Joschka Fischer: Israel braucht "militärische Überlegenheit"Bundesaußenminister Joschka Fischer erinnert zum 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel daran, dass Israel auch weiterhin eine militärische Überlegenheit über seine Nachbarn brauche. Der ZEIT sagt Fischer, er habe den Eindruck, "dass viele Menschen in Europa, nicht nur in Deutschland, nicht mehr ausreichend begreifen, warum Israel eine Position der militärischen Überlegenheit braucht". Da die Existenz Israels von den Nachbarn "niemals wirklich anerkannt" worden sei, habe das Land stets um seine Existenz kämpfen müssen. "Das erfordert militärische Überlegenheit."Fischer erinnert daran, dass es bei Israelis in Sicherheitsfragen "viel Miss-trauen" gegenüber den Europäern gebe. "Würden die uns wirklich zu Hilfe kommen, wenn es ernst wird? Bei den USA ist man sich ganz sicher, aber ich verrate kein Geheimnis, dass bei den Europäern einige Fragezeichen gesetzt werden", erklärt der Grünen-Politiker. Das sei zwar "zu Unrecht" so, müsse Europa aber "zum Nachdenken bringen". Denn Europa habe "alles Interesse", dass Israel in sicheren Grenzen lebe.Europa rücke "durch die Erweiterung immer näher". Dadurch bekomme Europa "eine überragende Bedeutung" für Israel, was sich auch in Handel und Wissenschaftsaustausch zeige.CDU-Außenpolitiker Lamers fordert europäische ArmeeDer ehemalige außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Karl Lamers, hat sich für den Aufbau einer europäischen Armee zur Überwindung der Krise in der EU ausgesprochen. "Eine eigene Armee könnte Katalysator einer gemeinsamen Außenpolitik und Gegenstück zu einer gemeinsamen Währung sein, die ja auch einer gemeinsamen deutsch-französischen Initiative entsprang", schreibt Lamers in der ZEIT. Jetzt sollten "Deutschland und Frankreich ihre mit Belgien und Luxemburg im vergangenen Jahr begonnene Initiative für eine europäische Armee wieder aufgreifen und gemeinsam mit Spanien entschlossen vorantreiben", fordert der renommierte außenpolitische Experte der CDU.Lamers begründet seine Forderung damit, dass so das Zusammen-gehörigkeitsgefühl der EU-Länder gestärkt werden könne. Dazu schlägt Lamers ein Kern-Europa um Frankreich und Deutschland vor, dass dann in der Außen- und Sicherheitspolitik zusammenarbeiten könne. Lamers macht klar, dass er diese Art der Zusammenarbeit als einen Weg zur Überwindung "der seit langem latenten Krise in der EU" ansieht. Ursache der Krise sei wiederum die Globalisierung auch in Europa, die "für viele Arbeitnehmer eine Anpassung nach unten" bedeute.Eine EU-Armee sei daher "die Flucht nach vorn". Allerdings müssten Deutschland und Frankreich "die anderen Europäer überzeugen, dass ein ‚europäisches’ Europa kein antiamerikanisches meint, sondern im Gegenteil die Voraussetzung für wahre Partnerschaft mit den USA anstelle von Gefolgschaft ist. Gelingt das, würden bald andere sich an diesem Kern beteiligen wollen, nicht zuletzt Polen."EU-Gewerkschaftsführer John Monks greift deutsche Wirtschaftspolitik anJohn Monks, Generalsekretär des europäischen Gewerkschaftsdachverbandes ETUC, kritisiert in der ZEIT die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung: "Solange die Politiker den Bürgern nur erzählen, dass die Löhne und die Renten zu hoch sind, der Sozialstaat insgesamt zu teuer ist und alle mehr arbeiten müssen, werden die Leute ihr Geld nicht ausgeben .... So kann die Konjunktur ja gar nicht anspringen." Seit Mitte der 90er Jahre erschütterten sozialdemokratische Regierungen mit solchen Reden das Vertrauen der Bürger in das europäische Sozialmodell. "Irgendwann werden die Beschäftigten Europa nicht mehr stützen, wenn es nur als Vehikel für die Amerikanisierung genutzt wird", warnt Monks.Lobend äußert sich der Gewerkschaftler zur Osterweiterung. Vor allem Deutschland profitiere "dank seiner Lage vom neuen, riesigen Hinterland". Je mehr sich die EU nach Osten öffne, desto besser für Deutschland. Und je reicher Polen werde, desto mehr deutsche Produkte kaufe es. "Dennoch wird diese Entwicklung bei Ihnen allein als Bedrohung wahrgenommen." Monks äußert sich verwundert über die deutsche Debatte: "Erstaunlich, wie unglaublich gern die Deutschen depressiv sind."Monks plädiert für die baldige Verabschiedung der EU-Dienstleistungsrichtlinie: "Die Zukunft liegt in Dienstleistungen privater Anbieter." Die entscheidende Frage ist nur: "Wollen wir dort die Standards der Schwächsten durchsetzen? Das kann doch keine Grundlage für eine gute Entwicklung sein ... Es darf doch nicht sein, dass ich mir in der Slowakei ein Schild mit der Aufschrift ‚slowakisches Unternehmen’ besorge und dann zu slowakischen Bedingungen auf den deutschen Markt ziehen kann". Monks spricht sich dafür aus, den Entwurf der EU-Kommission zu überarbeiten und durch Mindeststandards und Ausnahmeregeln zu ergänzen. Die Chancen dafür seien derzeit "gar nicht so schlecht".Bertelsmann-Chef Thielen fordert "Philosophie der Partnerschaft in jedem einzelnen Unternehmen"Der Vorstandschef des Medienkonzerns Bertelsmann, Gunter Thielen, hat sich in der Kapitalismus-Debatte dafür ausgesprochen, in den einzelnen Unternehmen die Mitarbeiter am Gewinn zu beteiligen, sie aber in angespannter Lage auch Lohnkürzungen oder Mehrarbeit tragen zu lassen. Mitarbeiter "sind die Garanten des unternehmerischen Erfolgs", schreibt Thielen in der ZEIT. Man dürfe sie nicht verunsichern, sondern müsse sie motivieren. Dafür müsse das Unternehmen "Mitarbeitern Sicherheit und Freiraum zugleich verschaffen und ihnen Verantwortung übertragen" und sie am Gewinn beteiligen. In wirtschaftlich angespannter Lage sollten die Mitarbeiter auch "zu Verzicht, zu Mehrarbeit, zu Lohnkürzungen" bereit sein. Wenn dann der Erfolg zurückkomme, "muss der Mitarbeiter daran teilhaben".Die Arbeitskosten müssten flexibler werden, meint Thielen, und doch "bleibt es sozial und ökonomisch unvertretbar, mit dem massenhaften Abbau von Stellen oder mit ihrer Verlagerung ins Ausland zu drohen". Allerdings "bemühen sich die allermeisten deutschen Unternehmer" nach Kräften, Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten. Damit sie dies erfolgreich tun, müssten die Arbeits-kosten auf Betriebsebene bestimmt werden – nach einer "Philosophie der Partnerschaft in jedem einzelnen Unternehmen".Thielen schreibt zum aktuellen Kapitalismus-Streit: "Weder brauchen wir Unternehmer oder Politiker, die dieses Land schlecht reden, noch Menschen oder Mitarbeiter, die sich in diesem Land schlecht behandelt fühlen."CDU will Arbeitsrecht im TaschenbuchformatDer stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Ronald Pofalla, will das deutsche Arbeitsrecht deutlich vereinfachen. Dazu plane er ein "Arbeitsrecht im Taschenbuchformat", sagt Pofalla der ZEIT. "Das deutsche Arbeitsrecht regelt Details wie beispielsweise die Frage, aus welchem Material die Möbel in den Pausenräumen eines Betriebes sein müssen – oder auch die minimale Temperatur auf der Betriebstoilette", erklärt Pofalla. "Solche Rege-lungen passen in die Zeit einer prosperierenden Wirtschaft – in unsere Arbeitsmarktsituation passen sie ganz sicher nicht."Kaum ein Unternehmer durchschaue das Arbeitsrecht. Nach einer Umfrage glauben etwa zwei von drei Chefs von Kleinunternehmen, der gängige Kündigungsschutz gelte auch für sie, obwohl dies bei Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern nicht der Fall ist. Pofalla hat 38 Einzelgesetze und Verordnungen aufgelistet, die für sein Taschenbuch vereinfacht zusammen-geführt werden sollen. Er wird dabei vom Kölner Arbeitsrechtler Peter Hanau beraten. Spätestens in der Sommerpause will Pofalla Grundsätze für ein einheitliches Arbeitsgesetzbuch vorlegen.Bischof Huber hat kein Problem mit der Suche nach Religion im LaborBischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, sieht in der Suche von Forschern nach der biologischen Basis des Glaubens keinen Angriff auf die Religion: "Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass Glauben eine körperliche Entsprechung hat", sagt er der ZEIT.Glaube sei mehr als ein körperlicher Zustand, aber auch kein separierter geistiger Vorgang. "Er ist ein Lebensakt, der den Menschen in bestimmten Situationen so sehr bestimmt, dass ich mir ohne Schwierigkeiten vorstellen kann, dass man das auch an Hirnströmen nachweisen kann."Huber widerspricht jenen Forschern, die Religiösität auf die Vorgänge im Gehirn reduzieren wollen. Es sei ein Fehler, zu meinen, mit solchen Versuchen den Glauben in Gänze erklärt zu haben. "Das ist genau derselbe Fehler, mit dem wir es in der ganzen Debatte um die Hirnforschung zu tun haben: Man meint, mit dem Nachweis entsprechender neuronaler Vorgänge sei schon die Freiheit abgeschafft oder der Glaube hinwegdefiniert."Der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer berät als Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften den Vatikan. Auch er ist überzeugt, "dass alles Wissbare Grenzen hat". Die Wissenslücke fülle die Kirche mit Geschichten aus. Der Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung lebt "mit der Gewissheit, dass das, was sich uns erschließt, nur ein Teil von etwas Größerem, nicht Erfassbarem sein kann. Ich muss mir das aber nicht konkret ausmalen."Die Sehnsucht vieler Menschen nach Religion kann Singer verstehen: "Ich glaube, es kommt keiner von uns ohne Metaphysik aus."Wim Wenders wäre beim Filmfestival in Cannes fast blind gewordenDer Regisseur Wim Wenders ist beim Filmfestival in Cannes vor acht Jahren nur knapp der Erblindung auf dem rechten Auge entgangen. In der ZEIT schildert Wenders, wie sich bei der Aufführung seines Filmes "The Ende of Violence" damals langsam "ein Vorhang vor meinem Auge" senkte. Der Regisseur kümmerte sich im Festivaltrubel nicht um die immer schlimmeren Sehstörungen. Am Ende rettete nur die schnelle Operation eines befreundeten Augenarztes in Marburg sein Augenlicht, die Netzhaut hatte sich abgelöst.In der ZEIT blickt Wenders anlässlich des Filmfests in Cannes (11. bis 22. Mai 2005) auch auf andere Erlebnisse dort zurück. Er schreibt über den Schock, als er 1976 den Preis der Internationalen Filmkritik für seinen Film "Im Lauf der Zeit" erhielt und auf der Urkunde seinen Namen falsch geschrieben sah. Oder wie er es 1984 "mit hängender Zunge" gerade noch rechtzeitig mit einer frisch geschnittenen Kopie von "Paris, Texas" zum Wettbewerb schaffte und für den Streifen schließlich die Goldene Palme erhielt. Und er schildert wie ihn 1989 der Festivalpräsident Gilles Jacob in die Jury berief: "Einen eigenen Wagen mit Chauffeur, die ganze Zeit über, und dann ständig Filme sehen dürfen! Diesen Luxus habe ich dann die nächsten Male schmerzlich vermisst", schreibt er.Wolfgang Leonhard über seine verlorene Jugend: Stalin statt SexAls der Publizist Wolfgang Leonhard, 84, ein junger Mann war, hieß es für ihn Stalin statt Sex: "Alles, was üblicherweise Kindheit oder Jugend ausmacht, ist mir in meinem Leben entgangen: Tanzen gehen, in Bars herumlungern, mit Mädchen flirten, all das kannte ich nicht. Typische Kindheitsträume habe ich nie geträumt." Stattdessen habe er "die großen Wendungen der Zeitgeschichte" durchlebt, sagt er der ZEIT.Nach Kindheitsjahren in Berlin und schwedischem Exil ging er mit seiner Mutter 1935 nach Moskau und verbrachte seine Jugendjahre in der Sowjetunion, wo er an der Komintern-Schule ideologisch ausgebildet wurde. Leonhard: "Alle denken immer, dass Sex so wichtig wäre. Aber nicht bei Stalin! Ich war ununterbrochen mit zehn, zwanzig Studenten oder Genossen im Zimmer, da gab es das alles nicht. Wie hätte man sich sonst aufs Prawda-Lesen konzentrieren sollen? Wer sich durch persönliche Erfahrungen beeinflussen ließ, machte sich des kleinbürgerlichen Individualismus schuldig, hieß es."Leonhard: "Sechzig Jahre nach Kriegsende sind meine Träume einer Gesellschaftsordnung erwachsen geworden. Ich träume heute von einer revitalisierten Demokratie, die die Überwindung aller unnötigen Gesetze bedeutet. Von einer allmählichen Wandlung eines bürokratischen Verordnungs-staates hin zu einer aufklärenden Demokratie mündiger Bürger, die sich mehr und mehr an Entscheidungsprozessen beteiligen. Von einer Ordnung, die Gesetze nur erlässt, wenn fünfmal mehr dafür außer Kraft gesetzt werden. In meiner Vision muss jedes Gesetz nach maximal fünf Jahren auf den Prüfstand und völlig neu überdacht werden."Bestseller-Autor Nick Hornby: Signierstunden und Fernsehauftritte sind stumpfsinnigDer britische Schriftsteller Nick Hornby hat sich als junger Lehrer "ständig" in seine Schülerinnen verliebt: "Die waren 17 und ich 23, was erwarten Sie? Ich habe an einer sehr netten Schule gearbeitet, die Atmosphäre zwischen Lehrern und Schülern war entspannt, zu entspannt", sagt er der ZEIT. "Es endete damit, dass ich mich plötzlich in meinem Haus wiederfand, umgeben von meinen Schülern."Während seines Studiums in Cambridge habe er sich "an dieser Elite-Uni nie wohl gefühlt, überall liefen diese Hugh-Grant-Typen herum, unglaublich selbst-bewusst, unglaublich siegessicher." Das ausgerechnet Hugh Grant dann die Hauptrolle in der Verfilmung seines Romans "About a Boy" spielte, fand Hornby "großartig".Die Signierstunden und Fernsehauftritte nach seinem Durchbruch als Autor hingegen wirkten auf Hornby "stumpfsinniger als alles, was ich jemals getan hatte."Helge Schneider: Auf Schlittschuhen nach IndienDer Entertainer Helge Schneider liebt Reisen, ohne seine Heimat Mühlheim verlassen zu müssen. "Ich kann die Welt sein, jeder kann die Welt sein, ohne um den Erdball fliegen zu müssen. Man hält seine Heimat zu Unrecht klein und denkt immer, die Leute in New York oder in Rom hätten sehr wichtigen Spaß, was will man in Wipperfürth?", sagt er in der ZEIT. In seinem neuen Buch Globus Dei will Schneider zeigen, "zu welcher Fantasie die Heimat anregen kann, auch wenn sie überschaubar ist wie Mühlheim an der Ruhr".Reisen erweist sich für Schneider als zwiespältig: "Ich will auf alle Fälle nicht zum fernreisenden Voyeur werden, der wie ein Zoologe auf die fremde Spezies guckt. Da fehlt mir der wirkliche Austausch zwischen Menschen und Kulturen." Er verstehe aber die Sehnsucht der Menschen nach Nähe zu Urgewalten. "Diesem Abenteuer haben wir in Deutschland, Holland, Belgien allerdings eine eigentümliche Form gegeben – das Campen. Von Nato-Draht umzäunte Flecken Erde, feste Essens- und Skatzeiten, patrouillierende Schäferhunde. Fünf Meter dahinter beginnt die Natur. Aber die wird nicht betreten, die ist gefährlich", sagt Schneider.Angst vor der Fremde kenne er nicht: "Ich habe nur kein Bedürfnis, riesige Entfernungen per Flugzeug zu überwinden. Für mich ist schon der Weg selbst Teil der Entdeckung. Zum Beispiel führe ich gerne mal auf Schlittschuhen nach Indien."Helge Schneiders Expeditionsroman "Globus Dei" erscheint am 23. Mai 2005 bei Kiepenheuer & WitschFrühere SPD-Kultusministerin in NRW gibt ihrer Partei Mitschuld an Lähmung der BildungspolitikAnderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat die langjährige SPD-Kultusministerin Gabriele Behler in der ZEIT mit der Bildungs-politik ihrer eigenen Partei abgerechnet. In den siebziger und achtziger Jahren hätten Sozialdemokraten gymnasiale Bildung als reaktionär abgewertet, sich von einem konsequenten Erziehungsverständnis verabschiedet und in den Schulen zu wenig auf Leistung geachtet. "Statt ‚Fordern und Fördern’", schreibt Behler, "hieß die Parole 'Fördern statt Auslesen'." Zudem betrachtete die Parteiführung die Bildungspolitik als "Ventil für das sozialistische Gären in der SPD". Damit, so Behler, "lud die SPD ein gerüttelt Maß an Mitschuld an dem Kulturkampf um die Schulstruktur auf sich, der die deutsche Bildungspolitik nahezu zwei Jahrzehnte lang lähmte."Mythen und Romantizismen prägten auch heute noch vielerorts die Bildungs-politik der SPD. "Keine SPD-Konferenz, kein regionaler Parteitag", so Behler, "auf dem zurzeit nicht wieder die vermeintlichen Heilsgewissheiten verkündet würden. Von Franz Müntefering über Edelgard Bulmahn und Heide Simonis bis zum Unterbezirksdelegierten aus Köln oder Frankfurt. Da feiern manche Mythen eine fröhliche Aufer-stehung." Immer wieder würden die Probleme der Gesamtschulen geleugnet, die trotz guter Ausstattung weder mit guten Schülerleistungen noch mit Erfolgen in der Chancengleichheit aufwarten könnten.Mit Behler kritisiert erstmals eine prominente Sozialdemokratin systematisch die SPD-Bildungspolitik der vergangenen Jahrzehnte. Die Schulstudie Pisa stellte der SPD ein vernichtendes Zeugnis aus: In den traditionell SPD-regierten Ländern wie Nordrhein-Westfalen sind die Leistungen der Schüler schlechter und die Schulen ungerechter als in Unionsstammländern wie Bayern. Behler war von 1995 bis 2002 Kultusministerin in Düsseldorf. Im Januar 2005 legte sie ihr Landtagsmandat aus Protest gegen ein neues Schulgesetzt nieder. Die Modernisierung des deutschen Bildungswesens sei nur im Konsens der Volksparteien möglich, so Behler in der ZEIT. Der sei nur dann erreichbar, "wenn beide großen politischen Lager auch ihre eigenen Verirrungen und Versäumnisse der Vergangenheit aufarbeiten und nicht liebevoll gepflegte Mythen einfach weitertradieren". Dieser Aufgabe müssten sich auch die Konservativen stellen, die beispielsweise jahrzehntelang gegen die Ganztagsschule gekämpft hätten unter der Parole der Verteidigung der christlichen Familie.Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iliane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel. 040/3280-217, Fax: 040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiss@zeit.de) gern zur Verfügung.