Die Zustimmung der jungen Europäer zur EU ist laut einer Studie insgesamt gestiegen. Doch sie fühlen sich nicht ausreichend repräsentiert.

Junge Europäer sehen sich im Europäischen Parlament nicht ausreichend repräsentiert, betrachten die Europawahl als Wahl zweiter Klasse – und fühlen sich Europa trotzdem sehr verbunden. Das ist das Ergebnis der Jugendstudie 2019, für die das Meinungsforschungsinstitut YouGov 8.220 junge Menschen befragt hat. "Die Generation Europa fordert mehr Gehör und mehr Mitsprache", sagt Elke Hlawatschek, Geschäftsführerin der TUI Stiftung.

Mit Blick auf die nächste Legislaturperiode des Europäischen Parlaments haben Jugendliche aus zehn EU-Ländern und Norwegen das Thema Migration und Asyl als wichtigste zu lösende Herausforderung innerhalb der EU benannt. Darauf folgen die Umweltpolitik auf Platz zwei und die Wirtschafts- und Finanzpolitik auf dem dritten Platz. In der Umweltpolitik sehen junge Menschen Klimaschutz eher als eine Chance denn als Bedrohung.

Die Zustimmung zur EU ist seit 2017 insgesamt stetig gewachsen und bleibt auch in diesem Jahr hoch. Sie reicht 2019 von 61 Prozent in Italien und Schweden bis 79 Prozent in Spanien. In Großbritannien, Griechenland und Polen ist die Präferenz für die EU-Mitgliedschaft seit 2017 kontinuierlich gestiegen. In Frankreich, Spanien und Italien ist die Zustimmungsquote nach einem Hoch im Jahr 2018 hingegen rückläufig. Dies gilt auch für Deutschland: So waren 69 Prozent der jungen Befragten im Jahr 2017 für den Verbleib des Landes in der EU, im Jahr 2018 sogar 80 Prozent und 74 Prozent im Jahr 2019.

Umweltschutz treibt am meisten an

Jeder fünfte junge Europäer hat in den vergangenen zwölf Monaten an einer Demonstration teilgenommen (22 Prozent, in Deutschland 18 Prozent). In etwa genauso hoch ist der Anteil junger Menschen, der auf Produkte aus politischen oder ethischen Gründen verzichtet beziehungsweise sie gerade deswegen konsumiert hat (28 Prozent, in Deutschland 33 Prozent). Das Thema Umweltschutz treibt die Jugendlichen am meisten an: 43 Prozent von ihnen waren dazu in den letzten zwölf Monaten politisch aktiv (in Deutschland 41 Prozent). Auch die Diskussionen um Lohngleichheit und Geschlechtergerechtigkeit hat die politische Aktivität junger Menschen offenbar befördert: Auf Platz zwei der Themenbereiche, in denen sie politisch aktiv waren, gehört die Gleichberechtigung (40 Prozent, in Deutschland 32 Prozent).

Gespalten sind junge Europäer bei dem Thema Einwanderung und Migration. Rund ein Drittel sieht es als Chance für ihr eigenes Leben, ein Drittel als Bedrohung, ein Drittel weiß es nicht genau. Asyl und Migration wird zudem von der Hälfte der Befragten als das gegenwärtig wichtigste Problem in der EU genannt. Dennoch halten 43 Prozent der Befragten, die Asyl und Migration als wichtigstes Problem nennen, offene Grenzen innerhalb der EU als Chance, nur 27 Prozent als Bedrohung.