Die Grünen-Politikerin Renate Künast hat gemeinsam mit 19 weiteren Politikerinnen, Kulturschaffenden und Funktionärinnen einen Aufruf gegen Gewalt im Internet gestartet. Unter dem Titel "Frauen gegen digitale Gewalt #NetzohneGewalt" stellte die Gruppe ihren Aufruf am Freitag online. "Auch im ganz normalen Alltag wird im Digitalen Druck auf Frauen ausgeübt; da werden sie beschimpft, gibt es Stalking, bis hin zu zugesandten Nacktbildern", sagte Künast. "Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion darüber, was da passiert."

Die Idee zur Aktion entstand in einem Gespräch mit der Journalistin und Mitinitiatorin Anne Wizorek, sagte Künast. Wizorek hatte im Januar 2013 den Hashtag #aufschrei initiiert und damit eine Debatte zu Alltagssexismus angestoßen. Dafür wurde sie mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. 

Wizorek schrieb auf Twitter: "Wir fordern: Aufklärung, Strafverfolgung, Ressourcen und Forschung. Den ganzen Aufruf gibt es hier, bitte teilt ihn fleißig." Zu den weiteren Unterzeichnerinnen gehören die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli, die Linken-Bundestagsabgeordnete Petra Pau und die Autorin Kübra Gümüsay.   

Digitale Gewalt sei real, heißt es in dem Aufruf. Darin fordern die Unterzeichnerinnen unter anderem, Strukturen für die Strafverfolgung zu schaffen, Informations- und Beratungsstellen zu fördern und die Forschung zu geschlechtsspezifischer Gewalt auszuweiten.

Das Thema Beleidigung und Hass im Internet hatte erneut für Empörung gesorgt, nachdem das Berliner Landgericht zuletzt wüste Beschimpfungen gegen Künast in sozialen Medien als zulässige Meinungsäußerung eingestuft hatte. Mit der Aktion wollten die Frauen auch auf die Situation von Frauen jenseits des politischen Raums aufmerksam machen, sagte Künast. "So wie wir bisher die Finanzierung von Frauenhäusern und Beratungsstellen bei Gewalt gefordert haben, weisen wir jetzt auf die neue Form der Gewalt hin, die halt im Digitalen stattfindet."