Alexej Nawalny ist aus dem Krankenhaus entlassen worden und soll wieder ins Gefängnis gebracht werden. Zuvor war der inhaftierte russische Oppositionelle in eine Klinik in Moskau verlegt worden. Offiziell war von einer Allergie die Rede, seine Hausärztin vermutet, Nawalny könnte vergiftet worden sein.

"Wir können nicht ausschließen, dass seine Haut von einem Gift berührt und von einer unbekannten chemischen Substanz durch einen Dritten verletzt wurde", schrieb die Medizinerin Anastasia Wassilewa auf Facebook. Nawalny hatte demnach geschwollene Augenlider und Abszesse an Nacken, Rücken, Rumpf und Ellenbogen. Eine allergische Reaktion habe Nawalny noch nie zuvor gehabt, sagte Wassilewa.    

Nachdem ihr zuvor der Zugang zu ihrem Patienten verweigert worden war, wurde Wassilewa nach mehreren Anfragen mit einem Kollegen zu Nawalny gelassen. Auf ihrer Facebook-Seite schrieb sie, dass es Nawalny nach einer intensiven Medikation wieder besser gehe. Gleichzeitig kritisierte sie in ihrem Facebook-Post die Ankündigung der Krankenhausverwaltung, Nawalny wieder zu entlassen. So kurz nach Absetzung der Medikamente sei es unverantwortlich, ihn zurück in die Zelle zu bringen, in welcher die Symptome erstmals aufgetreten seien.

Kein Kontakt zu Familie, Ärzten und Anwälten

Laut dem unabhängigen russischen Onlinemedim Meduza (für das auch der kürzlich inhaftierte Journalist Iwan Golunow gearbeitet hat) weicht die Aussage von Nawalnys Hausärztin erheblich von der offiziellen Diagnose der Krankenhausärzte ab. Die hätten ihm eine harmlose allergische Reaktion bescheinigt.

Ohnehin soll es einige Unregelmäßigkeiten bei Nawalnys Untersuchung gegeben haben: Noch im Gefängnis sollen Polizisten versucht haben, seinen Transport ins Krankenhaus zu verhindern, twitterte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch. Dem Politiker soll zudem verweigert worden sein, seine Familie, Ärzte und Anwälte zu kontaktieren. Sein Handy durfte er demnach nicht mitnehmen.

Weil es allen Mithäftlingen von Nawalny gut geht und er als Einziger mögliche Vergiftungssymptome zeigt, will Wassilewa nach dem Meduza-Bericht ein T-Shirt des Politikers sowie eine Haarprobe für eine unabhängige Untersuchung ins Ausland schicken.

Wassilewa zufolge ist Olga Scharapowa, die Chefärztin der Klinik, in die Nawalny gebracht wurde, Abgeordnete von Putins Partei Einiges Russland im Moskauer Stadtparlament. Scharapowa stritt dies ab und sagte, ihr Mandat sei parteiunabhängig.

Proteste gegen die Staatsmacht

Nawalny war am Mittwoch zu 30 Tagen Haft verurteilt worden, weil er zu einem nicht genehmigten Protest aufgerufen hatte. Als einer der prominentesten Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin wird er häufig zu kürzeren Haftstrafen verurteilt, meistens wegen Aufrufen zur Teilnahme an nicht genehmigten Demonstrationen. Nawalny ist auch durch seine Investigativrecherchen zur Korruption im unmittelbaren Umfeld von Wladimir Putin bekannt.

Nach dem Ausschluss von Oppositionskandidaten für die anstehende Moskauer Kommunalwahl hatte die Polizei am Wochenende bei einer Protestkundgebung 1.373 Personen festgenommen. Laut dem Bürgerrechtsportal OWD-Info sind 150 der am Wochenende Festgenommenen noch in Gewahrsam. Die Kundgebung, an der mehrere Tausend Menschen teilgenommen hatten, wurde von der Polizei mit Schlagstöcken beendet. Die EU hat das Vorgehen der Polizei bei den Protesten kritisiert. Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von "unangemessener Gewalt gegen friedliche Demonstranten".