Familienforscher fordert Familiensplitting statt Ehegatten-Splitting

Der Familienforscher Hans Bertram hat die Bundesregierung aufgefordert, das Ehegatten-Splitting durch ein Familiensplitting zu ersetzen, bei dem der Umfang des Steuernachlasses von der Kinderzahl abhängt. Das würde zur Logik des neuen Unterhaltsrechts passen, das stärker auf die Förderung der Kinder als der Ehe setze, erklärt Bertram in der ZEIT. Nach der von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries geplanten Reform hat die Unterhaltspflicht von Geschiedenen gegenüber Kindern Vorrang vor der Versorgung der Ex-Partner. Sind in einer neuen Partnerschaft Kinder zu versorgen, kann dies geringere Unterstützung für geschiedene Ehepartner bedeuten.

Bertram sagt, der Gesetzentwurf sei "nah dran an der Vorstellungswelt der jungen Generation". Der Professor für Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin sagt: "Durch das Gesetz wird von beiden Eltern mehr ökonomische Unabhängigkeit erwartet. Ich vermute aber, dass die meisten Frauen und Männer genau das auch von sich selbst erwarten. Möglicherweise ist der Wandel des Unterhaltsrechts ein zusätzlicher Anreiz, sich beruflich so zu etablieren, dass im Falle einer Scheidung keinem von beiden die Sozialhilfe droht."

SPD-Abgeordnete: Gründe für Ehrenmorde liegen nicht im Islam

Die so genannten Ehrenmorde an Frauen haben nach Ansicht der SPD-Bundestagsabgeordneten Lale Akgün "keinen monokausalen Zusammenhang" mit dem Islam. "Die Motive für Ehrenmorde liegen in erster Linie in patriarchalen und feudalen Strukturen", schreibt Akgün in der ZEIT. Im äußersten Fall dienten Ehrenmorde "zur Zementierung eines männlichen Herrschaftsanspruches. Sie kommen dort vor, wo Männer eine extrem starke Position im Machtsystem innehaben – oder diese Machtposition in Gefahr sehen." In der Türkei seien vor allem arme und ländlichen Regionen wie Mittelanatolien betroffen.

Tatort der meisten Ehrenmorde seien aber nicht die Dörfer, sondern die armen Vororte von Istanbul, Ankara und Izmir, wo sich Arbeitsmigranten aus den ländlichen Regionen niedergelassen haben. "Dort trifft das patriarchale System auf die moderne Leistungsgesellschaft", schreibt Akgün und fügt hinzu: "Oft genug sind in den Migrationsgesellschaften Frauen die Erfolgreicheren. Auch hier in Deutschland." Auf diesen "faktischen Machtverlust der Männer" werde "oft mit Gewalt reagiert, im schlimmsten Fall mit Mord." Am Donnerstag dieser Woche wird im Berliner Ehrenmord-Prozess um den Mord an Hatun Sürücü das Urteil erwartet.

Schon wieder 20.000 Biber in Deutschland