Aber wollen die Deutschen mitziehen? Die Militärs beider Länder tauschen zwar Satellitenbilder aus, aber wenn in gut zwei Jahren der deutsche Spionagesatellit Georg (Geheimes Elektro-Optisches Reconnaissance System Germany) in den Orbit startet, wird er exklusiv dem Bundesnachrichtendienst (BND) gehören und nicht der Bundeswehr – und nur sie ist gehalten, Informationen nach Paris zu geben, der Geheimdienst nicht. An deutsch-französische weltraumgestützte Waffensysteme ist noch weniger zu denken.

Müssen die denn überhaupt sein? Eine voraussetzungsvolle Frage. Zunächst wäre zu klären, welche Interessen denn bedroht werden und auf welche Weise. Sodann, mit welchen Mitteln eine Bedrohung abgewendet werden kann. Das alles ist Neuland. Denn für Weltraumkonflikte, militärische gar, enthält die bisherige Geschichte der internationalen Beziehungen nur wenige Beispiele.

Am einfachsten ist es noch, Interessen zu definieren. Der Weltraum wird für vier Zwecke genutzt: Forschung, Wirtschaft, Kommunikation und militärische Erkundung. Für diese Zwecke werden mithilfe von Satelliten "Celestial Lines of Communication" (CLOCs) aufgebaut, wie der einschlägige Experte John J. Klein sie in seinem soeben erschienenen Buch Understanding Space Strategy nennt: Kommunikationslinien am Himmel. "Weltraumstrategie", schreibt Klein, "besteht aus dem Schutz und der Verteidigung der eigenen CLOCs und der Begrenzung der Fähigkeit des Gegners, seine CLOCs zu nutzen". Der Autor weist diesen Gedanken, der aus der Seekriegsstrategie stammt, in vielen offiziellen Veröffentlichungen der USA, Chinas und anderer Mächte nach.

An Kampfsatelliten wird gearbeitet

Zurzeit schweben etwa 180 Militärsatelliten im Orbit, so wird geschätzt. Sie tragen bisher keine Waffen und dienen nicht dazu, andere Einrichtungen zu zerstören. Vielmehr sollen sie sich in Konflikten nützlich machen, die sich in anderen Räumen abspielen: Land, See, Luft, Cyber. Ihre Zwecke können Navigation oder Kommunikation sein, Aufklärung der eigenen oder Verwirrung der gegnerischen Seite. Gleichwohl, an Kampfsatelliten wird durchaus gearbeitet, namentlich in den USA und in Russland. Sie blenden gegnerische Satelliten, bringen deren Kommunikation durcheinander oder zerstören sie durch Aufprall.

Angreifer können die defensiven Schwächen gegnerischer Satelliten relativ leicht ausnutzen. Diese können sich nirgendwo verstecken. Ihre Umlaufbahnen lassen sich im Prinzip berechnen, und empfindlich sind die Flugkörper auch, vor allem ihre Sensoren. Natürlich wird zugleich an Defensivtechniken und -taktiken gearbeitet sowie daran, funktionsunfähig gemachte Satelliten umgehend durch andere zu ersetzen. Insbesondere wenn Satellitenoperationen auf viele, gar auf sehr viele Flugkörper verteilt sind, sinkt die Erfolgsaussicht eines Angriffs schnell gegen null. Es sei denn, die Attacke gilt den Kontrollzentren auf der Erde. Die kann man ganz gut lokalisieren. Allerdings auch schützen und verteidigen.

Einem Wettrüsten im All würde das Völkerrecht nur wenig entgegensetzen. Atomwaffen im Weltraum sind zwar verboten, Atomantriebe aber nicht. Friedlich solle er genutzt werden, heißt es im Weltraumvertrag von 1967, aber einige Unterzeichnerstaaten wie die USA argumentieren, Verteidigung und Sicherheit seien nicht aggressiver Natur. Insofern seien Militärbasen und andere Kriegseinrichtungen im All statthaft, nur eben nicht auf anderen Himmelskörpern, etwa auf dem Mond. Das wenigstens verbietet der Vertrag ausdrücklich.

Mit der neuen Beschlusslage der Nato wird Weltraumstrategie zu einem aktuellen Thema, das sich früher oder später auch in Haushaltsberatungen von Parlamenten bemerkbar machen wird. Es verweist darauf, dass es mit der Rüstungskontrolle und -begrenzung derzeit nicht weit her ist. Das System der internationalen Beziehungen hat schweren Schaden genommen, wenn es überhaupt noch eines ist. Insofern, ja: Es droht ein Wettrüsten im All.