Nachdem sie seit dem frühen Morgen die Braunkohletagebaue in Sachsen und Brandenburg besetzt hielten, haben Hunderte Klimaschützerinnen und Klimaschützer die Gruben wieder verlassen. 500 Demonstrierende seien nach Angaben der Polizei freiwillig gegangen. Andere wurden von der Polizei aus den Gruben geholt oder mit Fahrzeugen des Tagebaubetreibers Leag herausgefahren. Dabei seien Personalien aufgenommen worden. Im Tagbau Welzow-Süd machten sich bereits etwa 100 Aktivistinnen und Aktivisten auf den Weg die Grube zu verlassen. Den Tagbau Vereinigtes Schleenhain hatten am Nachmittag alle 1.200 Klimaaktivisten wieder verlassen.

Mehr als 1.500 Menschen waren am Samstagmorgen in mehrere Braunkohletagebau im Lausitzer Revier sowie im Gebiet um Leipzig eingedrungen. Nach Angaben des Bündnisses Ende Gelände waren etwa 500 Demonstrierende bereits um 8 Uhr in den Tagebau Jänschwalde eingedrungen. 450 weitere blockierten eine Kohlebahn, die mit dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde verbunden ist. Gegen 9 Uhr waren demnach rund tausend Demonstranten in die Tagebaue Welzow-Süd in Brandenburg sowie Vereinigtes Schleehain im Grenzgebiet zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt bei Leipzig gelangt.

Alle Protestgruppen hätten "ihre Aktionsziele erreicht", teilte Ende-Gelände-Sprecher Johnny Parks mit. Laut den Organisatoren beteiligten sich etwa 4.000 Menschen aus Dresden, Leipzig und Berlin. Mit Mahnwachen, Menschenketten und Blockaden protestierten sie gegen die Klimapolitik der Regierung.

"Raus aus der Kohle, rein in die Zukunft"

Unterstützt wurde das Bündnis auch durch Anti-Kohle-Kidz, die einen Straßen- und Schienenabschnitt besetzten sowie von Klimaaktivisten der Schüler- und Studentenbewegung Fridays for Future. Sie beteiligten sich unter anderem an einem Demonstrationszug zum Kraftwerk Jänschwalde. "Nachdem wir gestern an über 500 Orten in Deutschland für Klimagerechtigkeit gestreikt haben, demonstrieren wir heute zusammen mit Ende Gelände in der Lausitz für einen schnellen Kohleausstieg", sagte FFF-Sprecherin Carla Reemtsma: "Raus aus der Kohle, rein in die Zukunft."

"Wir befinden uns an einem kritischen Punkt – das Zeitfenster, um die Klimakrise zu stoppen, schließt sich rapide", hieß es von Ende Gelände. Nach den bundesweiten Klimaprotesten am Freitag gehe die Bewegung nun einen Schritt weiter und leiste zivilen Ungehorsam, fügte Sprecherin Sina Reisch hinzu. "Während wir handeln, diskutiert die Bundesregierung ein vollkommen unzureichendes Kohleausstiegsgesetz. Leider hat dieses politische Versagen System."

Verletzte aufseiten der Polizei

Das Energieunternehmen Leag fuhr das Kraftwerk wegen der Blockaden auf ein Minimum herunter. Durch die Besetzung der Gleise werde der Kohlenachschub unterbrochen, sagte der Leag-Sprecher Thoralf Schirmer. Es gehe darum, mit der Kohle, die im Kraftwerk lagert, hauszuhalten. Davon hänge die Fernwärmeversorgung der Städte Cottbus und Peitz ab.

Als Polizeibeamte die Protestierenden aus dem Tagebau hinausbringen wollten, gab es nach Angaben der Polizei Rangeleien. Drei Polizisten seien leicht verletzt worden. Die Polizei warnte davor, die Tagebaugebiete zu betreten. Es könne lebensgefährlich und auch strafbar sein, dieses Gelände zu betreten. Auch die Tagebaubetreiber Leag und Mibrag hatten vor Gefahren beim Betreten der Tagebaue gewarnt und zu Gewaltfreiheit aufgerufen.

Die Polizei teilte mit, dass im Süden von Leipzip Protestierenden gewaltsam und mit Schlägen und Tritten Polizeiketten durchbrochen hatten. "Die Friedlichkeit können wir nicht bestätigen", sagte Polizeisprecher Andreas Loepki zu vorab getätigten Äußerungen von Ende Gelände, dass es keine Aktionen gegen Menschen geben werde. Bündnissprecherin Reisch sagte dagegen, dass die Polizei durchaus grob gegen die Demonstranten vorgehe. "Es sind zum Beispiel Leute aus einer Blockade rausgezogen worden, die einfach nur da saßen." Die Polizei setzte nach eigenen Angaben im Vereinigten Schleenhain auf Deeskalation. Zu möglicherweise verletzten Demonstrierenden lagen zunächst keine Informationen vor.