Nach langem Streit hat sich die Klimakonferenz in Madrid auf eine Abschlusserklärung geeinigt. Das Plenum erinnerte alle rund 200 Staaten an ihre Zusage, im nächsten Jahr ihre Klimaschutzziele für 2030 möglichst zu verschärfen. Die Konferenz konnte sich jedoch nicht auf Regeln für den internationalen Handel von Verschmutzungsrechten verständigen.

Lange Zeit war nicht absehbar, wie die Konferenz zu Ende gehen würde. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg schrieb, es sehe so aus, als falle die Konferenz auseinander. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, es handele sich um "eine sehr ernste und sehr schwierige Situation", verschiedene Staaten würden die Verhandlung bremsen. Unter anderem forderte Brasilien gleich zu Beginn der Plenumssitzung, zwei Artikel mit Bezügen zur Landnutzung und zu Ozeanen zu streichen. Nachdem mehrere Länder sich dagegen wandten, erklärte der brasilianische Delegierte, er müsse "darauf bestehen", dass die entsprechenden Artikel gestrichen werden. Am Ende lenkte Brasilien ein und akzeptierte den vorliegenden Text, sodass er verabschiedet werden konnte. Auch im Streit darüber, wie Länder, die durch den Klimawandel bereits Schäden erlitten haben, unterstützt werden sollen, scheint es einen Kompromiss zu geben. Einen eigenen internationalen Fonds, den viele betroffene Länder gefordert hatten, wird es jedoch nicht geben.

Bei der Frage, wie man den Handel mit Verschmutzungsrechten künftig regeln solle, gab es jedoch keine Einigung. Der Artikel 6 des Regelwerks zum Pariser Klimaabkommen, der das regeln soll, gilt als besonders wichtig und besonders umstritten. Es geht dabei um die sogenannten NDCs, nationale Klimaschutzbeiträge. Industrieländer sollen sich Emissionseinsparungen auf ihre NDCs anrechnen lassen können, wenn sie in einem ärmeren Land ein Solarkraftwerk finanzieren. Umstritten war insbesondere, ob die unter dem Kyoto-Protokoll vergebenen Verschmutzungsrechte unter dem Paris-Abkommen weiter gelten sollen. Außerdem gab es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob die doppelte Buchhaltung erlaubt werden solle, also ob sowohl Käufer als auch Verkäufer sich die gehandelten Verschmutzungsrechte gutschreiben können sollen. Die Streitfragen sollen nun im nächsten Jahr geklärt werden, voraussichtlich auf der nächsten UN-Klimakonferenz in Glasgow.

"Extrem verantwortungslos, egoistisch und kurzsichtig"

Umweltschutzverbände zeigten sich enttäuscht. Martin Kaiser von Greenpeace sagte, die Konferenz verrate alle Menschen, die weltweit längst unter den Folgen der Klimakrise litten und nach schnellen Fortschritten riefen. Die Organisation WWF bezeichnete die Beschlüsse als "so müde wie die Delegierten nach zwei durchverhandelten Nächten". Luisa Neubauer, führende Aktivistin der Klimabewegung Fridays For Future, erklärte, die Regierungen seien damit gescheitert, ihre Ambitionen der Krisenrealität anzupassen. "Die COP25 lässt uns nach einem Jahr mit beispiellosen Klimaprotesten ohne signifikanten Fortschritt zurück."

Die Organisation Brot für die Welt kritisierte die ausbleibende Unterstützung für ärmere Länder. Es sei "extrem verantwortungslos, egoistisch und kurzsichtig", dass die Industrienationen Finanzzusagen für die Bewältigung von Klimaschäden verwehren, erklärte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt.

Verschiedene Länder, darunter Papua-Neuguinea, hatten im Laufe der Konferenz außerdem kritisiert, dass zeitweise 90 Prozent der Teilnehmenden nicht aktiv in den Prozess eingebunden waren. Es gehe um ein weltweites Problem, das eine weltweite Lösung brauche. "Und jedes hier vertretene Land muss spüren, dass es etwas dazu beitragen kann."

Klimawandel - Was, wenn wir nichts tun? Waldbrände, Eisschmelze, Unwetter: Der Mensch spürt die Erderwärmung. Wie sieht die Zukunft aus? Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf erklärt unsere Welt mit 4 Grad mehr.

Der Klimaschutzgipfel sollte eigentlich am Freitagabend zu Ende gehen, wurde aber um 40 Stunden verlängert. Sein Ziel war es, das Regelwerk zum Pariser Klimaschutzabkommen fertigzustellen, mit dem die Weltgemeinschaft die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad begrenzen will. Die übrigen Umsetzungsregeln waren bereits bei der Weltklimakonferenz vor einem Jahr in Katowice beschlossen worden. Die Diskussion um Artikel 6 wurde wegen verhärteter Fronten aber auf Madrid verschoben.

Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um rund ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zu den Folgen der Erderwärmung zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch Stürme, Überschwemmungen und Starkregen.

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