Auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer sind die Verhältnisse in Deutschland nicht überall gleich. Am Arbeitsmarkt zeigt sich das nicht nur an unterschiedlichen Gehältern, sondern auch an der Arbeitszeit: Im vergangenen Jahr haben Westdeutsche durchschnittlich 1.295 Stunden gearbeitet. In Ostdeutschland – Berlin eingeschlossen – waren es 1.351 Stunden, also 56 Stunden mehr. Auch die Löhne sind im Westen höher: Im Jahresdurchschnitt verdienten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit 36.088 Euro brutto fast 5.000 Euro mehr als die Beschäftigten im Osten (31.242 Euro). Die Bundestagsfraktion der Linken wertete diese Zahlen auf Grundlage der Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern aus.

Die Linken-Sozialexpertin Sabine Zimmermann sagte, es sei inakzeptabel, dass sich die Bundesregierung offensichtlich mit einem "Sonderarbeitsmarkt Ost" abgefunden habe. Als Lösungsansatz nannte sie eine Stärkung der im Osten deutlich schwächeren Tarifbindung. Dafür müssten Tarifverträge in einer Branche leichter für allgemeinverbindlich erklärt werden können. Zudem fordert die Linke schon seit Längerem eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde. Aktuell liegt er bei 9,19 Euro, ab 2020 soll er auf 9,35 Euro angehoben werden.

Saarländer arbeiten am wenigsten

Den Statistiken zufolge arbeiteten im vergangenen Jahr die Menschen in Sachsen-Anhalt mit 1.373 Stunden am meisten. Am niedrigsten war diese Zahl im Saarland mit 1.269 Stunden pro Arbeitnehmer. Der bundesweite Schnitt liegt bei 1.305 Arbeitsstunden.

Bei den Löhnen und Gehältern bleibt Hamburg an erster Stelle. In der Hansestadt verdienten Beschäftigte durchschnittlich 41.785 Euro brutto. Die niedrigsten Gehälter werden in Mecklenburg-Vorpommern gezahlt: 28.520 Euro betrug das mittlere Bruttogehalt. Bundesweit waren es 35.229 Euro je Arbeitnehmer.

Beim Arbeitsvolumen erfasst der Arbeitskreis Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden am jeweiligen Arbeitsort – auch bei Beschäftigten mit mehreren Jobs. Nicht einbezogen werden etwa Urlaub, Elternzeit, Feiertage, Kurzarbeit oder Abwesenheit wegen Krankheit.