Birthler lenkt bei Rosenholz-Akten ein

Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, hat in der Diskussion um die Rosenholz-Papiere von ehemaligen Bundestagsabgeordneten Fehleinschätzungen eingeräumt. Das berichtet die ZEIT in ihrer neuen Ausgabe und zitiert aus einem Schreiben Birthlers an Bundestagspräsident Norbert Lammert. „Ich will nicht ausschließen, dass die seinerzeit getroffenen Prioritätenentscheidungen im Lichte der heutigen Diskussion hinterfragt werden müssen.“

Birthler hatte eine Forschungsgruppe ihres Hauses im Frühjahr 2005 aufgelöst, nachdem sie bei Sichtung der Rosenholz-Unterlagen auf „IM A“-Eintragungen für 43 Mitglieder des 6. Deutschen Bundestages gestoßen war. Der Frage, was sich hinter den Registrierungen verbirgt, war danach nicht weiter nachgegangen worden. Der Abschlussbericht der Forschungsgruppe wird bis heute unter Verschluss gehalten, eine ursprünglich für dieses Jahr geplante Veröffentlichung wurde auf 2007 verschoben.

Die ZEIT hatte vor sechs Wochen (Ausgabe 26/06) erstmals über den Vorgang berichtet. Am Mittwoch (2. August) will die Behörde die Rosenholz-Unterlagen der ersten Abgeordneten für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Islamexperte Ajami sieht Nasrallah unter Druck

Der Führer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, steht nach Ansicht des US-Islamexperten Fouad Ajami im eigenen Lager der Schiiten im Libanon weit mehr unter Druck als bisher bekannt. Der im Libanon aufgewachsene Ajami sagt der ZEIT: „Nasrallah hat in ihrem Namen sehr viel aufs Spiel gesetzt und verloren. Meine Gesprächspartner im Bekaa sagen mir, dass der Mann sehr ernüchtert wirke. Der Tag der Abrechnung ist nicht weit.“

Nach Ansicht des US-Wissenschaftlers sind viele Schiiten verärgert über die im Lauf der Auseinandersetzung mit Israel entstandenen Verwüstungen im Libanon. „Im Westen glauben wir, die Schiiten seien bloß ein armer, abgerissener Haufen. Tatsächlich hat sich da viel Reichtum angesammelt, und diese Leute sind nicht beglückt von der Vernichtung ihres Eigentums. Die Rechnung wird Nasrallah von den eigenen Leuten präsentiert werden“, sagt er und fügt hinzu, „zumal Nasrallah im Auftrag der Iraner gehandelt hat“.