Die chinesische Regierung hat die USA davor gewarnt, Mittelstreckenraketen in Asien zu stationieren. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking teilte mit, China werde "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die nationalen Sicherheitsinteressen entschlossen zu verteidigen." Man werde es keinem Land erlauben, Probleme in der "Nachbarschaft" zu verursachen. Sollten die USA dennoch "diesen Weg" einschlagen, werde dies ernsthafte negative Auswirkungen auf die internationale und regionale Sicherheitslage haben. Die chinesische Regierung hoffe, dass die USA vorsichtig handelten und keine Maßnahmen ergriffen.

Zuvor hatte sich der neue US-Verteidigungsminister Mark Esper für eine Stationierung von landgestützten Mittelstreckenraketen im Asien-Pazifik-Raum ausgesprochen. Die US-Regierung wolle dies "so schnell wie möglich" bewerkstelligen – wenn möglich, innerhalb weniger Monate. Konkrete Angaben zum geplanten Standort für die Raketen nannte er nicht, da die USA zunächst mit ihren Verbündeten in der Region darüber sprechen müssten.

Espers hatte den Schritt unmittelbar nach der offiziellen Auflösung des INF-Abrüstungsvertrags für Atomwaffen am vergangenen Freitag angekündigt. Die Vereinbarung war 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion geschlossen worden, Russland trug sie ab 1990 weiter. Der Vertrag sah das Verbot von atomar bestückbaren, landgestützten Mittelstreckenraketen vor. Die Geschütze mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern mussten von beiden Staaten vernichtet werden, ebenso wie die dafür notwendigen Abschussvorrichtungen. Nach dem Ende des Vertrags wird ein neues Wettrüsten befürchtet: Sowohl Russland als auch die USA hatten zuletzt angekündigt, neue Raketensysteme zu entwickeln.

INF-Vertrag beschränkte nur Russland und die USA

China ist zwar nie Teil des Abkommens gewesen. Doch die Aufrüstung des chinesischen Militärs in den vergangenen Jahren könnte dennoch eine Rolle bei dessen Auflösung gespielt haben. Denn der INF-Vertrag band lediglich Russland und die USA an Beschränkungen – nicht aber aufstrebende Militärmächte wie China. Das Land soll mittlerweile über 2.000 ballistische Marschflugkörper verfügen, die unter das Abkommen gefallen wären. 

Die chinesisch-amerikanischen Beziehungen haben sich zuletzt wieder verschlechtert. Nach gescheiterten Gesprächen über eine Lösung des Handelskonflikts in Shanghai kündigte US-Präsident Donald Trump an, ab Anfang September zusätzliche Zölle von zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von insgesamt 300 Milliarden US-Dollar zu erheben, mehr als die Hälfte des chinesischen Exports in die USA. China verbot als Reaktion darauf den Import US-amerikanischer Agrarprodukte. Auch hat China die Landeswährung Yuan abgewertet, was Exporte vergünstigt und Einfuhren verteuert. Trump hat das Vorgehen als "Währungsmanipulation" bezeichnet, sein Finanzminister Steven Mnuchin kündigte an, die USA würden sich beim Internationalen Währungsfonds über die "unfairen Wettbewerbsvorteile" beschweren, die China sich verschaffe.