Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck erklärten, ihre Europaparlamentarier hätten zwar "mit großer Mehrheit diese Kandidatur nicht unterstützt". Allerdings brauche es nun ein "starkes und vereintes Europa". Daher wollten die Grünen von der Leyen "jetzt trotzdem beim Wort nehmen" und "konstruktiv dazu beitragen, die EU in Richtung einer vertieften europäischen Demokratie, echtem Klimaschutz und einer gemeinsamen europäischen Asylpolitik weiter zu entwickeln".

Die Mehrheitsverhältnisse waren bis zum Abend unklar gewesen. Die geheime Abstimmung war für 18 Uhr angesetzt.

Die Fraktion der Europäischen Volkspartei EVP, zu der auch die CDU gehört, sowie die Liberalen hatten zuvor erklärt, sie würden die CDU-Politikerin unterstützen. Bei den Sozialdemokraten, den Europäischen Konservativen und Reformern war die Zustimmung hingegen offen.

Die 16 deutschen SPD-Abgeordneten hatten vor der Wahl angekündigt, gegen von der Leyen stimmen zu wollen. Einige kleinere Ländergruppen in der Fraktion der Sozialdemokraten hätten ebenfalls ihre Ablehnung angekündigt, hieß es. Unter den übrigen Mitgliedern der Fraktion aus insgesamt 153 Abgeordneten soll es aber mehrheitlich Zustimmung für von der Leyen gegeben haben.

Die Fraktion twitterte am Dienstagabend unmittelbar vor der Abstimmung: "Wir werden aber wachsam bleiben, sicherzustellen, dass sie zu ihren progressiven Zusagen steht, die sie auf unseren Druck hin gemacht hat." Zuvor hatte von der Leyen weitreichende Zusagen für ein klimaneutrales, soziales und geeintes Europa gemacht.

Den Grünen aber gingen die Vorschläge nicht weit genug. Sie hatten von der Leyen befragt und sich entschieden, sie nicht zu unterstützen. Auch die Rechtspopulisten mit der AfD sowie die Europäischen Linken wollten gegen von der Leyen stimmen.

Bundeskabinett soll rasch umgebildet werden

Mit der Wahl wird nun auch eine Kabinettsumbildung in Berlin nötig. Von der Leyen hatte am Montag erklärt, sie werde unabhängig vom Ausgang der Abstimmung von ihrem Amt als Bundesverteidigungsministerin zurücktreten. Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach am Dienstag, eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger werde sehr rasch benannt werden. Ein Verteidigungsminister habe die Befehls- und Kommandogewalt über die Bundeswehr. "Das kann man nicht lange offenlassen. Insofern wird es nicht lange dauern", so Merkel.

Deshalb wird erwartet, dass der neue Minister oder die neue Ministerin schon am Mittwoch vorgestellt wird. Im Gespräch ist, dass der bisherige Gesundheitsminister Jens Spahn ins Verteidigungsministerium wechselt und die bisherige Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz (beide CDU) ins Gesundheitsministerium. Es gilt als sicher, dass Merkel die Zahl der weiblichen Kabinettsmitglieder auf der Unionsseite gleich hoch lassen möchte.