Finanzsenator Sarrazin: Berlin ist nur eine durchschnittliche Großstadt

Zweieinhalb Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hat sich Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) ausgesprochen skeptisch zum Zustand der Hauptstadt geäußert. Sarrazin sagt der ZEIT: "Wenn man sich die Zahlen ansieht, die der Wirtschaft, der in der Stadt lebenden Migranten, des zahlenden Kulturpublikums, dann sieht man, dass Berlin eben doch nur eine durchschnittliche Großstadt ist." Die Wirtschaftskraft Berlins sei nicht mit der Hamburgs oder Münchens vergleichbar, so Sarrazin, sondern mit der Essens oder Dortmunds. "Die Lebenslüge Berlins bestand darin, dass es sich in allem für etwas Besonderes hält und daraus einen erhöhten Bedarf ableitet." Auf die Frage, wo die Stadt 16 Jahre nach der Wiedervereinigung stehe, antwortete Sarrazin: "Lassen Sie mich mal so sagen: Der Schutt ist abgeräumt. Wir leben hier nicht mehr im Jahre 1945. Sondern wir leben im Jahre 1947."

Sarrazin ist seit Januar 2002 Finanzsenator im rot-roten Senat.

Liwni zum Libanon: "Wenn sich nichts ändert, werden wir erneut eingreifen"

Die israelische Außenministerin Zipi Liwni will ein neuerliches Eingreifen ihres Landes im Libanon nicht ausschließen, betont aber, dass sich Hisbollah bislang an die Waffenruhe hält. Der ZEIT sagt Liwni, Israel wolle "mithelfen, den Libanon in einen normalen, unabhängigen Staat zu verwandeln. Das ist die optimistische Version. Die andere: Wenn sich nichts ändert, werden wir erneut eingreifen."

Die Außenministerin von Israel zeigt sich aber zuversichtlich, dass vorerst Ruhe an der Grenze zum Libanon herrschen wird. "Die Libanesen kennen den Preis für einen Angriff auf Israel, und Hisbollah kennt den Preis, den ein solcher für ihre politische Position im System hätte. Ich glaube also nicht, dass Hisbollah so schnell eine Wiederholung plant. Trotzdem: Das ist eine Bedrohung, mit der Beirut und die internationale Gemeinschaft fertig werden müssen", sagt sie und nennt die israelische Zustimmung zur Stationierung internationaler Truppen im Libanon "ein kalkuliertes Risiko".

Sie fügt hinzu: "Wir brauchen diese Truppe nicht, um Israel zu verteidigen. Aber wir wollen mit ihr kooperieren, um Beirut zu helfen, seine Soldaten im Süden zu stationieren und das Waffenembargo einzuhalten."