Einen Tag vor dem Jahrestag des tödlichen Messerangriffs von Chemnitz hat die rechtsextremistische Bewegung Pro Chemnitz zu einer Kundgebung aufgerufen. Nach Angaben der sächsischen Stadt erwartet die Wählervereinigung für Sonntag 1.000 Teilnehmer. Sie ist im sächsischen Verfassungsschutzbericht 2018 als rechtsextremistisch eingestuft.

Unweit des Versammlungsortes ist auch ein Gegenprotest geplant. Parallel zu den beiden Demonstrationen laufen zudem ein Bürgerfest und eine Großveranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds am Karl-Marx-Monument. Die Polizei in der Stadt ist nach eigenen Angaben entsprechend vorbereitet und bekommt Unterstützung unter anderem von der Bundespolizei.

Am 26. August 2018 war in Chemnitz ein 35-jähriger Deutscher erstochen worden. Die Gewalttat löste in Chemnitz eine Reihe ausländerfeindlicher Demonstrationen und teils gewaltsame Ausschreitungen von Rechtsextremen aus, die mehr als das Verbrechen selbst für Aufsehen sorgten. Bilder von rechten Demonstrationen, Aufmärschen von Neonazis und Fußball-Hooligans, von Übergriffen sowie dem Zeigen des Hitlergrußes in zahlreichen Fällen gingen um die Welt.

Am Donnerstag wurde der Syrer Alaa S. wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt – die Verteidigung hat jedoch Rechtsmittel eingelegt. Sie sieht es nicht als erwiesen an, dass S. für den Tod des 35-jährigen Daniel H. verantwortlich ist.

Chemnitz - Neuneinhalb Jahre Haft für Messerattacke Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Alaa S. den 35-jährigen Daniel S. erstochen hat. Die Verteidigung sieht den Prozess von politischen Verhältnissen beeinflusst. © Foto: Alexander Prautzsch/​dpa

Fans des Chemnitzer FC sollen eigenes Team rassistisch beleidigt haben

Laut Verfassungsschutz sollen bei den Protesten vor einem Jahr rechtsextreme Hooligans beteiligt gewesen sein. Besonders aktiv soll damals die rechtsextremistische Hooligangruppe Kaotic aus dem Umfeld des Chemnitzer FC gewesen sein.

Fans des Vereins sorgten am Samstag bei der Auswärtspartie beim FC Bayern München II mit rassistischen und antisemitischen Äußerungen für einen Eklat. Laut dem Verein wurde vor allem Geschäftsführer Thomas Sobotzik antisemitisch beschimpft. Außerdem solidarisierten sich einige Anhänger mit Ex-Kapitän Daniel Frahn, der wegen seiner angeblichen Nähe zur rechten Szene gekündigt worden war.

"Bedrohungen und Aussagen wie 'Thomas Sobotzik, du Judensau' oder 'Daniel Frahn ist wenigstens kein Neger' dürfen in unserer Gesellschaft keine Akzeptanz haben", hieß es in der Mitteilung des Clubs, der die Äußerungen "als widerlich empfindet und auf das Äußerste ablehnt".

Zehntausende demonstrieren für eine offene Gesellschaft

In der Landeshauptstadt Dresden gingen am Samstag Zehntausende für eine offene und solidarische Gesellschaft auf die Straße. Nach Schätzungen des Veranstalterbündnisses "Unteilbar" folgten mindestens 35.000 Menschen dem Aufruf.

Sie setzten damit auch ein Signal vor der Landtagswahl am 1. September in Sachsen. Auch in Brandenburg wird dann gewählt. In beiden Ländern wird ein abermaliges Erstarken der AfD erwartet – in Brandenburg könnte sie nach den Umfragen sogar stärkste Kraft werden.

Zu der Demonstration hatten mehr als 400 Organisationen und Personen aufgerufen, darunter Gewerkschaften und Sozialverbände sowie antirassistische und antifaschistische Gruppen. Auch die Kirchen hatten dafür mobilisiert.