Der Online-Handelskonzern Amazon hat angekündigt, die Kosten der neuen französischen Digitalsteuer auf seine Kunden umzulegen. "Wir haben keine andere Option, als sie weiterzureichen", teilte der Konzern mit. Der Wettbewerb sei hart und erlaube schon jetzt nur geringe Margen. Außerdem würde der Konzern momentan "massive Investitionen" tätigen. Konkret sollen die Kosten der Steuer auf die Drittanbieter umgelegt werden, die Produkte auf der Amazon-Plattform Marketplace anbieten. Die Weitergabe der Steuerkosten an die Kunden könne vor allem kleinen französischen Unternehmen im internationalen Wettbewerb Nachteile bringen, sagten Amazon-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Vor dieser Konsequenz der Digitalsteuer habe das Unternehmen die Behörden gewarnt.

Frankreichs Wirtschaftsministerium widersprach dieser Darstellung. Es gebe nichts, was Amazon dazu verpflichten würde, die Kosten auf kleine und mittelgroße Firmen zu übertragen, die Amazon als Plattform nutzen.

Das französische Parlament hatte im März die Erhebung einer Digitalsteuer beschlossen, die rückwirkend zum 1. Januar gilt. Zuvor gab es europäische Bestrebungen, eine EU-weite Digitalsteuer einzuführen. Dies scheiterte jedoch am Widerstand einiger Mitgliedsländer, sodass die Entscheidung auf Ende 2020 vertagt wurde. Bis dahin hat Frankreich beschlossen, den Umsatz von Internetkonzernen mit drei Prozent zu besteuern. 

Die Digitalsteuer trifft vor allem große US-Unternehmen wie Facebook, Apple, Google und Amazon. Sie stehen in der Kritik, weil sie durch geschickte Gewinnverlagerungen sehr wenig Steuern zahlen, beispielsweise indem sie alle Gewinne aus Europa in Niedrigsteuerländer wie Luxemburg oder Irland umleiten. Irland ist auch eines der Länder gewesen, die eine europäische Digitalsteuer verhindert hatten. Durch die Besteuerung des Umsatzes kann so die Verlagerung von Gewinnen in andere Länder kompensiert werden. Das französische Finanzministerium erwartet bis Ende dieses Jahres Einnahmen von 400 Millionen Euro aus der Steuer.

Da in erster Linie große US-Konzerne betroffen sind, hat Präsident Donald Trump die Steuerpläne kritisiert und die Möglichkeit von Strafzöllen auf französischen Wein angedeutet – ein Vorgehen, dass Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire nicht nachvollziehbar einstufte, da es sich aus seiner Sicht um völlig unterschiedliche Wirtschaftszweige handelt. Le Maire sagte auch, dass Frankreich eine internationale Regelung anstrebe und "eng mit unseren amerikanischen Freunden zusammenarbeiten" wolle. Bis zum G7-Gipfel Ende August im südfranzösischen Biarritz hoffe er demnach auf eine Einigung. Weiterhin richte sich die Abgabe nicht gezielt gegen US-Unternehmen, auch chinesische und europäische Internetfirmen seien davon betroffen. Die Steuer trägt den Titel "Gafa" – für Google, Amazon, Facebook und Apple. Die USA haben Frankreich eine Diskriminierung von US-Unternehmen vorgeworfen und kündigten an, eine Untersuchung durchzuführen.