Schröder vermeidet Koalitionsaussage zu Gunsten der GrünenBundeskanzler Gerhard Schröder will ohne eine klare Koalitionsaussage für rot-grün in die Neuwahlen im Herbst gehen. In einem Interview mit der ZEIT sagt er, in einer "Wahlauseinandersetzung sucht jeder das größtmögliche Maß an Wählerstimmen gegen jeden anderen Konkurrenten zu gewinnen. Das ist eine Selbstverständlichkeit", sagt Schröder der ZEIT auf eine Frage nach der Zukunft der rot-grünen Koalition. Das sei aber "keine Absage an die Konstellation, in der wir erfolgreich gearbeitet haben", fügt der SPD-Politiker hinzu. "Ich will, dass die SPD stärkste Partei wird", sagt Schröder.Schröder kündigt an, dass der Wahlkampf voll auf ihn als Spitzenkandidaten zugeschnitten sein werde: "Ich glaube, wir tun gut daran, eine sehr personalisierte Auseinandersetzung zu führen, die auf die beiden Spitzenleute zugeschnitten werden wird." Er selbst bereite sich auf "einen argumentativen Wahlkampf vor und nicht auf einen, der sich in Negativfloskeln erschöpft".Bei den politischen Inhalten des Wahlkampfes will Schröder weiter den Kurs der vergangenen Jahre steuern: "Aber klar ist, dass unsere Politik fortgesetzt wird, die Politik der Erneuerung unseres Landes, um die Sozialsysteme krisenfest und zukunftssicher zu machen, die Politik der Offenheit unseres Landes, die Politik des außenpolitischen Selbstbewusstseins. Für diese Politik stehe ich, inhaltlich und mit meinem Namen." Als weitere Themen nennt er die Gleichstellungpolitik, die Frauenpolitik und den Bildungsbereich.DGB will keine Wahlempfehlung für die SPD abgebenDer Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) will bei der vorgezogenen Bundes-tagswahl nicht Partei für die rot-grüne Bundesregierung ergreifen. In der ZEIT erklärt DGB-Vorsitzender Michael Sommer, dass seine Organisation in der bevorstehenden Auseinandersetzung keine Wahlempfehlung für die rot-grüne Regierung abgeben werde. "Im Zusammenhang mit den Hartz-Reformen und der Agenda 2010 gab es nun einmal Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Gewerkschaften, die nicht vergessen sind", erklärt er.Sommer lobt den nordrhein-westfälischen Wahlsieger Jürgen Rüttgers für seinen Vorstoß, älteren Arbeitslosen länger Arbeitslosengeld zahlen zu wollen. "Es gibt sehr widersprüchliche Signale aus der CDU", sagt Sommer. Den eigentlichen Konflikt sehe er allerdings mit der FDP, "die eine Republik ohne Gewerkschaften will".Bahn prüft nach Lidl-Aktion Ticketverkauf in SupermärktenNach dem großen Erfolg von einer Million verkaufter Tickets innerhalb kürzester Zeit beim Discounter Lidl, erwägt die Bahn nun den dauerhaften Fahrkarten-verkauf in Supermärkten. "Natürlich denken wir über solche Konzepte nach. Und wir haben auch schon mit möglichen Partnern gesprochen. Konkrete Pläne gibt es noch nicht. In jedem Fall müssten wir für den Verkauf von Fahrkarten eine spezielle Technik installieren. Letztlich ist es dann egal, ob die Fahr-kartenagentur in einem Supermarkt sitzt oder woanders. Fahrkarten, die der Kunde aus dem Regal nimmt wie Butter und Käse, wird es nicht geben", sagt Vertriebschef Jürgen Büchy der ZEIT.Vergangenen Woche hatte die Bahn eine Million Tickets im Zweierpaket für Hin- und Rückfahrt zu 49,90 Euro über Lidl angeboten. Sie waren schon kurz nach Ladenöffnung ausverkauft. Laut Büchy dauert es üblicherweise "vier bis fünf Tage", so viele Fahrkarten abzusetzen. Trotzdem werde die Aktion nicht wiederholt.Zur Frage, ob auch das Internetauktionshaus eBay ein Vertriebsweg sein könnte, sagt Büchy: "Ernsthaft überlegt haben wir das bisher nicht. Aber wenn man sich anschaut, was dort für die Lidl-Tickets geboten wurde, kommt man schon ins Grübeln…"Peter Rühmkorf: Die parlamentarische Demokratie ist zur Ohnmacht verdammtDer Hamburger Schriftsteller Peter Rühmkorf äußert in der ZEIT große Zweifel am Funktionieren der parlamentarischen Demokratie. Das Scheitern der SPD bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen deutet er als Symptom dieser Fehlentwicklung: "Schröders Schritt, Kapital und Arbeit zu versöhnen, ist misslungen. Weil ihm das Kapital sein Entgegenkommen nicht vergolten hat". Mit einer bestimmten Sorte Kapital sei kein Frieden zu schließen, sagt Rühmkorf in der ZEIT: "Es ist ja nicht mehr der alte Kapitalismus, mit dem man sich auseinandersetzt. Es ist ja ein Tsunami, mit dem man zu tun hat. Und wenn diese gar nicht mehr fassbaren Mächte gewirkt haben, dann ist die SPD dran schuld. Da würd’ ich den anderen schon mal wünschen, die Verantwortung zu übernehmen."Rühmkorf bezeichnet die parlamentarische Demokratie als "ausgehöhlt, unterwandert, zur Ohnmacht verdammt gegenüber solchen Macht- und Geldverschiebungen". Die westliche Gesellschaft sei eine Selbstvernichtungsgesellschaft: "Der Kapitalismus frisst seine Kunden. Kann das gut gehen?"Der christlich-liberalen Opposition traut Rühmkorf nicht zu, die Dinge zum Besseren zu wenden: "Sie werden es nicht können. Wenn ich auf deren Seite gucke, muss ich mir ein Fernglas vor die Augen halten, um irgendwas Vernünftiges zu entdecken. Du kannst einen gegen den anderen stellen, Angie gegen Schröder – auf der anderen Seite seh’ ich einfach kein Format."Zur wahrscheinlichen Kanzlerkandidatin der Opposition, Angela Merkel, bemerkt Rühmkorf: "Ich will Angela ja nichts Böses, aber wenn ich diesen nach unten gebogenen Winkelhaken von Mund betrachte, dann sehe ich zuviel Anstrengung. Damit darf man nicht in den Job gehen."Philosoph Paul Virilio kritisiert Referendum über EU-Verfassung als "Stimmungsdemokratie"Der Philosoph Paul Virilio hat das französische Referendum zur künftigen europäischen Verfassung kritisiert. Vordergründig erwecke das Referendum den Eindruck einer demokratischen Öffnung. Tatsächlich aber "macht es immer stärker den Eindruck einer Demokratieverweigerung", schreibt der Franzose Virilio in der ZEIT.Angesichts des komplizierten Themas sei es "absurd und selbstmörderisch" gewesen, die EU-Verfassung in einem Referendum zur Abstimmung zu stellen: "Wie nämlich soll man ‚mit Sachkenntnis’ über einen Text von mehr als 500 Seiten und mit mehr als 400 Artikeln abstimmen?" Virilio sieht in dem Referendum einen weiteren Beweis dafür, dass sich die alte Meinungs-demokratie allmählich in eine "Stimmungsdemokratie" verwandelt, in der die Bürger nur noch reflexhaft auf politische Reklame-Techniken und "Wahl-anfragen" reagieren.Paul Virilio lebt in Paris und wurde mit seinen Büchern über Politik, Technik und Geschwin-digkeit weltberühmt.George Lucas erwartet nicht, mit neuen Filmen Geld zu verdienenStars Wars-Regisseur George Lucas strebt mit seinen nächsten Filmen keinen kommerziellen Erfolg an: "Diese Filme werden in keiner Weise mit Star Wars konkurrieren – nichts kann mit Star Wars konkurrieren!" sagt Lucas der ZEIT. "Nun habe ich mir das Recht verdient, zu scheitern. Und in den Augen vieler Leute werde ich scheitern. Meine neuen Filme werden kein Geld einspielen. Manche Kritiker werden sie lieben, andere hassen. Ich werde etwas tun, was meine Neugier befriedigt. Darauf habe ich sehr lange gewartet." Falls seine "experimentellen" Filme nicht funktionieren sollten, so Lucas, werde er sie "für sich behalten". Falls sie keiner sehen wolle, sei das "auch okay"."Die Dinge loslassen können", bezeichnet Lucas als eine der wichtigsten Lektionen in Star Wars: "Nun bin ich selbst an dem Punkt, an dem ich Star Wars loslassen muss. Ich hoffe nur, dass auch die Star Wars-Fans loslassen können." Er hoffe, dass die Fans die Inspiration der Filme bewahren könnten, "ohne sie zu einer Art Bibel zu machen". Sein Rat an Star Wars-Fanatiker lautet: "Werdet nicht besessen oder dogmatisch. Verwendet das, was euch in Star Wars gut und sinnvoll erscheint, für euer eigenes Leben."Sigmar Gabriel fordert stärkere Betonung der Leistung in den SchulenDer SPD-Politiker Sigmar Gabriel fordert seine Partei zum Umdenken in der Bildungspolitik auf. "Leistung muss geradezu ein sozialdemokratischer Kampf-begriff in der Bildungspolitik werden", schreibt der Vorsitzende der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag in der ZEIT. Nur mit dem Ehrgeiz, besser zu sein, könne das Bildungsprivileg der Oberschicht gebrochen werden. "Wer das Prinzip der Leistung in der Schule vernachlässigt", so Gabriel, zementiere den Zustand, "dass die soziale Herkunft bei der Verteilung von Bildungs- und Karrierechancen den Ausschlag gibt."Die SPD müsse aufhören, den Anspruch von Bildung als Bestandteil der Persönlichkeitsentfaltung und ihre ökonomische Verwertbarkeit als Widerspruch zu betrachten. "Wer in der Bildungspolitik Begriffe wie Wettbewerb und Wohlstand benutzt", kritisiert Gabriel, stehe bisweilen unter "dem General-verdacht", er wolle die Unterordnung von Bildungsinteressen unter die Verwertungsinteressen des Kapitals. "Dies ist eine völlig falsche Frontstellung", erklärt Gabriel. Bildung sei die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit.Der "leider auch immer noch von den Sozialdemokraten betriebene Kampf" um die Struktur der Schule sei ein Nebenkriegsschauplatz, schreibt Gabriel weiter. "Auch den engagiertesten Gesamtschulvertreter darf es nachdenklich stimmen, wenn ausgerechnet das konservative Baden-Württemberg mit seinem dreigliedrigen Schulsystem nicht nur gute Leistungen, sondern auch die geringste Bindung des Bildungsverlaufes an die soziale Herkunft aufweist."Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel.: 040/3280-217, Fax: 040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de) gern zur Verfügung.