Prinz Philipp von und zu Liechtenstein: EU-Zinssteuer bleibt folgenlosDie seit Anfang Juli geltende Zinssteuer in der EU hat kaum Auswirkungen auf den Geldverkehr nach Liechtenstein. "Es wird jedenfalls sehr wenig Geld zurückfließen", sagt Prinz Philipp von und zu Liechtenstein in der ZEIT. So könnten die Kunden in das fürstliche Portfolio investieren, das gar nicht der Zinssteuer unterliege, so der Chairman der fürstlichen LGT Bank. "Ein hoher Anteil fließt in Private Equity und Hedge Funds." Andere Kunden "transferieren Vermögenswerte nach Singapur" – und zwar begleitet von der LGT. Es sei auch nicht seine Aufgabe, Steuersünder aufzuspüren, sagt der Prinz. "Wir sind doch nicht die Polizei. Sollen wir unsere Kunden im Hinterzimmer mit der Lampe anstrahlen und ordentlich ausfragen? So funktioniert es nun einmal nicht."Deutsche Top-Firmen gründen Sicherheitsforum Das Thema Sicherheit wird für deutsche Unternehmen immer wichtiger. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, hat sich eine Runde von sieben Sicherheitschefs deutscher Top-Firmen in einem Sicherheitsforum Deutsche Wirtschaft zusammengeschlossen, wie die ZEIT berichtet. Dies betrifft sowohl den Schutz vor externen Bedrohungen wie Terroranschläge als auch die Verhinderung von Korruption im Inneren. Vorsitzender des Forums ist Rainer Benne (Porsche), seine Stellvertreter sind Dieter Langendörfer (VW) und Michael Schmidt (Deutsche Post). Neues reguläres Mitglied ist seit kurzem Harald Steininger von der Deutschen Telekom.
Vorrangiges Ziel der Experten ist es, in Sicherheitsfragen den Austausch zwischen Deutschlands größten Konzernen zu stärken und Behörden wie Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz und Bundesinnenministerium als Ansprechpartner in der Wirtschaft zu dienen.
Orientierung über die größten Herausforderungen soll dabei die Zukunftsstudie Security 2015 geben, die im Frühjahr unter der Ägide von VW und unter Beteiligung von Experten wie dem früheren Chef des Bundeskriminalamts Hans-Ludwig Zachert erstellt wurde. Der Studie zufolge werden beispielsweise Organisierte Kriminalität und Wirtschaftsspionage in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Für Unternehmen werde es zunehmend schwieriger, loyales Personal zu rekrutieren und zu halten. Um die Polizei steht es laut Studie nicht sonderlich gut: Sie bleibe international unzulänglich ausgestattet. ZEIT-Zitat der Woche "Weiterhin verschlinge ich Unmengen an wissenschaftlicher Literatur, nur muss ich leider, wie eine müde Kuh, diese immer wiederkäuen, um noch gescheite Milch zu geben."
Stanislaw Lem, 83, in der ZEIT Merkel-Entdecker Eppelmann traute ihr Kanzlerschaft nicht zu Der CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann hat Angela Merkel nicht das Amt der Bundeskanzlerin zugetraut, als er sie im Herbst 1989 in Berlin als politisches Nachwuchstalent entdeckte. Das sagt der ehemalige Pfarrer und Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs der ZEIT.
Wie der 62-Jährige Eppelmann berichtet, habe Merkel im Herbst 1989 vor dem Büro der neuen Partei in Berlin gestanden. Er habe Merkel dem späteren DDRMinisterpräsidenten Lothar de Maizière als Pressesprecherin empfohlen. Von dem Posten aus sei sie dann später Ministerin im Kabinett von Helmut Kohl geworden.
Nach Ansicht von Eppelmann hat die politische Karriere an Merkel gezehrt: "Sie ist 30 Jahre älter geworden." Im Jahr 1990 habe Merkel ausgesehen, als habe sie "gerade Abitur gemacht. Und heute? Sieht sie so alt aus, wie sie ist". Er fügt hinzu: "Man merkt, Politik zehrt." Laut Eppelmann ist Merkel "offensichtlich schon immer eine ehrgeizige Frau gewesen." Ihr Ehrgeiz sei aber nicht im Sinne einer Karriereplanung zu verstehen. Ihr Prinzip sei eher gewesen: "Ich will was lernen, ich will was gestalten."
Der Bürgerrechtler Eppelmann wurde von der Stasi verfolgt und war Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs. Er ist seit 1990 CDUBundestagsabgeordneter und tritt nicht zur Wiederwahl an. Der brasilianische Kulturminister Gilberto Gil: "Politik ist eine Kampfkunst"Für den brasilianischen Kulturminister Gilberto Gil gehören Provokationen zu seinem Leben. "Auch wenn jetzt manche Leute sagen, früher hätte ich mit Steinen geworfen, heute säße ich im Glashaus. Ich war einer, der das System herausfordert. Ein Rebell, der jede Konvention ablehnt. Das war die Zeit, als ich Steine warf. Heute, als Mitglied der Regierung, verspüre ich trotzdem gelegentlich noch Lust, einen kleinen Stein zu nehmen und ihn übers Dach kullern zu lassen. Diese Dualität ist meine Natur," sagt er der ZEIT. Politik ist für den Politiker, der auch Komponist und Sänger ist, eine Kampfkunst: "Es ist unmöglich, sich Politik ohne Konflikt und Disput vorzustellen. Zugleich muss sie bestimmten Regeln folgen. Man muss seinen Gegner respektieren. Es ist wie ein zivilisierter Krieg. Ein Dichter steht auf dem Schlachtfeld der Politik nicht besser oder schlechter da als andere. Die Poesie hat ihr eigenes Reich. Aber ich mag es, wenn sich diese Sphären vermischen." Einer seiner großen Träume ist, "dass in Brasilien eine gemeinsame Identität entsteht aus all den vielfältigen Strömungen, Religionen, Bevölkerungsgruppen und Kulturen, die in unserem Land leben. Ich wünsche mir eine Identität, die Verschiedenheit als Wert erkennt. Das ist eine Aufgabe, vor der im Grunde die gesamte Menschheit heute steht. In dieser Hinsicht ist Brasilien ein sehr aktuelles Land."Judith Holofernes fehlt das politische Engagement ihrer Generation Judith Holofernes, Sängerin der Band "Wir sind Helden", kritisiert das fehlende politische Engagement ihrer Generation: "Ich glaube, dass sich Menschen in unserer Generation zu sicher fühlen und sich den Luxus politischer Faulheit leisten, weil sie es nicht anders kennen." Sie selbst mag Aktionen von Attac oder der Initiative Die glücklichen Arbeitslosen: "Mein Herz schlägt dann hoch, wenn sich Politik mit Kunst verbindet."
Der ZEIT sagt sie: "Ich glaube, dass sich die Leute noch umschauen werden, sollten sie jetzt nur aus Spaß und Langeweile mal die CDU wählen oder eben gar nicht wählen." Einer möglichen Kanzlerin Merkel steht sie skeptisch gegenüber: "Aus einem frauenpolitischen Blickwinkel wäre ihre Wahl vielleicht ein Triumph. Aber mich persönlich holt das nicht hinterm Ofen vor. Ich werde keine Partei wählen, nur weil eine Frau an der Spitze steht." Bildungsforscherin Elsbeth Stern: "Je besser der Unterricht, desto mehr schlagen die Gene durch" Guter Schulunterricht nutzt vor allem begabten Schülern. Diese Auffassung vertritt die Bildungsforscherin Elsbeth Stern in der ZEIT. Je besser der Unterricht, desto privilegierter seien begabte Schüler. Je mehr die Schüler ihren individuellen Möglichkeiten entsprechend gefördert würden, "desto mehr schlagen die Gene durch – und die sind nun einmal ungleich verteilt." Die Ursache sieht die Wissenschaftlerin vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin darin, dass intelligente Schüler aus anregendem Unterricht "den meisten Honig saugen" könnten.
Stern wendet sich gleichzeitig gegen eine Überbetonung der Rolle der Intelligenz fürs Lernen. "Intelligenz ist kein Freibrief", sagt die Lernpsychologin Stern. Wer systematisch lerne, könne zum Beispiel bessere Mathematik- Leistungen erbringen als ein "intelligenter Faulpelz". Fleißige begabte Schüler hätten aber einen Vorteil, für sie gelte das Matthäus-Prinzip: "Wer hat, dem wird gegeben." Der zweite Teil des Matthäus-Zitats aus der Bibel gelte aber nicht: "Wer nicht hat, dem wird genommen, was er hat." Schwache Schüler könnten immer noch dazulernen. Anregender Unterricht nütze allen Schülern. Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iliane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel. 040/3280-217, Fax: 040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiss@zeit.de) gern zur Verfügung.