In den vergangenen Wochen hat es in mehreren Ländern Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen gegeben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte die Regierungen dieser Länder nun dazu auf, einen "ehrlichen Dialog" mit den Demonstranten und Demonstrantinnen zu führen. Die Regierungen sollten nicht überreagieren, sagte der WHO-Experte Mike Ryan. Gerade jetzt komme es darauf an, nicht noch mehr Spaltung in der Gesellschaft zu befördern.

Allerdings müssten die Demonstranten auch einsehen, dass das Coronavirus gefährlich sei, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Es breitet sich aus und es tötet." 

Spahn spürt viel Unterstützung

Mit Blick auf die Corona-Demonstrationen in Deutschland warnte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im ZDF-heute-journal davor, die Proteste als exemplarisch für die Stimmungslage im Land anzusehen: "Wir sehen in Umfragen und ich spüre in Veranstaltungen, dass es insgesamt eine große Unterstützung für unsere Politik gibt."

Er könne verstehen, dass viele Menschen enttäuscht seien und Frust hätten. Es gebe auch Kritik, mit der man sich auseinandersetzen könne. Allerdings gebe es darüber hinaus auch "Szenen, wo purer Hass zu erleben ist". Am Wochenende war Spahn bei einem Besuch in Bergisch Gladbach von Gegnern und Gegnerinnen seiner Corona-Politik beschimpft und angespuckt worden. Das Gespräch wolle er jedoch weiterhin suchen, sagte der Minister.

Überrascht habe ihn am Wochenende aber die Zusammensetzung der Corona-Demonstrationen: "Dass die Regenbogenflagge, die Flagge von Freiheit, Recht, Emanzipation der Schwulenbewegung, auf der gleichen Demo wie die Reichsflagge ist und die Nazisymbole – da fragt man sich schon, was ist da los?", sagte Spahn.

Allein in Berlin hatten am vergangenen Wochenende etwa 38.000 Menschen gegen die Corona-Beschränkungen demonstriert. Dabei kam es teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Ein Teil der Demonstranten durchbrach Absperrgitter und schaffte es dabei bis auf die Treppen des Reichstages, wo sie weiß-rote Reichsflaggen vor dem Eingang des Parlaments schwenkten

Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier "ein unerträglicher Angriff auf das Herz unserer Demokratie". Auch andere Politiker und Politikerinnen zeigten sich entsetzt über die Geschehnisse.