Peer Steinbrück: Die SPD hat einen "Hang zum Selbstmitleid"
Seine Partei habe einen "Hang zum Selbstmitleid", sagt der stellvertretende SPD-Vorsitzende Peer Steinbrück der ZEIT. "Wenn die SPD die Agenda 2010 verleugnet, wird sie im 20-Prozent-Ghetto enden". Abenteuerlich, so Steinbrück, sei "die Vorstellung, die SPD könnte durch mehr Offerten an die Linkspartei Wähler gewinnen, ohne in der Mitte der Gesellschaft weitaus mehr Stimmen zu verlieren". Die SPD müsse lernen, "auch auf die vergangenen Jahre und ihre in dieser Koalition erbrachten Leistungen stolz zu sein".

Gleichzeitig spricht sich Steinbrück gegen einen Betreuungszuschuss für Eltern aus. "Das sehe ich kritisch", sagt der Bundesfinanzminister. Ein Zuschuss von 150 Euro für Eltern, die sich um ihr Kind zu Hause kümmern, "scheint mir geradezu eine Prämie für Frauen zu sein, die ihrem Beruf fernbleiben", so Steinbrück. Die Große Koalition hatte sich am Montag darauf verständigt, von 2013 an einen Rechtsanspruch auf Betreuung für unter Dreijährige einzuführen, um so die Berufstätigkeit von Frauen zu fördern. Für Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen, soll es einen Betreuungszuschuss geben.

Zur Finanzierung des Defizits in der gesetzlichen Krankenversicherung will Steinbrück auch die Überschüsse der Bundesagentur für Arbeit verwenden. Eine direkte Weiterleitung funktioniere "schon rechtlich nicht". Es sei aber "doch nicht unsittlich, die Überschussentwicklung der Bundesagentur, die auch durch einen Punkt aus der Mehrwertsteuererhöhung gefördert wird, nicht aus den Augen zu verlieren".

Helmut Schmidt rät zu Änderungen bei G8-Gipfeln
Im neuen ZEITmagazin LEBEN mahnt der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt Änderungen bei der Organisation der G8-Gipfeltreffen an. Schmidt erklärt, "dass die Regierungen viel zu viel Aufwand betreiben. Wenn man sich im kleinen Kreis irgendwo weit weg in der Landschaft träfe, so wie früher...". Der von der Bundesregierung gewählte Tagungsort Heiligendamm sei nicht geeignet. "Heiligendamm ist dicht bei Berlin und dicht bei Hamburg, in einem hochbevölkerten Staat, nämlich in Deutschland", sagt er.

Schmidt hatte im Jahr 1975 zusammen mit dem französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing den ersten Weltwirtschaftsgipfel einberufen. Nun schlägt er vor, sich "wie einst auf einer Insel oder in einem Golfhotel, weit abgelegen in einem Tal zwischen hohen Bergen" zu treffen.

Zum ersten Weltwirtschaftsgipfel in Rambouillet mit Valéry Giscard d’Estaing, so Helmut Schmidt, "haben wir uns in einem Wohnzimmer getroffen, in einem Schlösschen außerhalb von Paris. Und die Medien wurden über viele Kilometer auf Abstand gehalten. Es kam auch niemand auf die Idee, seinem Mitarbeiter zu sagen: Geh mal raus und erzähl unserer Presse, was ich soeben gerade Kluges geredet habe. Es waren private Treffen, keine riesigen Trosse nahebei. Inzwischen sind die Gipfeltreffen leider verkommen zu Medien-Events, und die Teilnehmer sind selbst schuld daran."

Ackermann für "null Toleranz" bei Korruption
Im Zusammenhang mit der Siemens-Affäre hat sich Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, für ein kompromissloses Vorgehen gegen Korruption ausgesprochen.

"Ich kann auf mich bezogen sagen: Wenn in der Deutschen Bank systematisch solche Dinge aufbrechen würden, würde ich morgen zurücktreten. Denn entweder war ich Teil davon, dann gehöre ich sowieso weg, oder ich habe es nicht gewusst, dann habe ich nicht geführt", sagt Ackermann dem neuen ZEITmagazin LEBEN . Es gebe "kein Geschäft, das es wert ist, den eigenen Ruf zu ruinieren", so Ackermann weiter. "Da gibt es überhaupt keine Grauzone, da gilt: null Toleranz."

Aus seiner Sicht sei die Wirtschaft "viel moralischer, als sie dargestellt wird", sagt der Deutsche Bank-Chef weiter. "Der Vorwurf, dass ich nicht ehrbar oder nicht moralisch bin, würde mich viel mehr treffen als der Vorwurf, ich hätte das Unternehmen nicht erfolgreich geführt." An der Debatte um die Mannesmann-Prämien habe ihn "verletzt, dass ich bisweilen in eine unmoralische Ecke gestellt wurde durch eine Handlung, die nach meinem Verständnis rechtmäßig und international üblich war".