Wieder einmal schüttelte die Welt letzte Woche den Kopf über Donald Trump. Spott und Häme ergossen sich in Satiresendungen und in den sozialen Medien über ihn. Der Grund: Der Immobilienunternehmer aus der Fifth Avenue wollte den Dänen Grönland abkaufen. Als die jedoch ablehnten, sagte er, ganz beleidigte Leberwurst, einen Staatsbesuch in Kopenhagen abrupt ab.

Doch Trumps neuerliche Stillosigkeit rückt ein ernsthaftes geopolitisches Problem ins Blickfeld: Wo ist Grönlands Platz, wo ist überhaupt der Platz der Arktis in der heraufdämmernden Weltordnung von morgen?

Grönland ist mit fast 2,2 Millionen Quadratkilometern Fläche die größte Insel und mit 56.000 Einwohnern zugleich die am dünnsten besiedelte Region der Erde. Vier Fünftel des Landes sind mit einer bis zu 3.000 Meter mächtigen Eisschicht bedeckt. Darunter gibt es reiche Vorkommen von Öl, Gas, Kohle, Zink, Blei, Uran und Seltenen Erden. Seit 2009 genießt Grönland als Teil des Königreichs Dänemark innenpolitische Autonomie, wird jedoch in außen- und verteidigungspolitischen Angelegenheiten von Kopenhagen vertreten. Die Vereinigten Staaten unterhalten dort seit Anfang der Fünfzigerjahre die Thule Air Base. In jüngster Zeit haben die Chinesen im Rahmen von Xi Jinpings "Seidenstraße im Eis" wirtschaftlich immer stärker Fuß auf der Insel gefasst, was in Washington zunehmende Besorgnis auslöste.

Seit über einem Jahr redete Trump im innersten Kreis des Weißen Hauses davon, Grönland zu kaufen. Den Nationalen Sicherheitsrat beauftragte er, entsprechende Studien anzufertigen. Dazu mögen ihn die verschärften Spannungen mit China bewogen haben. Auch räumte er sein Interesse an den Rohstoffvorkommen Grönlands ein, besonders an Kohle und Uran. Dabei baut Trump, der den Klimawandel eigentlich für eine bösartige Erfindung von Gutmenschen hält, offensichtlich darauf, dass das Abschmelzen des Grönlandeises den Zugang zu den Bodenschätzen der Insel ermöglichen wird. Doch hat den New Yorker Grundstücksmakler wohl auch die Vorstellung gereizt, die Fläche der USA auf einen Schlag um 20 Prozent vergrößern zu können.

"Essentially, it is a large real estate deal", sagte er, und fügte hinzu, dass die Dänen eigentlich froh sein müssten, die Eisinsel loszuwerden, die sie jedes Jahr "fast 700 Millionen Dollar kostet". Und tatsächlich trägt Kopenhagen mit 740 Millionen jährlicher Zuschüsse mehr als die Hälfte des Inselbudgets. Im Übrigen beteuerte er, er habe nicht die Absicht, in Grönland einen Wolkenkratzer mit seinem Namen an der Fassade zu errichten.

Trump ist nicht der erste US-Präsident, der sich Grönland unter den Nagel zu reißen suchte. Die Idee lag schon 1867 nahe, als Außenminister William Seward den Russen für 7,2 Millionen Dollar Alaska abkaufte – doch wurde sie damals nicht weiterverfolgt. Präsident Harry Truman bot den Dänen 1946 100 Millionen Dollar in Gold, nach heutigem Wert 1,3 Milliarden; seine Offerte wurde jedoch abgelehnt. Immerhin erschien sie ihm einen Versuch wert – schließlich hatten die Dänen dem letzten amerikanischen Landkauf zugestimmt, als sie ihre westindischen Inseln für 25 Millionen Dollar – nach heutigem Wert etwa 330 Millionen – an Washington abtraten; heute sind sie als United States Virgin Islands ein nicht inkorporiertes Außengebiet der USA.

"Dankenswerterweise sind die Zeiten vorbei, in denen man andere Länder und Völker kaufen und verkaufen konnte", sagte Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Die ganze Geschichte fand sie "absurd". Worauf Trump einschnappte und seinen für den 2. und 3. September fest anberaumten Staatsbesuch absagte. Der Ausdruck "absurd" ärgerte ihn am meisten, er fand ihn "nasty" – böse, fies, gehässig. "So redet man nicht mit den USA." Sagt einer, der über alle anderen fast nur böse, fies und gehässig redet. Und der Länder und Völker offenbar bloß für Handelsware wie Golfplätze hält. In Kopenhagen haben die Dänen die Willkommensplakate "Partner, ally, friend" wieder wegräumen müssen. Königin Margrethe hat nun einen Termin frei.

Einen Vorteil mag die Grönland-Posse immerhin gehabt haben: Sie brachte die Arktis ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Im Wettbewerb und Wettstreit der Mächte – Amerika, Europa, Russland und China – entwickelt sie sich mehr und mehr zum geopolitischen Spielball. Sie könnte eine der bedrohlichsten Konfliktherde der Zukunft werden. Höchste Zeit, sie in den Fokus der internationalen Diplomatie zu nehmen.