Otto Schily fordert Virusforschung auf europäischer Ebene

Angesichts der sich in Europa ausbreitenden Vogelgrippe fordert der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) eine Forschungsinstitution auf europäischer Ebene, die sich speziell mit der Virusforschung beschäftigt. "Bei einer Pandemie ist die Erfordernis offenkundig, denn die Krankheiten machen nicht an Ländergrenzen Halt", sagt Schily der ZEIT. Daher halte er es auch für "seltsam, dass nur die Nord-Länder jetzt ein gemeinsames Kompetenzzentrum einrichten wollen". Angesichts des chaotischen Krisenmanagements auf Rügen plädiert Schily außerdem für mehr zentrale Kompetenzen: "Es muss eine stärkere Koordinierungskompetenz auf der Seite des Bundes geben."

Zugleich warnt der ehemalige Minister davor, Ängste in der Bevölkerung vor der Vogelgrippe zu schüren: "Dass das Thema überall Topnachricht ist, sorgt für einen Gemütszustand, der unangemessen ist." Als Innenminister sei er stets darauf bedacht gewesen, "Wachsamkeit einzufordern - beispielsweise bei der Gefahr terroristischer Anschläge -, ohne dabei in Panik zu verfallen."

Im übrigen freue er sich auf die Rückkehr der Zugvögel, gestand Schily: "Meine italienischen Freunde versuche ich zu überzeugen, die Jagd auf Zugvögel zu unterlassen."

Gräfin Schönfeldt: Deutsche tendieren immer noch zu langweiligen Kinderbüchern

Sybil Gräfin Schönfeldt, erfahrene Kinder- und Jugendbuchkritikerin, attestiert den Deutschen eine Vorliebe für belehrende Bücher: "Deutsche scheinen leider immer noch fixiert zu sein auf pädagogische Wirkung, auf irgendeine Botschaft, die das Kind durch das Buch vermittelt bekommen soll. Ich bitte die übliche Ungerechtigkeit einer kurzen Formulierung zu entschuldigen: Deutsche tendieren eher zu den langweiligeren, gut gemeinten Kinderbüchern." Schuld sei die "unselige Trennung zwischen ernster Erwachsenenliteratur (...) und irgendwelchem pädagogischen Zeugs für Kinder", sagt sie der ZEIT. "Ich fürchte", so die Gräfin, "es gibt doch so etwas wie Nationaleigenschaften beim Umgang mit Literatur – obwohl ich mich lange gegen diesen Gedanken gewehrt habe." Briten würden intelligente Unterhaltung für ihre Kinder kaufen, im angelsächsischen Sprachraum gebe es auch keine Trennung zwischen Autoren, die für Erwachsene und Autoren, die für Kinder schrieben.

Um Kinder zum Lesen zu motivieren, brauche es außer guten Geschichten auch einen festen Platz des Lesens im Alltag: "Ich würde gerade die Jungen nicht quälen mit verordnetem Selbstlesen, wenn sie nicht mögen. Aber ich würde dafür sorgen, dass das Vorlesen eine normale menschliche Familienäußerung ist, die im Alltag ihren festen Platz hat, zum Beispiel beim Abendbrot. Ich kenne eigentlich keine kleinen Jungen, die partout keine spannenden Geschichten hören wollen."