Um dem zunehmenden militärischen Einfluss Chinas in Asien zu begegnen, streben die USA die Stationierung konventioneller Mittelstreckenraketen auf dem Kontinent an. Wie der neue US-Verteidigungsminister Mark Esper sagte, will die US-Regierung dies "so schnell wie möglich" realisieren – möglichst innerhalb von Monaten. In welchem asiatischen Land die USA die neuen Raketen stationieren wollen, sagte Esper nicht. Er wolle nicht darüber spekulieren, sondern sich erst mit den Verbündeten der USA austauschen. 

Laut Esper dürfte China von diesem Schritt nicht überrascht sein. Man würde "seit geraumer Zeit" darüber sprechen, sagte er. 80 Prozent des chinesischen Arsenals bestünden aus Waffen, die unter die Bestimmungen des INF-Vertrags gefallen wären. "Es dürfte nicht verwundern, dass wir vergleichbare Kapazitäten wollen."

Der INF-Vertrag war erst tags zuvor ausgelaufen. Das Abkommen, das Ronald Reagan und Michail Gorbatschow 1987 ausgehandelt hatten, verbot die Stationierung atomar bestückbarer Raketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern in Europa. In der Schlussphase des Kalten Krieges galt es als Erfolg für die Abrüstungsbemühungen beider Staaten und blieb nach Zerfall der Sowjetunion mit Russland als Vertragspartner in Kraft. Vor allem für Europa war das Abkommen eine Sicherheitsgarantie, da die von Vertrag verbotenen Raketen sonst innerhalb weniger Minuten Ziele in Europa hätten erreichen können. Im Februar hatten die USA den Vertrag einseitig gekündigt. Sie werfen Russland vor, einen Raketentyp zu unterhalten, der wesentlich weiter fliegen könne als erlaubt: 2.000 Kilometer statt der vertragskonformen 480. Russland bestritt diese Vorwürfe. 

Beobachter warnen jetzt vor einem neuen Wettrüsten, so auch Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow. Das Ende des Vertrags bringe keinen Nutzen, sondern sei ein "Schlag gegen die strategische Sicherheit", sagte er.

Bis zum Ablauf des nächsten Abrüstungsabkommens dauert es nicht lang: 2021 läuft der sogenannte New-Start-Vertrag aus, nach dem die Nukleararsenale der beiden Militärmächte auf je 800 Trägersysteme und 1.550 einsatzbereite Atomsprengköpfe verringert werden müssen. Zwar hatten beide Länder sich bereit erklärt, über eine Verlängerung zu sprechen, haben aber noch keine Ergebnisse in dieser Richtung erzielt.

China ist im Südchinesischen Meer militärisch aktiv. Der Staat schüttet Inseln auf, um sie als militärische Stützpunkte zu benutzen oder um Ansprüche auf die sie umliegenden Gewässer anzumelden. Das Meer wird neben China auch von Taiwan, den Philippinen, Malaysia, Vietnam und Brunei beansprucht. Das Seegebiet ist reich an Bodenschätzen und dient als Passage für wichtige Handelsrouten. Im letzten Jahr waren dort ein chinesisches und ein amerikanisches Kriegsschiff beinahe kollidiert.