Im vergangenen Jahr haben insgesamt 664.480 Menschen in der Europäischen Union Asyl beantragt. Das waren rund zehn Prozent weniger als 2017, wie die EU-Asylbehörde Easo in ihrem Jahresbericht mitteilte. 2015 hatte es noch fast 1,4 Millionen Asylanträge gegeben. 

Nach Easo-Angaben lagen die Zahlen im vergangenen Jahr wieder auf dem Niveau, das vor der großen Flüchtlingsbewegung erreicht wurde. Die Anerkennungsquote lag bei 39 Prozent. Das sind sieben Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. Die höchsten Chancen auf eine Anerkennung hatten Asylsuchende aus dem Jemen, Syrien und Eritrea. Anträge aus Moldawien, Nordmazedonien und Georgien wurden 2018 hingegen besonders häufig abgelehnt.

In Deutschland suchten zum siebten Mal in Folge europaweit die meisten Menschen Asyl – trotz eines Rückgangs um 17 Prozent. Insgesamt beantragten etwa 184.000 Menschen internationalen Schutz in der Bundesrepublik. Die Zahlen berücksichtigen auch Anträge von Menschen, die zuvor schon einmal Asyl beantragt hatten.

Frankreich verzeichnete 2018 hingegen im vierten Jahr in Folge eine Zunahme. Rund 120.000 Anträge gingen in dem Land ein. In Griechenland stieg die Zahl mit 77.000 Anträgen zum fünften Mal in Folge. Gemessen an der Bevölkerungsgröße gehen die meisten Anträge in Zypern, Griechenland und Malta ein. Die meisten Asylbewerber, gut ein Viertel der Gesamtzahl, sind Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

18.400 Anträge von Menschen aus Venezuela

Von Januar bis Mai 2019 nahm die Zahl der Asylanträge auf mehr als 290.000 wieder zu – ein Zuwachs um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Sieben Prozent der Anträge (18.400) stellten Menschen aus Venezuela. Damit liegt das Land zusammen mit Afghanistan auf Platz zwei der Herkunftsstaaten. Das südamerikanische Land leidet unter einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Rund 4 Millionen der insgesamt etwa 31 Millionen Venezolaner haben deshalb das Land verlassen.

Die EU-Asylbehörde wies jedoch darauf hin, dass die Zunahme keine Trendwende darstelle und monatliche Schwankungen normal seien. Zudem müsse der Zuwachs im Kontext der in den vergangenen Jahren stark gesunkenen Zahlen gesehen werden.

Die Anzahl der Asylanträge unbegleiteter Minderjähriger ging im vergangenen Jahr besonders stark zurück. Sie sank europaweit um 37 Prozent auf 20.325, in Deutschland sogar um 55 Prozent. In Slowenien, Großbritannien und Frankreich stieg die Zahl der Anträge hingegen. Die Hälfte der unbegleiteten Minderjährigen, die 2018 einen Asylantrag in der EU stellten, kamen aus Afghanistan, Eritrea, Syrien, Pakistan und Guinea.