Leiterin der Henri-Nannen-Journalistenschule: "Von einem Journalistik-Studium rate ich ab."

Ingrid Kolb, Leiterin der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg, kann den Beruf des Journalisten trotz anhaltender Medienkrise immer noch guten Gewissens empfehlen. "Wer sehr gut ist, hat immer seine Chance", sagt sie der ZEIT. Die Einstellungschancen für Absolventen der Journalistenschulen seien derzeit aber bei Radio und Fernsehen "grundsätzlich besser" als bei Printmedien. Von einem Journalistik-Studium rät sie ab: "Bei allen Bemühungen um mehr Praxisnähe an den Universitäten – dort lernt man nicht, einen Kommentar zu schreiben, sondern einen Kommentar zu analysieren."

Kolb empfiehlt denen, die Journalisten werden wollen, "etwas Solides zu studieren, Naturwissenschaften, zum Beispiel Physik, Chemie oder Medizin. Da gibt es eine Lücke, die in Zukunft noch größer werden wird. Auch Juristen sind gefragt."

"Talent, Hartnäckigkeit, Spürsinn" sollte ein angehender Journalist vor allen Dingen mitbringen. Die Journalistin Kolbe: "Er sollte Lust haben, sich einzumischen, und bereit sein, einen Beruf mit enormen Belastungen auszuüben."

Madeleine Albright: Der Genozid in Ruanda lastet schwer auf mir

Die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright leidet noch heute darunter, dass sie das Blutvergießen in Ruanda nicht verhindern konnte. "Ich habe etwas getan gegen die ‚ethnischen Säuberungen’ im Kosovo; ich habe Veränderungen herbeigeführt. Ich habe es jedoch nicht geschafft, etwas gegen den Genozid in Ruanda zu tun ... Das lastet schwer auf mir," sagt sie der ZEIT. "Offen Gefühle zu zeigen, ist ein zweischneidiges Schwert .... Ich kann Ihnen versichern – wenn eine Außenministerin weint, würde sie nie wieder ernst genommen werden."