SPD-Parteichef Beck wirbt um die FDP

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat erneut Signale der Annäherung an die FDP ausgesandt: In einem Beitrag für die ZEIT erinnert er die Freidemokraten an ihre sozialliberale Tradition und schreibt, erst die sozialliberale Orientierung verschaffe der FDP ihr "eigenständiges Profil", während "die programmatische Engführung ihrer Politik auf wirtschaftsliberale Positionen" für die FDP schädlich sei. Dadurch habe die Partei "ihre politische Anschlussfähigkeit allzu einseitig eingeschränkt und so zu einer auf Dauer abträglichen Verkrustung unseres Parteiensystems beigetragen". Mit dem Beitrag in der ZEIT gratuliert Beck unter der Überschrift "Was heißt heute sozial- liberal?" der FDP zum 35. "Geburtstag" der Freiburger Thesen. Mit ihnen hatten die Liberalen im Jahr 1971 ihre Koalition mit der SPD im Bund programmatisch begründet. Durch diese Neuausrichtung, schreibt Beck, habe sich "die FDP aus ihrem Dasein als pure Funktionspartei" und "bloße Mehrheitsbeschafferin der Union" befreien wollen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident begründet sein Werben für Rot-Gelb auch mit eigenem Erleben: "Ich selbst habe in meinen zwölf Jahren als Regierungschef dieser sozial-liberalen Koalition die Erfahrung gemacht, dass Bündnisse mit der SPD für Liberale keineswegs bedeuten, liberale Identität aufzugeben." Mit Blick auf die aktuelle politische Lage schreibt Beck: Wenn sich die FDP der Realität stelle, dann brauche sie keine "Anknüpfungspunkte außerhalb ihrer selbst zu suchen, sondern kann sie in ihrer eigenen Tradition finden". Die marktradikalen und "neoliberalen" Tendenzen führt Beck auf die gegenwärtige Oppositionsrolle der FDP zurück. In der nächsten Ausgabe der ZEIT wird FDP-Chef Guido Westerwelle auf Kurt Becks Gratulation antworten.

Nordkoreanische Soldaten plündern Felder vor der Ernte

Gesetzlosigkeit und Verbrechen in Nordkorea nehmen zu. Das berichten nord-koreanische Flüchtlinge dem China-Korrespondenten der ZEIT, Georg Blume. Soldaten der nordkoreanischen Armee würden kurz vor der Ernte die Felder plündern, ausländische Hilfsgüter kämen ausschließlich bei der Machtclique des Diktators Kim Jong Il an. Wer keine Nahrungsmittel stehlen wolle, müsse nach Gras und Kräutern suchen. Mehrere zehntausend nordkoreanische Flüchtlinge halten sich derzeit im chinesischen Grenzgebiet versteckt. Wer Kontakt zu Journalisten aufnimmt, riskiert, verhaftet und nach Nordkorea abgeschoben zu werden. Trotzdem trafen sich einige Flüchtlinge mit dem ZEIT-Reporter – auch um ihn vor dem nordkoreanischen Regime zu warnen, das nach ihrer Überzeugung einen Atomkrieg will. "Die Welt muss die Nordkoreaner von ihrem Leid befreien", forderte einer. "Jetzt erst recht."

Thomas Brezina kritisiert Heerschau als Kriegs-"Verniedlichung"

"Leid, Krieg, Vernichtung dürfen nie verharmlost werden," so kritisiert der erfolgreiche Kinderbuchautor Thomas Brezina in der ZEIT die Leistungsschau des Bundesheeres anlässlich des Nationalfeiertages am Wiener Heldenplatz. "Kriegsgeräte fast wie Riesenspielzeuge, wie Wirklichkeit gewordene Plastikmodelle, vorzuführen", so der UNI-CEF- Botschafter Brezina, "ist ein Signal, das die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen, die auf der Welt toben, verniedlicht". Der Schriftsteller warnt vor einer "Abstumpfung" der Kinder und stellt die Fragen: "Welches Gefühl aber wird Kindern beim Anblick von Kriegsgerät vermittelt, das anlässlich des Nationalfeiertags auf dem Heldenplatz ... zur Schau gestellt wird? Werden diese Kinder später mit den ausgestellten Objekten verbinden, dass Panzer irgendwann immer Not, Leid, Tote, Zerstörung bringen – oder wird in ihnen die Faszination für die Kraft geweckt, die unter dem dicken Blech steckt?" Es bestehe die Gefahr, so Brezina, dass Krieg in den Köpfen der Kinder und "in ihrer Gefühlswelt" zu etwas werde, "das einen spielerischen Charakter hat". Es gelte, "die Sensibilität der Kinder für das, was recht ist, zu schützen und zu stärken" und ihnen vor Augen zu führen, "dass Waffen im Endeffekt immer gebaut werden, um zu töten". "Begeistern soll und kann, was ein Heer in Friedenszeiten leistet, wie wertvoll der Einsatz in Katastrophenfällen ist und welche Bedeutung die richtige Ausbildung, Ausrüstung und Disziplin haben", sagt Brezina in der ZEIT. Er habe zwar Verständnis für "die Bedeutung der Landesverteidigung", dennoch habe eine Waffe "immer mit Vernichtung zu tun, ganz egal, in welchem Zusammenhang und mit welcher Bedeutung" sie präsentiert werde.

Thomas Brezina ist einer der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren im deutschsprachigen Raum. Er ist Autor von mehreren hundert Hörspielen und rund 440 Kinder- und Jugendbüchern, die in 33 Sprachen übersetzt wurden. Im ORF gestaltet er seit Jahren erfolgreiche Kindersendungen wie "Tom Turbo" und den "Forscherexpress". Seit 1996 ist Brezina UNICEF-Botschafter Österreichs.