Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat ein groß angelegtes Programm zur Wiederaufforstung in Deutschland gefordert. Grund dafür seien massive Waldschäden durch Brände, Dürre, Stürme und Schädlinge. "Einen vergleichbaren Waldverlust hat es in der Vergangenheit kaum gegeben", sagte die CDU-Ministerin der Nachrichtenagentur dpa. In den Achtzigerjahren habe das Thema Waldsterben alle beschäftigt. "Jetzt ist er in weiten Teilen am Sterben, und kaum einer redet davon." Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Ihrem Ministerium zufolge werden mehrere Millionen Bäume benötigt, um den Verlust von insgesamt 110.000 Hektar Wald auszugleichen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte an, ein Augenmerk auf die Lage in den deutschen Forstbetrieben zu richten. Vor allem der Wald leide unter extremer Dürre und sei auch von Schädlingsbefall besonders betroffen. "Deshalb werden wir gerade den Waldbauern auch in besonderer Weise unter die Arme greifen", sagte sie in ihrem am Samstag veröffentlichten wöchentlichen Videopodcast.

Generell solle Landwirten bei der Anpassung an den Klimawandel geholfen werden, sagte Merkel. Notwendig seien unter anderem "innovative Verfahren" für die Böden und resistente Pflanzen, die resistenter gegen extreme Wetterbedingungen seien.

Aufforsten gegen den Klimawandel

Klöckner schlug vor, ein "Mehrere-Millionen-Bäume-Programm" aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) der Bundesregierung zu finanzieren. Diesen hatte die Bundesregierung eingerichtet, um die Energiewende zu beschleunigen. 2019 umfasste er nach Regierungsangaben 4,5 Milliarden Euro. Sie werden für erneuerbare Energien, Energieeinsparungen, Klimaschutz, Umweltprojekte und die Förderung der Elektromobilität verwendet. Der Waldklimafonds, der die Anpassung der deutschen Wälder an den Klimawandel fördern soll, ist ebenfalls Bestandteil des EKF.

Eine in der vergangenen Woche von Forschern der ETH Zürich vorgelegte Studie hebt die Bedeutung von Wäldern als Speicher für das klimaschädliche CO2 hervor. Demzufolge ist Aufforstung das mit Abstand effektivste Mittel, um die Klimaerwärmung zu bremsen. Weltweit identifizierten die Forscherinnen und Forscher 900 Millionen Hektar, auf denen Wälder neu angepflanzt werden könnten. Diese hätten das Potenzial, etwa 205 Milliarden Tonnen Kohlenstoff zu absorbieren, rund zwei Drittel der CO2-Menge, die seit Beginn der Industrialisierung zusätzlich ausgestoßen wurde. Allerdings würde es bis zum Heranwachsen der Bäume mehrere Jahrzehnte dauern.