Abgeordnete Lale Akgün sieht Türkei nicht auf dem Weg zum Gottesstaat

Die Türkei ist nach Ansicht der türkischstämmigen SPD-Bundestagsabgeordneten Lale Akgün nicht auf dem Weg zum islamistischen Gottesstaat. "So sind zwar 99 Prozent der Türken Muslime, aber 91,5 Prozent sind der Meinung, dass man Glaubensunterschieden mit Toleranz begegnen müsse. 85 Prozent glauben, auch eine Frau ohne Kopftuch könne eine gute Muslimin sein, und 77 Prozent der Türken halten die Reformen Atatürks für eine große Errungenschaft", schreibt Akgün in der ZEIT.

Nach ihrer Auffassung ist eine Einteilung der türkischen Gesellschaft in zwei Lager – Scharia versus Demokratie – verfehlt. "Diese Blockbildung ist vielmehr ein politisches Instrument und Totschlagargument der Träger der Staatsideologie, die um ihre Macht fürchten. Nicht der Laizismus ist in Gefahr, sondern das 85-jährige Machtmonopol der ‚weißen’ Türken, sprich der kemalistischen Eliten", schreibt die SPD-Politikerin. Zu sehen sei "ein letztes Aufbäumen". Jedoch seien Pluralisierung und Demokratisierung so weit vorangekommen, "dass sich die Türkinnen und Türken nicht mehr das Denken verbieten lassen".

Akgün vertritt die Meinung, die enorme Landflucht der vergangenen Jahrzehnte habe das Land von Grund auf verändert. Die städtischen kemalistischen "weißen" Türken hätten mit Verachtung auf die vom Land zugezogenen religiöseren "schwarzen" Türken herabgeblickt. In diesem Konflikt liegt nach ihrer Überzeugung der Grund für die aktuellen Spannungen.

Lale Akgün ist Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion.

Innensenator warnt vor Gleichmacherei bei G-8-Gegnern

Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat sich angesichts der umstrittenen Durchsuchungsaktionen bei Globalisierungsgegnern dagegen ausgesprochen, die G-8-Gegner wegen einiger weniger Gewaltbereiter zu kriminalisieren. "Wir werden beim G-8-Gipfel große Demonstrationen haben. Es wird natürlich auch Leute geben, die für Gewalttätigkeiten kommen. Das sind aber Bereiche, die man mit der Polizei abdecken kann", sagt Körting der ZEIT. "Dagegen gibt es sehr viele, die die Globalisierungsfolgen höchst kritisch sehen – bis in die etablierten Parteien hinein. Wir sollten uns hüten, diese Menschen in einen Topf zu werfen mit ganz wenigen gewaltbereiten Grüppchen und damit den Protest als solchen für illegitim zu erklären."