Ex-BDI-Chef Henkel räumt Beschädigung des Verbandes ein

Der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel hat eingeräumt, das Ansehen des Verbandes mit seiner Kritik an der Ernennung des CDU-Abgeordneten Norbert Röttgen zum Hauptgeschäftsführer beschädigt zu haben. "Das ist sicher kurzfristig der Fall", sagt der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) in der ZEIT. Dennoch verteidigt er sein Vorgehen: "Es ging darum, zu verhindern, dass der BDI langfristig geschwächt wird." Sein offener Brief mit der Kritik an Röttgens Doppelfunktion als Verbandsgeschäftsführer und Abgeordneter habe "dem BDI zweieinhalb Jahre quälender Diskussion um Doppelbelastung und Interessenkonflikte erspart".
Henkel verwahrt sich entschieden gegen den Vorwurf, er habe mit seinem Brief den amtierenden BDI-Präsidenten Jürgen Thumann oder dessen politische Linie kritisieren wollen. Es gehe ihm einzig um die Unabhängigkeit des Industrieverbandes. Henkel: "Ich habe nichts dagegen und habe größtes Verständnis dafür, dass Herr Thumann Frau Merkel den Rücken stärkt ... Es gibt zur Zeit keine Alternative zur Großen Koalition. Ich halte die Kritik am so genannten Schmusekurs von Herrn Thumann deshalb für nicht angebracht."
Henkel gibt in der ZEIT auch zu erkennen, dass er die Entscheidung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) missbilligt, die seit 1995 den CDU-Abgeordneten Reinhard Göhner als Hauptgeschäftsführer akzeptiert. Der habe, so Henkel, bei seiner Bestellung versprochen, seinen Sitz im Bundestag aufzugeben: "Jetzt sitzt er da immer noch."

Konjunkturexperte Flaig: Teures Öl bremst Wachstum nicht

Die hohen Ölpreise bedeuten nach Einschätzung des Konjunkturexperten Gebhard Flaig vom Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung keine Gefährdung des Wirtschaftswachstums 2006: "Wir haben im Juni 1,8 Prozent Wachstum für das Bruttoinlandsprodukt prognostiziert. Daran halten wir fest," sagt Flaig der ZEIT. Die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Öl sei heute wesentlich geringer geworden. "Wir leben in einer anderen Welt als in den siebziger Jahren."
Wirtschaftsprofessor Flaig erinnert daran, dass die Petrodollar aus den Ölförderländern teilweise nach Deutschland zurückfließen, "und zwar in weit größerem Umfang als früher". Das kompensiere den heimischen Nachfrageausfall teilweise. Allerdings dürfte der Ölpreis nicht bei 80 Dollar verharren.
Außerdem hätten die Gewerkschaften gelernt, "dass man Kaufkraftverluste bei den Verbrauchern nicht einfach durch höhere Löhne kompensieren kann, weil das nur auf Kosten höherer Arbeitslosigkeit ginge. Also erleben wir auch keine Lohnpreisspirale wie in den siebziger Jahren."

30 Prozent Schulabbrecher an US-High-Schools

Verschiedenen neuen Studien zufolge brechen in den USA 30 Prozent der Schüler eines Jahrgangs die Highschool ab, berichtet die ZEIT. Besonders dramatisch ist die Abbrecherquote unter Schwarzen, nur die Hälfte von ihnen macht dieses Jahr einen Abschluss. Das Versagen der amerikanischen Highschools wurde viele Jahre durch geschönte Regierungsstatistiken vertuscht. Schulen werden in den USA von Städten und Landkreisen finanziert, vielen ist das Geld für eine gute Schule schon lange ausgegangen.
Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Schulabbrecherquote 12 Prozent.

Michael Schumacher war die Formel 1 zu laut

Bevor der Rennfahrer Michael Schumacher in die Formel 1 aufgestiegen ist, hielt er wenig von der Königsklasse des Rennsports: "Ich habe 1989 oder 90 einmal Karten gehabt für Hockenheim. Nach kürzester Zeit wusste ich schon nicht mehr, wer an welcher Position fuhr. Außerdem war mir das viel zu laut. Ich bin dann gegangen", sagt der siebenfache Weltmeister, der mit 37 Jahren in-zwischen der älteste Formel 1-Pilot ist. Im September will er nach einer Ankündigung seines Rennstalls Ferrari bekannt geben, ob er seine Karriere beendet.
In der ZEIT will Schumacher sich noch nicht auf eine Entscheidung festlegen. Er sagt, dass er in seinem Leben bislang noch nie mit etwas aufgehört habe. Schuhmacher: "Nicht in dem negativen Sinne, das ich etwas verloren hätte. Ich habe das Vergangene immer gegen etwas Neues eingetauscht, so wie als Kind Judo gegen Kartfahren."
Sein Vater habe ihm geraten, aufzuhören, wenn ein Fahrer kommt, der ihn zwingt, über sein persönliches Limit zu gehen. Den Rat werde er auch befolgen, sagt Schumacher, "aber zum Glück ist das bislang noch nicht der Fall". Die Entscheidung aufzuhören, werde er nicht davon abhängig machen, ob er noch einmal Weltmeister werde. "Da geht es um andere Dinge."
Im Laufe der Jahre ist sich Schumacher der Gefahr im Auto mehr bewusst geworden: "Wenn ich heute merke, da ist etwas nicht 100 Prozent in Ordnung am Auto, dann fahre ich eher an die Box. Früher wäre ich da wohl weitergefahren."

Schriftsteller McEwan: "Die Religion verleitet Menschen dazu, grausame Dinge zu tun"

Der englische Schriftsteller Ian McEwan träumt von einer Welt ohne Religionen. Er versuche oft, sich eine Welt vorzustellen, "die intellektuell reich und emotional befriedigend ist – und die ohne jede Religion auskommt", sagt McEwan der ZEIT. Die Religion stehe "im Zentrum der großen Konflikte unserer Zeit. Sie verleitet Menschen dazu, grausame Dinge zu tun. Immer wieder – kidnappt Religion die Moral." Die Annahme, es gäbe "ein besseres Leben als dieses" erweise sich immer wieder als "destruktiv". Wer "auf ein besseres Leben nach dem jetzigen hofft, verliert seine Hingabe an die eigene Existenz".
Die Partei, die seiner Haltung gerecht werden könnte, würde "Partei des demokratischen Skeptizismus" heißen. Skeptiker seien insgesamt eine friedliche Gruppe: "Nie sieht man eine Gruppe von Skeptikern die Straße hinablaufen und Autos anzünden. Sie töten nicht für ihre Überzeugungen, sie nehmen keine Geiseln."
McEwan schließt einen grundsätzlichen Sinneswandel nicht aus: "Würde sich jetzt allerdings plötzlich der Himmel über mir öffnen und eine gigantische Figur die Wolken teilen und sich gütig an uns wenden – dann wäre ich natürlich sofort bereit, meine Überzeugungen den Tatsachen anzugleichen."