Thüringer Justizminister Dieter Lauinger (Grüne) die Einleitung der Ermittlungen gegen das ZPS durch Staatsanwalt Zschächner zunächst noch als "rechtsstaatlich konsequent und nicht politisch motiviert" bezeichnet. Zwei Tage später wurde das Verfahren dann eingestellt.

Zschächners Aufsichtsbehörden – die Thüringer Generalstaatsanwaltschaft und das Thüringer Justizministerium – wollten sich zur Eignung ihres Mitarbeiters auf Anfrage nicht äußern: Personalmaßnahmen würden nicht kommentiert.