Der Bundestag hat das geänderte  Staatsangehörigkeitsrecht verabschiedet. Die Mehrheit aus Union und SPD beschloss den entsprechenden Gesetzesentwurf gegen die Stimmen der Opposition. Durch das Gesetz werden sowohl die Regeln zur Einbürgerung als auch zur Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit schärfer.

Demnach soll deutschen IS-Kämpfern die Staatsangehörigkeit entzogen werden. Voraussetzung ist, dass sie eine zweite Staatsbürgerschaft haben, da das Grundgesetz die Entlassung in die Staatenlosigkeit verbietet. Zudem müssen künftig Menschen, die ihre Einbürgerung durch falsche Angaben erschlichen haben, länger mit Passentzug rechnen. Bislang konnte der deutsche Pass in solchen Fällen bis zu fünf Jahre nach der Einbürgerung wieder aberkannt werden. Diese Frist wurde nun auf zehn Jahre verdoppelt.

Die im Vorfeld besonders umstrittene Formulierung der "Einordnung in die deutschen Lebensverhältnisse" als Voraussetzung für eine Einbürgerung wurde im Gesetzesentwurf beibehalten. Mit dieser Klausel soll Menschen, die in Vielehe leben, die deutsche Staatsangehörigkeit verwehrt werden können.

Die Opposition hatte den Passus deutlich kritisiert. So sagte die Linken-Abgeordnete Martina Renner der Neuen Osnabrücker Zeitung, die Koalition würde damit "eine Art Leitkulturparagrafen" einführen. Ihre Fraktionskollegin Ulla Jelpke sprach von einer "schwammigen Generalklausel" und ebenfalls von einer "unerträglichen Ideologie der deutschen Leitkultur". Die Grünen-Abgeordnete Filiz Polat kritisierte vor allem, dass mit dem Ausschluss von mehrfach Verheirateten keiner Frau wirklich geholfen werde.

Auch viele Experten außerhalb des Parlaments hatten den Passus scharf kritisiert. Wer über eine Einbürgerung entscheidet, könne das Gesetz durch die unscharfe Formulierung willkürlich auslegen. Außerdem würden die Gesetzesänderungen nur wenige Hundert Menschen betreffen, sorgten aber dafür, "dass Migranten vor allem als Terroristen, Identitätserschleicher, Vielehefans und Sozialschmarotzer wahrgenommen werden", wie Ferda Ataman, Sprecherin eines Migrantennetzwerks, sagte. Das sei fatal für das gesellschaftliche Klima.

Abgeordnete der großen Koalition hingegen verteidigten die Klausel. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Eva Högl sagte, die Einordnung in die deutschen Lebensverhältnisse sei bereits im Recht zu finden und unterliege gerichtlicher Kontrolle. Tatsächlich galt die Regelung bislang für ausländische Ehepartner deutscher Staatsangehöriger. Nun gilt sie für alle, die einen deutschen Pass beantragen. Auch der CSU-Abgeordnete Michael Kuffer verteidigte die Gesetzesänderung: "Wer die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen möchte, muss sich ohne Wenn und Aber zu unseren Werten und zu unserer Staats- und vor allem Gesellschaftsordnung bekennen."