• Proteste in Tausenden Städten und etwa 150 Staaten: An diesem Freitag demonstrieren Menschen weltweit für den Klimaschutz.
  • Allein in Deutschland gingen mehrere Hunderttausend auf die Straßen, überwiegend in den Großstädten.
  • Parallel zu den Streiks von Fridays for Future gab es Sitzaktionen oder in Berlin einen Rave für den Klimaschutz. Aktivisten hatten zu "friedlichen und kreativen Blockaden" aufgerufen. Aktiv war auch die Bewegung Extinction Rebellion.
  • Das Klimakabinett der Bundesregierung einigte sich parallel auf Maßnahmen, damit Deutschland seine Klimaziele bis 2030 erreicht.
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Tilman Steffen
Tanz, Trommeln, Musik und viele kreative Schilder und Transparente: Das ist der Eindruck, den der weltweite Aktionstag für mehr Klimaschutz hinterlässt. Für den Kampf gegen die Erderwärmung gingen weltweit Hunderttausende auf die Straßen.

Der Zulauf vor allem in Deutschland war groß: In Berlin demonstrierten nach Angaben der Aktivisten 270.000 Menschen, die Polizei zählte 100.000. In weiteren deutschen Städten wie Köln, Hamburg oder München kamen insgesamt etwa 160.000.

In weiteren europäischen Hauptstädten demonstrierten jeweils zwischen 10.000 und 100.000 Menschen, darunter in Paris, London und Brüssel. Auch in Barcelona, in Athen, dem südafrikanischen Johannesburg, in Kapstadt oder dem indischen Delhi gingen viele Menschen auf die Straße. Allein in Australien folgten 300.000 Menschen dem Protestaufruf.

Der Protest verlief sehr kreativ, farbenfroh und friedlich, wie viele Fotos und Kurzberichte aus aller Welt hier im Liveblog zeigen.

Adressat der Protestaktionen in Deutschland war auch das Klimakabinett der Bundesregierung, das am Freitag Eckpunkte für mehr Klimaschutz vorlegte. Unter anderem enthält es einen Preis auf den Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids, jedoch auf niedrigem Niveau. Angesprochen ist aber auch der Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York, wo die junge schwedische Aktivistin Greta Thunberg sich in diesen Tagen für Klimaschutz einsetzt.

ZEIT ONLINE hat die Ergebnisse des Klimakabinetts in diesem Artikel analysiert. Ihre Bewertung hat Alexandra Endres in diesem Kommentar aufgeschrieben. Eine Reihe von Demonstranten hat ZEIT ONLINE in diesem Artikel porträtiert. Lesen Sie hier unten unser Liveblog vom weltweiten Klimaschutz-Aktionstag nach!
Tilman Steffen
Bild: Jörg Wimalasena
Im Battery Park an der Südspitze von Manhattan in New York hat unser Korrespondent Deirdre Bird (48, r.) getroffen. Sie ist aus Bristol, Pennsylvania, und mit ihren Kindern Alex und Aiden hier. „Wir haben über die sozialen Medien von Greta Thunberg erfahren", sagt die Mutter. "Noch im März waren wir auf einer Klimademo in Washington DC, die leider nicht so gut besucht war. Durch Gretas Aktivismus hat unsere Bewegung neuen Schwung erfahren. Ihr allein haben wir zu verdanken, dass heute so viele Menschen hier sind!
Maxim Kireev
Petersburger demonstrieren für Klimaschutz
Petersburger demonstrieren für Klimaschutz   Bild: Maxim Kireev
Auf dem Höhepunkt der Kundgebung hier in Sankt Petersburg sind etwa 30 bis 50 Demonstranten auf dem Lenin-Platz.

Passanten fragen oft ratlos, was hier los sei. Die Fridays-for-Future-Bewegung ist in Russland weitgehend unbekannt. Die meisten Plakate sind eher innerrussischen Problemen gewidmet, etwa dem Bau eines Hafens bei Sankt Petersburg oder einer umstrittenen Mülldeponie.

Das größte Banner jedoch fordert dazu auf, nicht das "Klima, sondern das System zu ändern". Insgesamt ist viel Kapitalismuskritik dabei. Ein Demonstrant vergleicht auf seinem englischsprachigen Plakat die Umweltverschmutzung dagegen mit der Herausforderung des Zweiten Weltkriegs.
Umweltaktivist in Sankt-Petersburg  Credit: Maxim Kireev
Umweltaktivist in Sankt-Petersburg  Credit: Maxim Kireev   Bild: Maxim Kireev
Robin Senpinar
Bild: Robin Senpinar/ZEIT ONLINE
Am Alexanderplatz hier in Berlin ist "No Future, no Dancefloor" – unter diesem Motto feiert Reclaim Club Culture. Zu dieser Bewegung zählen Berliner Clubbesitzer und Clubkollektive. Sie haben den Rave-Aufstand organisiert.

Gestartet ist der Zug am Potsdamer Platz. Die Raver wollen den Kapitalismus mit harten und fetten Beats "wegbassen". Mit insgesamt 13 Musikwagen kommt hier jeder Technoliebhaber auf seine Kosten. Nach der Abschlusskundgebung wird hier munter weitergeravt – der Abend ist noch jung.

Pressesprecherin ist die Kunstfigur Rosa Rave. Hinter ihr verbirgt sich jeden Tag eine andere Person, die die Bewegung vertritt.
Bild: Robin Senpinar/ZEIT ONLINE

Reclaim Club Culture begreift Musik als politische Ausdrucksform. Deswegen demonstrieren wir heute.

Rosa Rave, Pressesprecherin
Tilman Steffen
Bild: Jörg Wimalasena
In New York setzt sich der Protestzug am Foley Square in Bewegung. Mehrere Tausend Schüler sind gekommen, berichtet unser Korrespondent Jörg Wimalasena. Sie singen: "Hey Hey, Ho Ho, Climate Change has got to go."

Die Polizei sperrt gerade den Broadway ab. Die schweren Limousinen der Banker müssen Platz machen für den Klimaprotest.
Franziska Pröll
Bild: Franziska Pröll/ZEIT ONLINE
Der vierjährige Kai und sein Papa Jasper Emeis warten hier am Berliner Alexanderplatz. Hier versammelt sich ab 19 Uhr die Clubszene der Stadt. Stundenlang sind Kai und Jasper Emeis schon unterwegs. Erst haben sie am großen Klimastreik teilgenommen. Gleich wollen sie ein bisschen tanzen und den Tag ausklingen lassen. Ihre Fahne weht im Wind. "Es gibt keinen Planet B" steht darauf. 

Warum machen die Menschen die Erde kaputt?

Kai, 4 Jahre
Tilman Steffen
Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hofft, dass der weltweite Klimastreik ein "Wendepunkt für die Gesellschaft" ist. In einem Interview äußert sich die 16-jährige Schwedin in New York überwältigt von der Zahl der Teilnehmer weltweit. "Einfach unglaublich", sagt sie. Sie hoffe, dass der Protest Druck auf die Politiker aufbaue – vor allem vor dem UN-Klimagipfel, der derzeit in New York stattfindet. 

In New York demonstrieren jetzt auch Klimaschützer. Schüler müssen heute nicht zur Schule gehen.

Hasan Gökkaya
An einer Ecke des Potsdamer Platzes hier in Berlin: Die Red Rebells posieren für eindrucksvolle Fotos.
Bild: Hasan Gökkaya
Maxim Kireev
Bild: Maxim Kireev
"Don't kill my earth please", schreibt die junge Demonstrantin hier in Sankt Petersburg auf ihr Plakat, kurz bevor die Polizei den Leninplatz für die Demonstration freigibt. Sie sagt, dass sie sich von "Greta inspiriert" fühle – also der Aktivistin Greta Thunberg, die derzeit in New York ist, wo die UN-Klimatagung stattfindet.

Die meisten Menschen hätten jedoch Angst, auf Demos zu gehen, selbst wenn sie genehmigt sind, sagt sie. Auch sie habe ein mulmiges Gefühl angesichts der vielen Ordnungshüter.
Hasan Gökkaya
Die Rebellion hat begonnen. Die Protestbewegung Extinction Rebellion hat jetzt die Straßenkreuzung hier am Potsdamer Platz in Berlin besetzt. Ein anderer Teil der Demonstranten ist weitergezogen.

Mal sehen, wie lange die Rebellen bleiben und ob die Polizei einschreitet. Bisher ist eher wenig Polizei zu sehen. Eine Blockade ist das allerdings nicht. Die Gegend um den Potsdamer Platz wurde wegen der Demonstration ohnehin abgesperrt. Die Polizei muss die Absperrung wohl aber länger aufrechterhalten.

Wird die Polizei gegen die Sitzaktion vorgehen? Wie mir die Behörde gerade sagt, ist die Aktion nicht genehmigt, da eigentlich alle Demonstranten weiter zum Alexanderplatz wollten. Man werde irgendwann versuchen, den Verkehr wieder zum Fließen zu bringen, aber man wolle moderat mit der Situation umgehen.
Bild: Hasan Gökkaya