• Europa­karte
  • Stimm­verteilung EU
  • Gewinne und Verluste EU
  • Sitz­verteilung
  • In den 28 EU-Staaten waren seit Donnerstag 427 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, das neue EU-Parlament zu wählen.
  • In Deutschland haben die Regierungsparteien von Union und SPD verloren. Die Grünen legen deutlich zu und werden zweitstärkste Kraft.
  • Auch auf europäischer Ebene haben die großen Parteifamilien Verluste erlitten. Die EVP um Spitzenkandidat Manfred Weber (CSU) ist ersten Ergebnissen zufolge dennoch stärkste Kraft.
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Maria Mast

Union und SPD haben bei der Europawahl in Deutschland nach vorläufigem Endergebnis deutlich verloren. Die Grünen gewannen hingegen hinzu und gehören zu den Gewinnern: Erstmals kommen sie bei einer bundesweiten Wahl auf Platz zwei, hinter CDU/CSU, die weiterhin die stärkste Kraft sind. Die Sozialdemokraten verlieren mehr als zehn Prozent der Wählerstimmen und landen auf dem dritten Platz.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer räumte nach der Wahl Versäumnisse in der Klimaschutzpolitik ein, die Grünen bezeichneten ihr gutes Ergebnis hingegen als „Signal für mehr Klimaschutz“. Die SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles sprach von einem "schmerzlichen" Resultat ihrer Partei.

In Europa zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Die Volksparteien schneiden schlechter ab, die Liberalen und Grünen sind stärker. In einigen Ländern legten rechtspopulistische Parteien zwar zu. Ein wirklicher Rechtsruck in Europa blieb aber aus.

Offen ist, wer neuer Präsident der EU-Kommission wird. Sowohl die Konservativen um Spitzenkandidat Manfred Weber (CSU) von der EVP als auch die Sozialdemokraten um Frans Timmermans erhoben am Wahlabend Ansprüche. Auch die Liberale Margrethe Vestager will Kommissionschefin werden.

Die Wahlbeteiligung in Deutschland war bei dieser Europawahl mit 61,4 Prozent deutlich höher als vor fünf Jahren als 48,1 Prozent der Wähler abstimmten. Auf EU-Ebene stimmten mit 50,5 Prozent so viele Menschen ab wie seit 20 Jahren nicht mehr.


Damit schließen wir dieses Liveblog.


Jurik Caspar Iser
Die Partei der Rechtspopulistin Marine Le Pen hat bei der Europawahl in Frankreich zwar schwächer abgeschnitten als 2014, dafür aber das Lager von Staatspräsident Emmanuel Macron geschlagen. Wie das französische Innenministerium nach Auszählung fast aller Stimmen mitteilte, kam Le Pens Partei Rassemblement National auf 23,4 Prozent der Stimmen.

Hochrechnungen am Wahlabend hatten Le Pens Partei bereits vorne gesehen.
Maria Mast
Wird Klimaschutz nach dem Erfolg der Grünen nun das zentrale Thema?

Die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat die Union aufgerufen, in den nächsten Monaten die Klima- und Umweltpolitik zu stärken. "Dabei müssen wir deutlich machen, was bisher erreicht wurde und welche großen Anstrengungen bereits laufen. Dies ist bei den Bürgern und auch gerade bei den jüngeren Menschen offensichtlich zu wenig bekannt", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presseagentur.

Der nordrhein-westfälische SPD-Chef Sebastian Hartmann wies auf die "ökonomische und soziale Dimension" des Klimaschutzes hin und sagte, dass man trotz der Erfolge der Grünen nicht einfach deren Klimapolitik kopieren dürfe. "Die SPD muss unverwechselbar und spannend sein", sagte Hartmann. Dabei müsse klar sein: "Wir sind die Partei der Arbeit."

Klimaschutz, aber auch der Schutz der Artenvielfalt, und wirtschaftliche Stärke schließen sich nicht aus. Sie können und müssen zusammen angestrebt werden

, sagte die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU)
Jurik Caspar Iser
Die CSU dringt darauf, dass der EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber trotz des schwachen Abschneidens der Union bei der Europawahl EU-Kommissionspräsident wird. "Das Ergebnis ist eine klare Ansage, dass der Anspruch von Manfred Weber, Kommissionspräsident zu werden, gerechtfertigt ist", sagte der CSU-Europaparlamentarier Markus Ferber der Augsburger Allgemeinen.

Alexander Dobrindt, Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, stellte fest: "Die CSU hat zu diesem Ergebnis überproportional beigetragen." Jetzt beginne die zweite Etappe, "und wir wollen dafür sorgen, dass Manfred Weber auch Chef der EU-Kommission wird". Dobrindt wertet es zudem als Erfolg der CSU, dass die AfD bei der Europawahl hinter den Erwartungen zurückblieb.
Jurik Caspar Iser
Dem vorläufigen Endergebnis zufolge ist die AfD in Sachsen und Brandenburg stärkste Kraft geworden.  

Demnach lag die rechtspopulistische in Sachsen mit 25,3 Prozent vor der CDU, die in dem Bundesland 23 Prozent holte.  In Brandenburg kam die AfD auf 19,9 Prozent, vor der CDU mit 18 Prozent.

In den anderen ostdeutschen Bundesländern erreichte die AfD jeweils Platz zwei.
Maria Mast
Jetzt liegt das vorläufige amtliche Wahlergebnis der Europawahl für Deutschland vor:

CDU und CSU erzielten gemeinsam 28,9 Prozent, wie der Bundeswahlleiter mitteilte. Während die CDU im Vergleich zur letzten Wahl deutliche 7,4 Prozent verlor, gewann die CSU ein Prozent dazu. Es folgen die Grünen, die 9,8 Prozent dazu gewannen. Für sie stimmten 20,5 Prozent.

Damit überholten sie die SPD, die nur 15,8 Prozent erreichte. Die AFD kam auf elf Prozent. Für die Linke stimmten 5,5 und für die FDP 5,4 Prozent. 

Die Wahlbeteiligung lag 61,4 Prozent. Damit gaben deutlich mehr Menschen als 2014 ihre Stimme. Damals beteiligten sich 48,1 Prozent.
Maria Mast

Die Wahlbeteiligung ist bei dieser Europawahl mit 50,5 Prozent so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr, wie ein Sprecher des Europäischen Parlaments mitteilte.

Das sind ganze acht Prozentpunkte mehr als bei der letzten Wahl 2014. Das hatte sich im Verlauf des Wahltages in den einzelnen Ländern bereits angedeutet:

In Polen etwa war die Wahlbeteiligung fast doppelt so hoch wie vor fünf Jahren und lag schon um 17 Uhr bei 32,51 Prozent.

In Dänemark wählten nach den vorläufigen Angaben der Statistikbehörde so viele Menschen wie nie zuvor bei einer EU-Wahl: Die Beteiligung lag bei fast 66 Prozent. Und damit um 16,5 Prozent höher als im Jahr 2009, in dem bislang die meisten Dänen abgestimmt hatten.

Jurik Caspar Iser
In Großbritannien sind inzwischen rund 90 Prozent der Wahlbezirke ausgezählt und die EU-kritische Partei von Nigel Farage liegt weiter klar vorn: Sie erhielt demnach 31,6 Prozent der Stimmen. Zweitstärkste Kraft wurden laut den Ergebnissen die proeuropäischen Liberaldemokraten. Sie kamen auf 20,3 Prozent.

Die Konservativen der scheidenden Premierministerin Theresa May wurden wie erwartet abgestraft. Sie landeten mit gerade einmal gut neun Prozent der Stimmen auf Platz fünf.

Auch Labour schnitt deutlich schlechter ab als 2014 an dritter Stelle mit rund 14 Prozent der Stimmen. Erstaunlich stark war das Ergebnis der Grünen mit etwas mehr als 12 Prozent.
Jurik Caspar Iser
EU-Kommissar Günther Oettinger hat die europäischen Sozialdemokraten aufgefordert, den EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber zum neuen EU-Kommissionspräsidenten zu wählen.

"Die europäischen Sozialdemokraten sollten jetzt prüfen, ob sie es nicht so machen wollen wie ihr damaliger Spitzenkandidat Martin Schulz und den Sieger Manfred Weber als Chef der EU-Kommission unterstützen", sagte Oettinger der Welt. Wenn das nicht geschehe, "dann könnten wir eine Blockade im Parlament haben."

Der siegreiche Spitzenkandidat sollte vom schwächeren unterstützt werden

Günther Oettinger, EU-Haushaltskommissar
Bild: Kay Nietfeld/dpa
Maria Mast
Wilders-Partei nicht im Europaparlament

Die Partei des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders (PVV) verlässt aller Voraussicht nach das Europaparlament. Die europaskeptische und islamfeindliche Partei zählt gerade noch vier EU-Abgeordnete, dürfte nun aber leer ausgehen. Das berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP nach Auszählung von 98 Prozent der Stimmen.

In den Befragungen am Donnerstag hatte es noch so ausgesehen, als könnte die Wilders-Partei einen Sitz verteidigen. Die Stimmen dürften nun aber vor allem an die erst vor zwei Jahren gegründete rechtspopulistische Partei Forum für Demokratie (FvD) von Thierry Baudet gegangen sein. Auf sie entfallen voraussichtlich drei Sitze im EU-Parlament.

Die Europawahl in den Niederlanden hatten überraschend die Sozialdemokraten gewonnen. Die Partei des sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Frans Timmermans wird voraussichtlich sechs der 26 Sitze im Europaparlament belegen. Auf die liberale Partei VVD von Ministerpräsident Mark Rutte und die Christdemokraten kommen jeweils vier Sitze.

Tomio Okamur (Tschechien), Marine Le Pen (Frankreich) und Geert Wilders (Niederlande) bei einem Treffen rechtspopulistischer Politiker in Prag im April 2019.
Tomio Okamur (Tschechien), Marine Le Pen (Frankreich) und Geert Wilders (Niederlande) bei einem Treffen rechtspopulistischer Politiker in Prag im April 2019.