Das sudanesische Militär ist gewaltsam gegen eine Sitzblockade von Demonstranten in Khartum vorgegangen. Der regierende Militärrat bestätigte entsprechende Berichte von Aktivisten und Medizinerorganisationen. Demnach habe man ein "problematisches Gebiet in der Nähe einer Sitzblockade anvisiert", sagte ein Armeesprecher. Augenzeugen hatten zuvor von Explosionen und Gewehrschüssen berichtet. Busse und Soldaten sollen die Zugangsstraßen zum Camp der Protestierenden blockiert haben, die dort seit Wochen einen Übergang zu einer Zivilregierung fordern.

Nach Angaben des oppositionsnahen Zentralkomitees sudanesischer Ärzte wurden mindestens fünf Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. Auf Facebook teilte das Komitee mit, bei der Räumung der Straßenblockade seien "friedliche Demonstranten" erschossen worden. Die Schüsse seien auf Anordnung des Militärrats abgegeben worden. Eine "große Zahl" weiterer Menschen sei schwer verletzt worden.

Neue Barrikaden in Khartum

Der an der Spitze der Proteste stehende Berufsverband SPA sprach mit Blick auf die Räumung der Straßenblockaden von einem "blutigen Massaker". Er rief die Bevölkerung zum "totalen zivilen Ungehorsam" mit dem Ziel auf, den Militärrat zu stürzen. Die "Revolutionäre" sollten auf die Straße gehen und ihre Proteste fortsetzen. Auch die Allianz für Freiheit und Wandel, in der die Protestbewegungen zusammenarbeiten, rief zu landesweiten Demonstrationen auf. Gefordert wurden "friedliche Märsche und Kundgebungen".

Nach Angaben von Augenzeugen wurde die Militärpräsenz auf den Straßen von Khartum deutlich verstärkt. Auf der anderen Seite errichteten Demonstranten eine neue Barrikade aus Ziegeln und brennenden Reifen auf der Street 60, einer der wichtigsten Straßen der Stadt.

Die US-Botschaft in Khartum forderte ein sofortiges Ende der "Angriffe" auf die Protestierenden. Das Vorgehen der sudanesischen Sicherheitskräfte sei "falsch", twitterte die Botschaft. Die Verantwortung dafür trage die Militärregierung.

Auch der britische Botschafter in Khartum, Irfan Siddiq, äußerte sich "extrem besorgt" über die Entwicklungen. Es gebe "keine Entschuldigung für derartige Angriffe" der Armee, schrieb er ebenfalls bei Twitter. Das Vorgehen gegen die Demonstranten müsse sofort eingestellt werden.

Generäle wollen Macht nicht abgeben

Im Sudan hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Baschir infolge von monatelangen Massenprotesten im April ein Militärrat die Führung übernommen. Mit diesem einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrscht aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll.

Die Demonstranten fordern eine "begrenzte militärische Repräsentation" und generell eine zivile Regierung für den Sudan. Der Militärrat bezeichnet die Protestkundgebungen hingegen als "Gefahr für die Sicherheit und den öffentlichen Frieden" und kündigte ein "entschlossenes" Vorgehen an. Die Generäle wollen ihre Macht nicht abgeben.