US-Präsident Donald Trump hat die Kritik an den verheerenden Zuständen in Lagern für Migranten in den USA zurückgewiesen. "Viele dieser illegalen Ausländer leben jetzt viel besser als dort, wo sie herkamen, und unter viel sichereren Bedingungen", schrieb Trump auf Twitter. Sollten die Migranten unglücklich über die Zustände in den Lagern an der Grenze zu Mexiko sein, dann "sagt ihnen einfach, dass sie nicht kommen sollen. Alle Probleme gelöst!" 

Die interne Aufsichtsbehörde des US-Heimatschutzministeriums hatte zuvor über verheerende Zustände in den Lagern berichtet, in denen Migranten nach dem illegalen Grenzübertritt aus Mexiko in die USA festgehalten werden. Nach der Inspektion von fünf solchen Einrichtungen der Grenzpolizei im Rio Grande Valley warnte das Büro des Generalinspekteurs (OIG), die Lager seien gefährlich überfüllt. Erwachsene und Kinder würden häufig zu lange festgehalten. 

Sicherheitsbedenken bei Inspektionen

Leitende Mitarbeiter der besichtigten Einrichtungen hätten angesichts der Umstände Sicherheitsbedenken für ihre Kollegen und die festgenommenen Migranten geäußert, hieß es weiter. Einer habe die Situation "eine tickende Zeitbombe" genannt.  

Der am Dienstag veröffentlichte OIG-Bericht schildert alarmierende hygienische Zustände in den inspizierten Einrichtungen. Die meisten alleinreisenden erwachsenen Migranten, die bis zu einem Monat in den Lagern seien, hätten in der ganzen Zeit nicht duschen können, heißt es in dem Bericht. Die meisten Migranten würden außerdem die Kleidung tragen, mit der sie aufgegriffen worden seien. Auf von den Behörden veröffentlichten Fotos waren unter anderem Frauen und Kinder zu sehen, die sich Schulter an Schulter auf einem Stockwerk eines Haftlagers drängten. 

Trump bescheinigte den Mitarbeitern der Grenzpolizei, sie machten einen "großartigen Job". Die Grenzschützer seien keine Ärzte oder Krankenschwestern. Der republikanische Präsident machte stattdessen die Demokraten für die Krise an der Grenze verantwortlich. Er warf ihnen vor, sich einer Reform der Migrationsgesetze zu verweigern. Wer die Krise wirklich lösen wolle, "der sagt Migranten, dass sie nicht in unser Land kommen sollen, außer sie sind bereit, das legal zu tun". 

Kritik von den Demokraten

Der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, kritisierte "die unmenschlichen Bedingungen für Kinder und ihre Familien" in den Auffanglagern. Schumer forderte auf Twitter die sofortige Entlassung der Führungsspitze der Grenzpolizei.  

Die Lager sind wegen der deutlich gestiegenen Zahl der Migranten völlig überlastet. In den acht Monaten zwischen Oktober 2018 und Mai 2019 wurden nach Angaben der Grenzpolizei mehr als 676.000 Menschen beim illegalen Grenzübertritt aus Mexiko in die USA aufgegriffen. Das sind etwa doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Zuletzt wurden monatlich mehr als 100.000 illegale Grenzübertritte registriert. Viele der Migranten stammen aus Guatemala, El Salvador oder Honduras. Trump hat einen Nationalen Notstand an der Grenze ausgerufen. 

Migration - Mexiko verstärkt Grenzkontrollen US-Präsident Trump hatte von Mexiko gefordert, Migranten aus Südamerika aufzuhalten. Nun haben Militärs an einem Grenzfluss zu Guatemala erstmals ihre Posten eingenommen. © Foto: Jose Torres/Reuters

Hunderte Menschen haben diese Woche bereits im ganzen Land gegen die Situation in den Haftzentren für Migranten protestiert, in sozialen Medien formiert sich unter dem Hashtag #CloseTheCamps (Schließt die Lager) Widerstand. Für den Unabhängigkeitstag am 4. Juli sind weitere Demonstrationen geplant.