Die Verteidigungsministerin und CDU-Chefin im Gespräch mit ZEIT-Herausgeber Josef Joffe und ZEIT-Redakteur Roman Pletter © Phil Dera für DIE ZEIT

Von der saarländischen Ministerpräsidentin ist Annegret Kramp-Karrenbauer binnen weniger Monate zu einer der wichtigsten Politikerinnen Deutschlands aufgestiegen. Im Dezember wurde sie zur CDU-Vorsitzenden gewählt, im Juli wurde sie Verteidigungsministerin. Im Gespräch mit ZEIT-Herausgeber Josef Joffe und Roman Pletter aus der Leitung des Wirtschaftsressorts der ZEIT spricht sie über die anstehenden Landtagswahlen, die deutsche Verteidigungspolitik im Nahen Osten und Fridays for Future.

Im Podcast ZEIT Bühne, der im Rahmen einer ZEIT-Matinee vor Publikum im Audimax der Universität Hamburg aufgezeichnet wurde, erklärt sie, warum sie ihren Kindern keine Entschuldigung fürs Demonstrieren geschrieben hätte: "Wenn man verantwortlich ist und auf die Straße geht für die Zukunft dieses Planeten, dann hat man sicherlich auch die Kraft dafür, aus eigener Kraft den Stoff, den man freitags im Unterricht versäumt hat, auch samstags nachzuholen. Ich glaube, das kann man jedem zumuten. Ich zumindest hätte das meinen Kindern zugemutet."

90 Minuten lang stellte sich Kramp-Karrenbauer im Audimax der Universität Hamburg den Fragen der Journalisten. © Phil Dera für DIE ZEIT

Kramp-Karrenbauers Äußerungen zu Hans-Georg Maaßen hatten vor einer Woche für viel Unmut gesorgt: Sie deutete erst an, ihn aus der Partei ausschließen zu wollen, nahm dies jedoch später zurück. Auf die Frage, ob sie Maaßens Angebot zu einem Gespräch annehme, antwortet sie ausweichend bis ablehnend: "Ich bin zurzeit sehr viel unterwegs. Auf der Straße, auf Plätzen, bei Veranstaltungen, um die Menschen davon zu überzeugen, in Brandenburg und in Sachsen CDU zu wählen."

Dass Olaf Scholz um den Parteivorsitz der SPD kandidiere, bezeichnet Kramp-Karrenbauer als "wichtiges Signal" – auch deshalb, weil viele andere Bewerber entschiedene Gegner der großen Koalition seien. Das sei etwas, "was die SPD sicherlich im Blick haben muss, dass es da keine sich nach oben entwickelnde Dynamik gibt".

Frauenquoten, auch 50-prozentige, in der CDU befürwortet sie. Diese umzusetzen und bei Wahllisten ein Reißverschlussverfahren anzuwenden, sei jedoch Sache der Landesverbände. 

Die Verteidigungsministerin im Gespräch mit ZEIT-Herausgeber Josef Joffe und ZEIT-Redakteur Roman Pletter © Phil Dera für DIE ZEIT

Annegret Kramp-Karrenbauer spricht sich dafür aus, die Sanktionen gegen Russland aufrechtzuerhalten. Damit widerspricht sie Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU), der in der Welt am Sonntag ein Ende der Sanktionen gefordert hatte. Das Bundestagsmandat im Irak will sie fortführen und weiterentwickeln. Die Luftüberwachung diene nicht nur militärischen, sondern auch zivilen Zwecken. Wie genau sie die SPD, die die Luftüberwachung im Irak größtenteils ablehnt, in dieser Frage überzeugen will, verriet sie nicht.

Über die anhaltende Kritik an ihrer Person sagt Kramp-Karrenbauer, es sei ihr vor der Wahl zur CDU-Vorsitzenden klar gewesen, dass ein solches Amt "kein Ponyhof" sei. "Wer das nicht aushalten kann, der hat da oben nichts zu suchen."

Zum Schluss wurde spielerisch die K-Frage gestellt – und von Kramp-Karrenbauer schlagfertig beantwortet. © Phil Dera für DIE ZEIT