Bürger in Not wenden sich immer noch an Günter Wallraff

Der Schriftsteller Günter Wallraff bekommt auch mehr als 20 Jahre nach seinen größten Bucherfolgen jede Woche noch Bittbriefe von Bürgern, die sich schikaniert fühlen. Zum Teil klingeln die Betroffenen sogar an seiner Kölner Wohnungstür, wie der fast 65-Jährige der ZEIT sagt. Auch heute noch spüre er bei offensichtlichem Unrecht das Gefühl, „auch dagegenhalten zu können, dann bin ich bereit, mich bis zur Selbstaufgabe einzusetzen“.

Wallraff kümmert sich nach wie vor mit seinem Rechtshilfefonds um Menschen, die sich in juristischen Auseinandersetzungen mit der „Bild“-Zeitung befinden. In einem Streit um angebliche Stasi-Mitarbeit Wallraffs setzte sich der Schriftsteller rechtskräftig gegen den Axel-Springer-Verlag durch. Im Zusammenhang mit der laufenden Diskussion um die Begnadigung ehemaliger RAF-Terroristen räumt Wallraff ein, er hätte auch RAF-Mitglied Ulrike Meinhof bei sich in der Wohnung aufgenommen, „vorausgesetzt, dass sie bereit gewesen wäre, sich von ihrer Truppe zu lösen“. Gewalt habe er immer abgelehnt, sagt der Autor: „Ich bin Pazifist.“

Wallraff hatte in den 70er und 80er Jahren mit großem Erfolg Enthüllungsreportagen veröffentlicht. Er hatte sich unter falschem Namen in Betriebe eingeschleust und dann über Missstände in der Arbeitswelt berichtet.

Von Weizsäcker nennt Populisten „Bedrohung für Europa“

Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat „parteipolitisch motivierte Populisten in den Mitgliedsländern und neokonservative Heißsporne in den Machtzentren der Welt“ als Europas gefährlichste Feinde bezeichnet.

Weizsäcker beschäftigt sich auch mit der Rolle Deutschland in Europa: „Deutschland lebt heute zum ersten Mal in seiner Geschichte als Nation, ohne von irgendeinem seiner vielen Nachbarn gefürchtet oder bedroht zu werden. Dadurch und durch unsere relative Kraft sind wir für die EU unentbehrlich. In der Mitte Europas herrscht Frieden.“

Steinmeier lobt Genschers Beitrag zur Wiedervereinigung

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat seinen Amtsvorgänger Hans-Dietrich Genscher zu dessen 80. Geburtstag als „Verfechter der europäischen Einigung und Antreiber der Entspannungspolitik“ gewürdigt. Auch fünfzehn Jahre nach Genschers Rücktritt im Jahr 1992 fänden sich „in der Politik Genschers hilfreiche Anknüpfungspunkte“, schreibt Steinmeier in der ZEIT über den FDP-Politiker, der am 21. März 80 Jahre alt wird.

Steinmeier erinnert insbesondere an den frühen Einsatz Genschers für die Ostpolitik, die SPD und FDP in den 60er und 70er Jahren vertraten und die auf „Wandel durch Zusammenarbeit mit den östlichen Nachbarn“ zielte. Später als Außenminister habe Genscher das „Konzept einer realistischen Entspannungspolitik“ mit großer Konsequenz weiterverfolgt.