Auf der griechischen Insel Lesbos ist es in dem völlig überfüllten Flüchtlingslager Moria zu gewalttätigen Protesten gekommen. Die Polizei teilte mit, dass sie Tränengas eingesetzt habe, nachdem einige Migranten Steine auf Polizeibeamte und Mitarbeiter des Registrierzentrums warfen. Informationen über Schwerverletzte liegen nicht vor. Die Lage habe sich anschließend beruhigt, hieß es.

Die Ausschreitungen hatten begonnen, als rund 50 Minderjährige lautstark forderten, aufs Festland gebracht zu werden. Im Lager von Moria, in dem Geflüchtete eigentlich nur zur Registrierung bleiben sollen, gibt es Kapazitäten für 3.000 Menschen. Derzeit sind dort sehr viel mehr Menschen untergebracht – mal ist von rund 9.000 die Rede, mal von bis zu 11.000. 42 Prozent dieser Menschen sind Minderjährige. Auch alle anderen Lager auf den Inseln Chis, Samos, Leros und Kos sind restlos überfüllt.

Am Montag hatten die griechischen Behörden rund 1.500 Asylbewerber aus überfüllten Zentren aufs Festland nach Thessaloniki gebracht. Eine erste Gruppe von mehr als 600 Menschen aus Afghanistan sollte von dort aus in das nordgriechische Lager Nea Kavala gebracht werden.

Schwierige Bedingungen in Moria

Trotz des Migrationsabkommens zwischen der EU und der Türkei setzen immer noch jede Woche Hunderte Menschen von der Türkei auf die griechischen Ägäis-Inseln über. Laut der Vereinbarung mit der Türkei sollen sie bei Ablehnung ihrer Asylanträge in die Türkei zurückgebracht werden. Die Asylanträge werden wegen Personalmangels aber nur schleppend bearbeitet. 

Das Lager von Moria steht seit Jahren in der Kritik, weil es chronisch überfüllt ist. Nach der Ankunft vieler neuer Geflüchteter im August hat sich die Hygienesituation, die schon zuvor schwierig war, noch weiter verschlechtert.

Auch die EU-Kommission äußert sich besorgt über die steigende Zahl ankommender Migranten und Flüchtlinge auf den griechischen Inseln. "Das hat natürlich dazu beigetragen, ein bereits belastetes System zusätzlich unter Druck zu setzen", sagte Natasha Bertaud, eine Sprecherin der EU-Kommission, in Brüssel. EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos sei in Kontakt mit griechischen und türkischen Vertretern. Zusammen mit den griechischen Behörden werde daran gearbeitet, die Situation auf den Inseln zu verbessern.